Album der Woche: Haim – Days Are Gone

30.09.2013

An Haim kommt man dieser Tage nicht vorbei. Seit die BBC das Schwesterntrio aus Kalifornien zum aufregendsten Act des Jahres gekürt hat, reißt der Hype um die Band nicht ab. Nachdem sie uns eine gefühlte Ewigkeit mit ein paar Singles hingehalten haben, erscheint nun ihr Debütalbum „Days Are Gone“. Wir haben reingehört und die drei Schwestern zum Interview getroffen.

Danielle, Este und Alana Haim haben schon als Kinder in einer Band gespielt, damals noch mit ihren Eltern (Foto: detektor.fm).

Mit Hypes ist das ja so eine Sache. Einerseits ist viel Aufmerksamkeit für eine junge Band nützlich und gut. Die ständige Präsenz in den Medien kann aber auch dazu führen, dass man einer Band ganz schnell überdrüssig wird. Bei Haim ist dieser Effekt noch nicht eingetreten. Zum Glück, denn eigentlich geht es für die drei Schwestern jetzt erst richtig los.

Musikalische Früherziehung

Nachdem die Veröffentlichung mehrmals verschoben wurde, haben sie mit Days Are Gone nun auch etwas Vorzeigbares in der Hand: ihr erstes Album. Neulinge im Musikzirkus sind Este, Danielle und Alana aber nicht. Als Kinder haben sie mit ihren Eltern in einer Coverband gespielt, erzählt Alana.

Mit meinen Eltern in einer Band zu spielen war so cool, es war unsere Version von Camping und Angeln. Außerdem haben meine Eltern einen tollen Musikgeschmack und haben nur die besten Sachen gespielt: Rolling Stones, Chaka Khan, Tina Turner usw. Das war unsere Kindheit: Abwaschen zu Diskomusik.

Bandchemie qua Geburt

Eine Musiker-Karriere war damit fast unausweichlich und so beschlossen die drei 2006, eine eigene Band zu gründen. So richtig ernst wurde es mit Haim aber erst, nachdem Este ihren Uniabschluss gemacht und Danielle sich mit anderen Musikern ausprobiert hatte.

Ich hab schon mit anderen Leuten in Bands gespielt, aber mit meinen Schwestern ist es viel einfacher. Manchmal ist es fast ein bisschen unheimlich, z.B. wenn auf der Bühne etwas schief geht und wir wissen sofort, was zu tun ist, ohne darüber zu sprechen. Dann bin selbst ich überrascht. Unsere Bandchemie ist schon erstaunlich.

Die Chemie zwischen den dreien zeigt sich auch bei Interviews. Sie scheinen beste Freundinnen zu sein, bestätigen sich oft gegenseitig. Alle drei singen und beherrschen mehrere Instrumente. Die Songs schreiben sie zusammen.

Es ist ein natürlicher Prozess. Man kann sich nicht hinsetzen und sagen: Heute schreibe ich einen Song. Das funktioniert nicht. Meistens hat einer eine Idee für eine Melodie oder einen Drumbeat und dann machen wir etwas daraus. Später hört man sich das nochmal an und baut es aus. Es ist ein bisschen wie ein Puzzle. Manchmal hat einer eine schlechte Idee, aber wir probieren es trotzdem. Das ist das Wichtigste, immer ausprobieren.

Von Classic Rock bis Westcoast Hip-Hop

In ihren Songs mischen sie alles was sie in die Finger bekommen: Zum Classic Rock ihrer Kindheit gesellt sich 90er R’n’B, Grunge, Westcoast-HipHop und 80er Pop. Ihre clevere Kombination von Bekanntem mit frischer, persönlicher Note macht die Songs unwiderstehlich. Sie klingen mal nach Glamrock, mal nach Funk oder Electro-Pop. Dazu gibt Danielle ihre Mädchenzimmer-Texte über Herzschmerz, Hoffnung und Rache zum Besten.

Der Band-gewordene Zeitgeist

Mit Days Are Gone haben Haim das Konsens-Album des Jahres vorgelegt. Denn ihre Alles-kann-nichts-muss-Attitüde ist die mustergültige Verkörperung des Zeitgeistes. Sie haben keine Berührungsängste, sind hip, aber nicht überspannt. Sich gegen den Mainstream abgrenzen? Nicht nötig, wenn man ihn einfach besser machen kann. Erst kürzlich haben sie bei einem Auftritt eine vollkommen unironische Coverversion des Miley Cirus Songs Wrecking Ball dargeboten. Von Haim wird man auch dann noch nicht genug haben, wenn sich der Hype wieder gelegt hat.