Album der Woche | Joe Goddard – Electric Lines

Ode an die elektronische Tanzmusik

24.04.2017

Joe Goddard ist vor allem für seine Arbeit bei Hot Chip bekannt. Er ist auch Mitbegründer des Labels Greco-Roman, Songwriter, Produzent und DJ. Zwischendurch hat er irgendwie die Zeit gefunden, seine Solo-Platte "Electric Lines" aufzunehmen. Sie ist eine Verbeugung vor der elektronischen Tanzmusik:

Pause von Hot Chip: Joe Goddard Foto: Marc Sethi

Joe Goddard - Electric Lines

Electric Lines

Joe Goddard

(Domino Records, bereits erschienen)

Nach 15 Jahren im Musikgeschäft habe er sich erstmals mit Herz und Seele einem Soloalbum widmen können, sagt Joe Goddard. Keine Tour mit Hot Chip, die anderen Bandmitglieder anderweitig beschäftigt – endlich mal Zeit, sich ins Kellerstudio einzuschließen und nach Lust und Laune zu tüfteln. Und genau das hat Joe Goddard getan.

Ich wollte endlich mal das ganze Equipment testen, was ich über die Jahre angesammelt habe. Bisher hatte ich einfach keine Zeit dafür. Außerdem wollte ich sehen, ob ich auch alleine Musik machen kann. Ich habe ja immer mit Raf in 2 Bears oder den anderen Jungs in Hot Chip zusammengearbeitet. Ich wollte mal alle kreativen Entscheidungen selbst treffen und das war eine neue Herausforderung.

Pop und Elektrotracks

Vor allem der modulare Synthesizer Eurorack hat bei der Entstehung des Albums eine große Rolle gespielt. Dem hat es auch seinen Titel Electric Lines zu verdanken. Denn die einzelnen Module sind mit farbigen Kabeln verbunden. Außerdem ist das Album eine Verbeugung vor den vielen unterschiedlichen Spielarten der elektronischen Musik, sagt Joe Goddard.

Ich höre seit zwanzig Jahren elektronische Musik und auf dem Album wollte ich die verschiedenen Stile, die ich mag, zusammenbringen. Es gibt eine Verbindung zwischen Garage, RnB, HipHop, Disko und House. Und ich fand das der Titel „Electric Lines“ das gut ausdrückt.

Die Songs auf Electric Lines schwanken zwischen fast schon kitschigem Pop und mutig-experimentellen Elektrotracks. Goddard spielt mit den Arrangements, reiht stilistisch sehr unterschiedliches aneinander, führt Hörerwartungen in die Irre. Auch wenn Goddard die Songs zum größten Teil allein in seinem Studiobunker gebastelt hat, so ganz ohne Hilfe ging es dann doch nicht. Für den Gesang hat er sich unter anderem Unterstützung von der Sängerin Jess Mills und seinem Hot Chip-Bandkollegen Alexis Taylor geholt.

London in den 90ern

In den 90ern war Goddard jeden Abend in London unterwegs und hat so viel Musik aufgesaugt wie möglich. Clubkultur hat in seinem Leben eine sehr große Rolle gespielt und Electric Lines ist auch von dieser Erfahrung beeinflusst.

Ich hatte eine tolle Zeit in London in den 90ern. Ich bin zum Beispiel oft zu Stereolab-Konzerten gegangen oder zu einer Reggae-Nacht von Soul Jazz Records. Montags bin ich oft in einen kleinen Club namens Bar Rumba im Zentrum Londons gegangen, weil dort Gilles Peterson aufgelegt hat. Es war sehr viel los damals und das ist heute immer noch so.

Auf Electric Lines klingt kein Stück wie das andere. Das Album beeindruckt mit elektronischen Spielereien. Die eher poplastigen Songs wirken dagegen etwas flach. Wer sich im Schnelldurchlauf durch die Geschichte der elektronischen Tanzmusik hören möchte, dem sei Electric Lines von Joe Goddard empfohlen.