Album der Woche | Jungle – For Ever

Darf's ein bisschen mehr sein?

17.09.2018

Jungle haben mit ihrem Debütalbum 2014 einen veritablen Siegeszug angetreten: Mercury Prize-Nominierung, gefeierte Fernseh- und Festivalauftritte – ihren souligen Grooves und funky Beats konnte man einfach nicht widerstehen. Jetzt legen Jungle mit ihrem zweiten Album "For Ever" nach.

Es geht um Liebe und Herzschmerz bei Jungle.
Foto: Oliver Hadlee Pearch

Jungle - For Ever

For Ever

Jungle

(XL/Beggars Group, bereits erschienen)

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Das Album der Woche wird präsentiert von Dockin. Promo-Code: detektor10


Liebe sei ein bisschen wie Monopoly spielen, sagen Josh Lloyd-Watson und Tom McFarlane alias Jungle halbernst. Denn man versucht immer über „Los“ zu gehen und ein bisschen Glück einzusammeln. Auch wenn das eine gewöhnungsbedürftige Analogie ist, Liebe und Herzschmerz sind die großen Themen auf ihrem zweiten Album For Ever. In den vier Jahren seit der Veröffentlichung ihres sehr erfolgreichen Debütalbums haben beide das Ende von Beziehungen erlebt, Neuanfänge gemacht und sind mit ihren Songs an all die Orte gereist, von denen sie vorher nur geträumt hatten. Und all diese Erfahrungen haben ihren Weg auf das neue Album gefunden.

Wir haben uns vorgestellt, dass wir in einem Auto sitzen, durch die Radiostationen switchen und uns über unsere Beziehungen unterhalten. Wir helfen uns durch schwierige Zeiten, denn wir haben beide Trennungen hinter uns. Auf dem Album geht es um Freundschaft und auch um Liebe in ihren verschiedenen Phasen.

Opfer bringen für die Kunst

Geschrieben und aufgenommen haben Jungle die neuen Songs zum Teil in Los Angeles. Der Dauer-Sonnenschein und die lebendige Musikszene waren inspirierend. Aber die Zeit dort hatte auch Schattenseiten. Die finden sich zum Beispiel in dem Stück House in L.A. wieder, in dem Jungle unter anderem über das Musikerdasein reflektieren. Wenn man auf Tour ist, steht das Privatleben quasi still. Man bringt gewisse Opfer für seine Kunst. Das kommt auch in den neuen Songs zu Sprache. Als Tom McFarlane dann bei einem Konzert seinen Onkel im Publikum entdeckt, ist er den Tränen nahe.

Wir haben vor kurzem in Toronto gespielt, mein Onkel lebt dort. Bei „House in L.A.“ hab ich ihn plötzlich im Publikum entdeckt und hatte mit den Tränen zu kämpfen. Wenn man Musik macht und sich in diesen Album-Tour-Zyklus begibt, pausiert der Rest des Lebens. Man sieht Freunde und Familie kaum. Wir machen das gerne, aber es ist ein Opfer. Der Song bedeutet mir viel und dass mich der Text so emotional berührt, finde ich gut. Das hatte ich bei unserem ersten Album nicht.

Der duellierende Falsett-Gesang, der leicht schleppende Groove, die glitzernde Oberfläche – all das findet man auch auf For Ever. Ihre Mischung aus R’n’B, Soul und Disko lädt dazu ein, sich in den Adidas-Anzug zu werfen und den inneren B-Boy oder das innere B-Girl rauszulassen.

Wann ist ein Mann ein Mann?

Aber bei aller Partylaune, die die Songs wecken, im Hintergrund schwingt stets eine gewisse Melancholie über die unausweichlichen Schwierigkeiten mit, die einem das Leben manchmal bringt. Für Tom MacFarlane hatte das Ganze auch eine philosophische Dimension: In dem Song Happy Man hat er sich mit dem modernen Männerbild auseinandergesetzt.

Ich habe mich mit Männlichkeit beschäftigt und damit, ob das traditionelle Männerbild mich glücklich macht. Oder ob es nicht von Jahrhunderten voller Missverständisse geprägt ist und diese Idee von „nicht rumheulen, keine Emotionen zeigen“ nicht eher schädlich ist. Während wir das Album gemacht haben gab es Tage, an denen wir uns schlecht gefühlt haben und fertig waren mit der Welt. So ist das Leben nun mal. Und „Happy Man“ bedeutet für uns: Das wird schon wieder, mach dir keine Sorgen!

Zwischendurch wünscht man sich, Jungle hätten die eigene Komfortzone nicht nur textlich verlassen, sondern auch ein bisschen mehr an ihrer musikalischen Formel geschraubt. Allerdings sind ihre Songs auch auf For Ever immer noch so ansteckend und mitreißend, dass man sich auch gerne mit noch mehr vom Altbewährten zufrieden gibt.