Album der Woche: Kindness – Otherness

Bitte keine Radiosongs!

13.10.2014

Kindness ist das Projekt des Londoners Adam Bainbridge. 2009 coverte er noch The Replacements, jetzt ist sein zweites Album "Otherness" erschienen. Darauf spielt Kindness mit den Hörgewohnheiten und trotzdem sind die Songs groovy.

Adam Bainbridge alias Kindness. Foto: Promo.

Kindness - Otherness

Otherness

Kindness

(Pias Coop / Female Energy, bereits erschienen)

Er wolle keine Radio-Musik machen, sagt Adam Bainbridge alias Kindness. Andere könnten das viel besser und er möchte dem Publikum lieber eine Alternative anbieten. Die Songs auf seinem zweiten Album Otherness sind in der Tat nicht das, was man im klassischen Sinne unter Radio-Songs versteht. Zuerst klingt die Musik vertraut nach 80er Soul und Jazz. Aber schon im nächsten Moment wird alles durchgeschüttelt, wie bei einem Kaleidoskop und etwas Neues entsteht.

Bunte Musik, buntes Leben

Genauso bunt wie seine Musik ist auch Adam Bainbridges Leben. Die Familie seiner Mutter war Teil der großen indischen Community in Südafrika. Seine Großmutter war eine bekannte Anti-Apartheid-Aktivistin. Er selbst war ein paar Jahre Teil der Londoner DIY-Szene, hat Noise- und Avantgarde-Rock-Konzerte besucht. Lange hat er das aber nicht ausgehalten, die ganze weiße-Typen-mit-Gitarre-Szene war einfach nicht sein Ding. Danach hat er in Berlin und Philadelphia gelebt und dort ist auch die Idee für Kindness entstanden.

 

Nach einer ersten Single beim Label Moshi Moshi landete Kindness einen Deal mit Polydor. Mit dem Vorschuss konnte er sechs Monate in Paris verbringen und dort sein erstes Album aufnehmen. Es folgten Kollaborationen mit Solange Knowles und Grizzly Bear – Adam Bainbridge wurde zum gefragten Mann. Für sein zweites Album Otherness hat sich Bainbridge jede Menge Freunde ins Studio geladen, wie zum Beispiel den ghanaische Rapper M.anifest und die amerikanische Sängerin Kelela.

Eine Überraschung hinter jeder Ecke

Die Stücke auf Otherness sind clever und sorgfältig arrangiert. Bainbridge spielt mit den Hörgewohnheiten, denn hinter jeder Ecke lauert eine überraschende Wendung. Zum Beispiel in dem Song Who do you love?, das Bainbridge zusammen mit Robyn singt: Melodien verändern sich, Instrumente tauchen auf und verschwinden wieder.

Bainbridge hat sogar den legendären Jazzpianisten Herbie Hancock dazu überredet, ihm ein Sample seines Stücks Moon/Light freizugeben. Das kann man jetzt in dem Song For The Young hören.

Die andere Radiomusik

Auf Otherness verbindet Adam Baindbrige Elemte aus Soul, Pop, Jazz und HipHop, hat sich aber auch von traditioneller westafrikanischer Musik beeinflussen lassen. Er ignoriert gewohnte Songstrukturen und trotzdem sind die Stücke eingängig und sogar groovy. Natürlich wird sich keiner der Songs von Kindness jemals so im Ohr festsetzen wie Happy oder Blurred Lines. Aber wir bei detektor.fm haben überhaupt nichts dagegen, dass solche Musik auch öfter mal im Radio läuft.