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Haben Songs gemeinsam geschrieben: Local Natives.
Foto: Jonathan Chu

Album der Woche | Local Natives – Violet Street

Wo finden wir Zuflucht?

Mit detailverliebten Songs zwischen Indiefolk und Pop haben sich Local Natives eine große Fangemeinde erspielt. Mit Afrobeat und psychedelischen Elementen ihren Sound erweitert. Ihr neues Album „Violet Street“ haben sie gemeinsam geschrieben und darauf verleihen sie ihrer Musik eine neue Leichtigkeit.

Während die Local Natives ihr erstes Album Gorilla Manor aufgenommen haben, lebten alle fünf Mitglieder zusammen in einem Haus in Silver Lake, einem Stadtteil von Los Angeles. Dabei liefen die Aufnahmen ziemlich chaotisch. Ständig schauten Freunde vorbei. Und mal klampfte der eine zwischendurch auf der Gitarre oder dem Flohmarkt-Klavier. Und dann wieder jemand anderes. So entstanden die Songs in gemeinsamer Arbeit. Genauso wie Entscheidungen über das Artwork. Zu dieser urdemokratischen, aber durchaus auch kompetitiven Herangehensweise ist die Band für ihr neues Album Violet Street zurückgekehrt. Allerdings etwas professioneller: ohne chaotisches Haus und herumhängende Freunde. Alle waren in einem Raum zusammen, haben gejammt und die Songs ohne vorbereitete Demos geschrieben und aufgenommen. Und das Ergebnis zeigt: nach über zehn Jahren können sie sich immer noch gegenseitig inspirieren.

Jammen in der Lagerhalle

Die enge Zusammenarbeit mit Produzent Shawn Everett war ebenfalls neu für die Band. Everett holte das beste aus allen Beteiligten heraus. In einer Lagerhalle verbrachten sie viele Stunden und experimentierten und trieben sich gegenseitig zu Höchstleistungen an. Und die Adresse dieser Halle – Violet Street – wurde im Albumtitel verewigt.

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Mit schimmernden Synthies, synkopischen Rhythmen und jubilierenden Gitarrenakkorden bringen sie die kalifornische Sonne in ihre Songs. Natürlich darf der charakteristische dreistimmige Harmoniegesang nicht fehlen. In Gulf Shores wechseln sich elektronische Beats mit Gitarrenriffs ab, in Megaton Mile treibt ein groovender Bass den Song an, bevor ein fuzzy Solo die Regie übernimmt. Die detailverliebten Arrangements machen Spaß und halten viele Überraschungen parat. Dafür war ihnen kein Aufwand zu groß: Für das Ende des Songs When am I gonna lose you haben sie einzelne Stücke aus Tonband-Loops herausgeschnitten und dafür andere Songschnipsel eingefügt. Das ganze Experiment hat vier Tage gedauert, für ganze sieben Sekunden Musik.

Auf die Freundschaft

Die Zeiten sind unruhig und so ist die Kernfrage des Albums: wie bleiben wir mit beiden Füßen auf dem Boden? Wo finden wir Zuflucht? Die Antwort war für Local Natives zum einen ihre Familien, aber auch die Freundschaft untereinander. Ihre Texte handeln von Liebe, Ängsten, aber auch von dystopischen Fantasien von einer durch Bomben zerstörten Stadt.

Die Rückkehr zum gemeinsamen Songschreiben hat sich für Local Natives ausgezahlt. Violet Street ist stilistisch vielfältig und voller spannender Sounds, die sie scheinbar mühelos in hymnische Indiepopsongs einbetten.