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Sampa Tembo ist Sampa The Great.
Foto: Barun Chatterjee

Album der Woche | Sampa The Great – The Return

Erkenne dich selbst

Sampa The Great ist in Sambia geboren, hat in in Kalifornien studiert und lebt in Australien. Dort hat sie angefangen Musik zwischen Soul, R&B und Hiphop zu machen. Ihr Debütalbum heißt „The Return“. Aber wer kommt da von wo zurück? Und wohin?

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„Wer bin ich und wenn ja, wie viele?“ lautet der Titel eines Selbsthilfe-Bestsellers des Publizisten Richard David Precht. Diese oder zumindest ähnliche Fragen hat sich Sampa Tembo alias Sampa The Great in den letzten Jahren immer wieder gestellt. Als afrikanische Frau und Künstlerin zuerst in den USA und dann in Australien ist sie ständig damit konfrontiert worden, wie andere sie sehen und was andere in ihr sehen. Für ihr Album The Return hat sie sich mit ihrer Identität auseinandergesetzt und ihren Platz in dieser Welt gesucht. Und gefunden hat sie: sich selbst.

Afrika, Amerika, Australien

Von Zambia und Botswana über San Francisco nach Sydney und schließlich Melbourne hat der Weg von Sampa geführt. Nach der Schule hat sie Afrika verlassen um in Kalifornien Tontechnik zu studieren. Ihre Schwester überzeugte sie, nach Australien zu gehen und dort hat sie bei freien Jazz- und Hiphop-Sessions erste Bühnenerfahrung gesammelt. Sie traf andere Musiker und Produzenten mit denen sie zusammengearbeitete und 2015 erschien ihr erstes Mixtape The Great Mixtape. Für das zweite Birds And The BEE9 bekam sie 2017 den Australian Music Prize. Es folgten Auftritte im Vorprogramm von Kendrick Lamar und Lauryn Hill und beim Glastonbury Festival. Anfang 2019 hat Sampa The Great das erste Konzert in ihrer alten Heimat Zambia gespielt und sie hatte befürchtet, dass die alten Freunde und Familie ihre Musik nicht verstehen würden. Aber das Gegenteil war der Fall.

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Auf ihrem Album The Return beschäftigt sie sich intensiv mit Heimat, kulturellem Erbe, Vetreibung und Freiheit. Es ist in den letzten Jahren nicht ganz einfach für sie gewesen herauszufinden, wer sie ist, wie sie sich als Mensch und Künstlerin sieht. Sie hat Inspiration in tradioneller sambischer Musik gefunden. Im ersten Track Mwana haben ihre Schwester und ihre Mutter beide kleine Auftritte. Mwana ist Bemba, die Sprache ihrer Mutter, und bedeutet „Kind“.

In allen Bereichen great

Die Stücke auf dem Album bewegen sich zwischen Hiphop, R&B, Funk und Soul, es gibt Spoken Word-Passagen und tradionelle Folkchants. Auf soulige R&B-Tracks folgen jazzigen Stücke und dubbige Hiphop-Nummern. Sie hat u.a. mit den Produzenten Silentjay, Slowthai -Kollaborateur Kwes Darko und Clever Austin (alias Perrin Moss/ Hiatus Kiayote) zusammengearbeitet. Es geht um ihre eigene Geschichte, Rassismus und die Träume vernichtende Musikindustrie. In Final Form zeigt sie allen Zweiflern den Mittelfinger: „Great state I’m in / In all states I’m in / I might final form / In my melanin /Black power!“

Auch wenn es auf The Return keinen herausstechenden Hit gibt, das Album hat auch keine Filler: jeder Beat, jedes Sample und jede Silbe sitzen punktgenau. Beim Suchen nach sich selbst hat Sampa The Great festgestellt, das Identität kein unveränderlicher, einmal in Stein gemeißelter Zustand ist. Und dass Heimat kein physischer Ort ist, sondern eine Geisteshaltung. Und egal wo man sich gerade aufhält, dorthin kann man jederzeit zurückkehren.