Album der Woche: !!! – Shake The Shudder

Schüttel deine Sorgen ab!

15.05.2017

!!! (Chk Chk Chk) sind Pioniere des Dancepunk – Ihre Mischung aus Housebeats, einem funky Bass und psychedelischen Gitarren war Ende der 90er etwas ganz Neues. 20 Jahre später sind !!! des Tanzens immer noch nicht müde und bringen jetzt ihr siebtes Album raus, es heißt "Shake The Shudder"

Schüttel deine Sorgen ab, schüttel sie ab! Foto: Promo.

!!! (chk chk chk) - Shake The Shudder

Shake The Shudder

!!! (chk chk chk)

(Warp, bereits erschienen)

Nur vom Am-Strand-Herumliegen kommt man nicht an die Spitze der Charts. Da hat !!!-Sänger Nic Offer wohl recht. Deshalb hat die Band in einer freien Woche in Barcelona nicht an ihrem Teint gearbeitet, sondern lieber an ihrem neuen Album Shake The Shudder.

Barcelona – das klingt sehr glamourös, aber es war aus logistischen Gründen naheliegend. Denn wir wohnen nicht in derselben Stadt, die meisten von uns leben in New York, aber Mario wohnt in Kalifornien. Wir haben auf einem Festival auf Korsika gespielt und auf einem in der Nähe von Barcelona. Dazwischen hatten wir eine Woche frei und dachten, wir können auch jammen, statt den ganzen Tag am Strand zu liegen. Also haben wir ein paar Mikros aufgestellt und losgelegt. Und diese Aufnahmen sind die Grundlage für das Album.

Jodeln wie Hank Williams

Inspirieren lassen haben sich !!! von aktueller Dancemusik, aber zum Beispiel auch von Housemusik der frühen 90er. Eine Liste mit Songs, die sie beim Aufnehmen des Albums in irgendeiner Weise beeinflusst haben, gibt es bei Spotify. Neben musikalisch eher offensichtlichen Künstlern wie der 70er-Discoband Chic oder dem Dance-Produzenten Paul Woolford findet man dort auch die Country-Legende Hank Williams.

Ich bin kein großer Country-Fan. Aber im letzten Song „R rated pictures“ gibt es einen Jodelteil, in dem ich „lowowowowow“ singe. Die Idee dazu hatte ich vor vielen Jahren. Da saß ich mal in einer Bar, wo die ganze Zeit Hank Williams lief. Ich war auf Pilzen und von der Art und Weise, wie sein Jodeln einen unerklärlichen Schmerz ausdrückt, sehr angetan. Es hat den Schmerz genau beschrieben, ohne ihn mit Worten zu erklären. Ich habe mir im Kopf eine Notiz gemacht, dass ich das irgendwann mal benutzen will. Und als wir an dem Song gearbeitet haben, ist es mir wieder eingefallen.

Der Albumtitel Shake The Shudder heißt soviel wie: „Schüttel deine Sorgen ab, tanz deine Probleme weg.“ Und Tanzen konnte man zur Musik von !!! schon immer richtig gut, so auch zu den Songs auf Shake The Shudder. Sie verbinden Jungle-, House- und Diskobeats, funky Gitarrenriffs und jede Menge Synthesizer zu einem unwiderstehlich groovenden Ganzen.

Obwohl die Musik dazu einlädt, den Kopf abzuschalten, sind ihre Texte nicht nur Beiwerk. Es gibt zwar keine wütenden politischen Statements mehr wie 2004, als in dem Song Pardon My Freedom der Satz „You can tell the president to suck my fucking dick“ aufgetaucht ist. Heute geht es um Dinge wie Freundschaft, Schmerz und Selbstzweifel, zum Beispiel in dem Song Dancing Is The Best Revenge.

Beim Tanzen bist du frei, du kannst eins mit dir selbst sein und dich dafür feiern lassen. In dem Song geht es um den Kampf gegen ein Welt, die dich als etwas anderes sehen will, als das, was du wirklich bist. Beim Tanzen kannst du einfach du selbst sein.

!!! widerstehen dem Strand

Auf Shake The Shudder geht es aber nicht immer bierernst und introspektiv zu, !!! haben auch einen Hang zu Albernheiten. Ernste und alberne Songs habe es schließlich auch schon bei den Beatles gegeben, sagt Nic Offer. Den Text zu dem Song What R U Up 2Day zum Beispiel hat die vierjährige Tochter des Bassisten Rafael Cohen geschrieben.

Als Rafael an den Instrumentalstücken für den Song gearbeitet hat, hat seine Tochter ihn gefragt, ob sie auch bei dem Song mitmachen könne. Und er sagte, na klar, hat ihr die Kopfhörer aufgesetzt und sie aufgenommen. Das haben wir dann für den Song benutzt.

Ob es !!! mit Shake The Shudder an die Spitze der Charts schaffen, bleibt abzuwarten. Wir freuen uns aber in jedem Fall, dass sie dem Strand widerstanden haben, denn sie wissen immer noch, wie man die Leute zum Tanzen bringt.