Album der Woche: Sharon Jones & The Dap-Kings – Give The People What They Want

20.01.2014

"Give The People What They Want" heißt das neue Album der New Yorker Soulband Sharon Jones & The Dap-Kings. Und was wollen die Leute von ihrer Band? Natürlich authentische Soul- und Funkmusik, als hätten die 60er nie aufgehört.

Album der Woche: Sharon Jones & The Dap-Kings - Give The People What They Want

Diese Frau lässt sich nicht so leicht unterkriegen. Weder von Leuten, die ihr erzählen wollen, sie würde niemals Erfolg im Musikbusiness haben. Noch von Krankheiten wie Bauchspeicheldrüsenkrebs, der bei ihr im letzten Jahr diagnostiziert wurde. Sharon Jones hat diese altmodische Zähigkeit an sich, die sie nach Rückschlägen oder Misserfolgen immer wieder aufstehen und weitermachen lässt. So ist eben das Showbusiness, sagt sie.

Es ist nicht so einfach, jeden Abend auf die Bühne zu gehen und gut drauf zu sein. Aber die Leute kommen nicht, um dich heulen zu sehen. Ohne die Fans wäre ich nichts. Als meine Mutter gestorben ist, war ich gerade in Glasgow und ich habe das Konzert trotzdem gespielt. Es hätte sie ja nicht wieder lebendig gemacht, wenn ich in meinem Zimmer geblieben wäre, um zu weinen. Man muss sich zusammenreißen und weitermachen. Dieses Leben hab ich mir nunmal ausgesucht. Man muss den Leuten geben, was sie wollen.

Ein bisschen Stax, ein bisschen Motown

Und das tun Sharon Jones & The Dap-Kings auch auf ihrem neuen Album. Stax-Bläser, Motown Groove, Phil-Spector-Glockenspiel und Doo-Wop-Harmoniegesang – die Dap-Kings wissen genau, welche Zutaten sie für ihren unwiderstehlichen Soul-Cocktail brauchen. Dabei kopiert die Band nicht einfach, sie beleben die Soundästhetik der klassischen Soulära und führen sie weiter.

Ohne Sängerin nur halb so gut

Ohne ihre charismatische Sängerin wären all die clever arrangierten und produzierten Songs aber nur halb so gut. Sharon Jones‘ Stimme gibt den Texten Substanz und Glaubwürdigkeit. Egal ob sie über hinterhältige ehemalige Freundinnen singt, die ihr den Partner ausspannen wollen, wie in Now I See. Oder ob sie in einem Protestsong in bester Curtis-Mayfield-Manier feststellt, dass man für fleißige Arbeit nicht unbedingt mit Wohlstand belohnt wird, wie in dem Stück People Don’t Get What They Deserve.

Bitte keine schlechte Publicity

Man mag es dieser kleinen, toughen Person nicht so recht glauben, aber sie nimmt sich negative Kommentare sehr zu Herzen. Sie möchte nicht, dass die Leute schlechte Dinge über sie erzählen, sagt Sharon Jones.

Manchen Leuten macht schlechte Publicity nichts aus, solange man über sie spricht. Aber ich möchte das nicht. Ich möchte, dass die Leute Sachen sagen wie: „Der Song ist toll“ oder „ich mag die Musik“ oder „Dieser und jener Song hat micht inspiriert“. Ich stell mich ja auch nicht auf die Bühne und singe davon, wie viel Geld ich habe oder wieviele Autos oder welche Drogen ich nehme. Das halte ich für ziemlichen Mumpitz.

Zum Tanzen und zum Kuscheln

Auf Give The People What They Want mixen Sharon Jones & the Dap-Kings schmissige Tanzflächen-Füller und ruhigere Herzschmerz-Stücke. Ihre Songs klingen schon beim ersten mal Hören vertraut, ohne abgenutzt zu wirken. So richtig lebending werden sie aber erst auf der Bühne, wenn die gut geölte Groove-Maschine Dap-Kings loslegt und Sharon Jones über die Bühne fegt und mit ihrer Energie auch noch die hinterste Reihe ansteckt.