Album der Woche: The Coral – Butterfly House

02.08.2010

Vor 8 Jahren titelte ein renommiertes englisches Blatt: „Liverpool rocks again!“. 40 Jahre nach den Beatles würde es in der Hauptstadt des Pop eine neue Generation von Bands geben, die sich anschickt die Welt zu erobern, angeführt von einer Combo namens The Coral. Heute kann man sagen: Ganz so weit ist es zwar nicht gekommen, doch die Jungs um James Skelly liefern seither verlässlich gute Platten ab. Auch ihr neuster Streich namens „Butterfly House“ macht da keine Ausnahme.

The Coral - Butterfly House

Butterfly House

The Coral

(Cooperative Music / Universal, bereits erschienen)

Wie wäre das eigentlich, wenn es die Beatles im hier und jetzt geben würde? Hätten Sie dann ein Facebook-Profil? Wie viele Menschen würden das mögen? Würden Paul und George im Tourbus mit ihren iPads daddeln, während John und Ringo ein paar quirlige Synthie-Loops am Laptop zusammenschustern? Schwer vorzustellen – die 60er und unser modernes Kommunikations-Zeitalter trennen Welten. Auch The Coral, die mit ihrer Musik so tief im Gestern verwurzelt sind, können sich mit dem hochtechnisierten Alltag nur schwer anfreunden.


In einem Interview bemängelte Sänger James Skelly, die ständige Verfügbarkeit sämtlicher Informationen im Internet führe dazu, dass es keine Geheimnisse, keine Mysterien mehr geben würde. Deswegen wollte man mit dem neuen Album Butterfly House einen Gegenentwurf schaffen, eine Entschleunigung in der nimmermüden Datenmühle, ein rätselhaftes Mysterium. Es sollte der imaginäre Ort werden, der von Information und Technologie unantastbar bleibt. Folgerichtig zog sich die Band aufs Land zurück um an den neuen Songs zu schreiben.

Das Resultat sind einmal mehr psychedelische Folk-Pop-Songs aus einem längst vergangenen Jahrzehnt, aufgenommen mit der Studiotechnik von heute. Melodieverliebte Akustik-Gitarren und perfekte Harmonie-Gesänge sorgen für verschmitzte Zeltlager-Romantik, während die Rhythmus-Gruppe ohne große Spirenzchen den geradeaus rumpelnden Mustern der Beat-Ära frönt.

Wie jeder Künstler meint auch Sänger James Skelly, das neue Album sei das Beste was man je gemacht hätte. Der Mann ist jetzt 27 und kann mit seiner Band auf einen 5 Alben fassenden Backkatalog zurückblicken. Wenn das so weiter geht, klappt’s ja vielleicht doch noch mit der Welteroberung.