Album der Woche: The Drums – The Drums

14.06.2010

Wenn eine Band schon vor der ersten Veröffentlichung von der BBC als eine der aussichtreichsten Gruppen des Jahres gepriesen wird, kommt das einem Ritterschlag gleich. Die New Yorker Band „The Drums“ kam in diesem Jahr in diesen Genuss und seitdem scheiden sich an ihr die Geister. Die internationale Musikpresse hasst oder liebt sie, zerriss ihre EP „Summertime“ oder ließ sie hochleben. Unbeeindruckt von dem Rummel veröffentlichen The Drums jetzt ihr Debütalbum.

The Drums - The Drums

The Drums

The Drums

(Cooperative Music / Universal, bereits erschienen)

Wer für das Debütalbum der Drums auf eine Fortsetzung des unbeschwert fröhlich pfeifenden Let’s Go Surfing gehofft hat, der wird stutzen, wenn er nun die 12 Songs zum ersten Mal hört. Denn hier feiern nicht, wie nach der erste Single angenommen, die Beach Boys eine Revival-Party. Stattdessen fassen sich Ian Curtis, Morrissey und Robert Smith bei den Händen und tanzen schmachtend im Kreis. The Drums machen aus ihrer Bewunderung für die Popmusik der 80er Jahre kein Geheimnis. Im Gegenteil: mit Hingabe lassen sie schwülstige Liebeslieder à la The Smiths hochleben und setzen auf monotone Bassläufe, die eins zu eins aus einem Joy Division-Song entnommen sein könnten.

Seine Liebe zu den 80ern entdeckte Frontmann Jonathan Pierce schon im Alter von 10 Jahren. Damals fiel ihm eine Kraftwerk Platte in die Hände, die ihn seitdem nicht mehr loslässt. Über einige Versuche eine eigene Band zu gründen, stieß er auf die beiden Gitarristen Jacob Graham und Adam Kessler, sowie auf den Schlagzeuger Connor Hanwick. Als The Drums traten die Vier zum ersten Mal 2009 auf und wurden schnell zum Geheimtipp in New Yorker Clubs. Den Durchbruch verschafften sie dann allerdings fernab der Heimat, in Großbritannien. In Amerika haben sie bis heute keinen Labelvertrag, lösten dafür aber in Europa mit ihrer EP Summertime Anfang 2010 euphorische Jubelschreie aus. Nun steht der Longplayer „The Drums“ in den Läden und gibt tiefe Einblicke in das Seelenleben der vier Jungs. Unbeschwert heitere Melodien verbinden sie mit schwermütigen Texten über Hoffnungslosigkeit, gebrochene Herzen und Verlust. In My Best Friend besingt Frontmann Pierce den Tod seines besten Freundes und liefert mit dem anrührenden Text eine Hymne auf die perfekte Freundschaft.

Die leichtfüßige Melodie, nimmt dem Song seine Dramatik und animiert mindestens die großen Zehen zum heimlichen Mitwippen. Aber kann man zu einem Lied fröhlich sein, in dem es um den Tod des besten Freundes geht? Klar. Das soll man sogar, sagt Pierce.

Wenn ich einen traurigen Song höre, fühle ich mich nicht unbedingt traurig. Ich bin dann glücklich, dass jemand anderes auch solche Situationen kennt.

In denselben depressiven Tenor fügt sich auch einer der Höhhepunkte der Platte ein: Book Of Stories. „Ich dachte mein Leben würde besser werden, stattdessen wird es härter, stattdessen wird es kälter“, singt Pierce da gleichförmig. Die fluffig quickenden „Ahhhs“ und „Ohhs“, die die Band in fast jeden ihrer Songs einstreut, sind dabei nur Fassade. Sie geben den melancholischen Texten einen absurden Unterton.


Dabei traut man diesen New Yorker Hipstern soviel Ernsthaftigkeit gar nicht zu. Mit ihren gestutzten Haaransätzen, den Milchgesichtern und ihren engen Karohemden sehen die Vier eher aus wie eine schlechte Kopie ihrer Vorbilder aus den 80ern. Aber hinter ihrem Auftreten steckt, wie hinter allem, was diese Band ausspuckt, Methode.

Alles was wir machen ist uns sehr bewusst. Nichts ist Zufall. Die Idee für The Drums hat nicht nur mit Musik zu tun. Die Ästhetik, Stimmung, Inhalte – alles ist wichtig. Vom Artwork über das was wir anziehen bis zu unserem Aussehen und unserer Erscheinung bei Konzerten auf der Bühne. Von den Aufnahmen, der Produktion und unseren Songs. Wir stecken in alles was mir machen Gedanken und das unterscheidet uns gerade von vielen Bands.

Was bleibt nun von den 12 Songs dieses perfekt inszenierten Albums? Zunächst vor allem Respekt. Mit Anfang 20 so ein Debüt hinzulegen ist eine Glanzleistung. Perfektes Songwriting, leichtfüßige Melodien und dazu melancholische Texte – „The Drums“ ist eine Platte, die in dem überbordenden Popgeschäft nicht so schnell untergehen dürfte. Viele Songs erschließen sich erst nach mehrmaligem Hören und gewinnen an Qualität, je öfter sie gehört werden. Dabei spielt es gar keine Rolle, ob die Band nun wirklich – wie es die britische Musikzeitung NME kürzlich behauptete – den Sound des neuen Jahrzehnts markieren. The Drums sind jetzt und sie sind gut.