Album der Woche: Why? – Mumps, etc.

01.10.2012

Why? ist eine dieser Bands, die sich nur schwer googlen lassen. Wenn man den Titel ihres neuen Albums „Mumps etc.“ dazu eingibt, wird es schon einfacher. Die Schlagwörter Hip Hop und Folk noch dazu gepackt, wird‘s ein Kinderspiel. Wir haben die Gründe zusammengetragen, warum man Why? überhaupt googlen und vor allem hören sollte.

Das Album von Why? kommt ganz ohne Samples aus (Foto: Aaron M. Conway)

Why? - Mumps, etc.

Mumps, etc.

Why?

(City Slang, bereits erschienen)


Das Markenzeichen der Band Why? aus Kalifornien und Ohio ist ihre Mischung aus Folk und Hip Hop. Hört sich erst mal nicht so an, als würde das wie die Faust aufs Auge passen, tut es aber. Band-Chef Yoni Wolf rappt sehr langsam und verbindet so beide Elemente. Seine griffigen Reime über die kleinen Geschichten des Alltags hören sich so erfrischend an, dass sie einem stets ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Dabei sind sie manchmal gar nicht so lustig wie sie klingen.

Ich hatte mit Krankheiten und Problemen zu kämpfen, als ich an dem Album gearbeitet habe. Deshalb heißt das Album „Mumps, Etc.“. Krankheiten, Gerichtsverhandlungen und die damit verbundenen Sorgen. Das war mein großes Thema.

Why? haben Mumps etc. mit Hilfe von einem Chor, einem halben Orchester und vor allem ganz ohne Samples aufgenommen. Samples sind bei Hip Hop-Bands ja üblich, doch Why? mögen es traditionell und trocken. Gleiches gilt für die lyrischen Ergüsse der Band, bzw. die von Sänger Wolf. Bei Why? liegt der Fokus ganz klar auf den Texten und dem Humor:

In den Texten steckt viel Mühe. Jeder englisch Sprechende kann das ziemlich klar erkennen. Wenn ich wollte, dass die Leute mich als Gitarristen sehen, dann würde ich überall Gitarrensoli reinpacken.

Auf Mumps etc. wird wieder mehr gerappt als auf den Alben davor. Es ist mittlerweile nicht nur das vierte Album der Band, es ist auch das vierte Album über die kleinen und großen Neurosen, die Frontmann Yoni Wolf ständig mit sich rumträgt. So wird er nicht nur wegen seiner Religion mit Großstadtneurotiker Woody Allen verglichen:

Es ist gefährlich, darüber in Deutschland zu sprechen – der kleine jüdische Typ, Woody Allen. Ich hatte ja für eine Weile auch eine große Brille. Ich mag Woody Allen sehr, er ist sehr lustig. Und ja, vielleicht habe ich ähnliche Ängste, die er möglicherweise auch haben könnte. Vielleicht habe ich einen ähnlichen Humor wie er.

Yoni mag Woody Allen sehr und sieht auch diverse Parallelen. Das Klischee vom jüdischen Humor drängt sich so schnell auf:

Ich würde meinen Humor nicht als typisch jüdisch bezeichnen. Es gibt da vielleicht eine selbstironische Qualität, die man in Woody Allens oder anderem jüdischen Humor erkennen kann. Woody Allen ist jüdisch und das ist die Basis, von der er kommt. Aber er ist auch ganz viel Woody Allen, mit einem sehr einzigartigen Sinn für Humor. Wenn es zwischen seinem und meinem Humor eine Verbindung gibt, dann vielleicht die selbstironischen Sachen. Aber das kommt mir ganz natürlich vor und ich weiß nicht, ob das mit dem Jüdisch-Sein etwas zu tun hat oder nicht.

Ein Erfolgsrezept von Woody Allen sind seine Selbstzweifel. Die Leute identifizieren sich damit und sehen den Regisseur als jemanden, dem noch viel Schlimmeres widerfährt als einem selber. Nach dem gleichen Prinzip funktionieren Why?. Sie liefern mit Mumps etc. den Soundtrack für alle digitalen, problemgeplagten Großstadttwens – die Generation Praktikum, die sich fragt ob sie lieber unbezahlt in einer hippen Agentur arbeitet, oder für gutes Geld unhippe Arbeit leistet. Eine direkte Antwort geben Why? zwar nicht, aber sie helfen zumindest beim Nachdenken.