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Album der Woche: Yeasayer – Odd Blood

Ob Seattle, Berlin oder London – großstädtische Metropolen waren schon immer Magnete für Musiker aller Couleur und somit die kreativen Schmelztiegel für richtungsweisende musikalische Ergüsse. Der momentane „Place To Be“ ist dann wohl New York, genauer gesagt Brooklyn. Das dort stattgefundene Weiterspinnen von New Wave durch Bands wie Interpol und The Strokes ist schon wieder Schnee von gestern. Was heute den Ton angibt, ist Musik die sich nicht festlegen will.

In heruntergekommenen Lagerhäusern und Kunstgalerien wird experimentiert was das Zeug hält. Ob Afrobeat, Electronica oder Neo-Folk – alles kann, nicht muss. Was Vampire Weekend erahnen lassen, wird von der Band Yeasayer konsequent weitergedacht und ist vor allem eins: Vollkommen wirr und durchgeknallt.


Wer zu den Musikliebhabern der alten Schule gehört und beim Stöbern im Plattenladen erst mal in Song Nummer eins eines jeden Albums reinhört, der läuft bei Yeasayer Gefahr, eines der spannendsten aktuellen Neuerscheinungen zu verpassen. The Children führt zunächst auf falsche Fährte. Disharmonie, nicht einzuordnende Klangquellen und verzerrter Gesang bestimmen den Opener. Es mutet so an, als wolle die Band den geneigten Hörer um jeden Preis verstören. Doch schon Song Nummer zwei stellt klar: Hier geht es um POP in Großbuchstaben.

Ambling Alp ist eine eingängige, am Mainstream kratzende Popnummer, mit der sich Yeasayer irgendwo zwischen Rihanna und Underground platzieren. Eine genrespezifische Einordnung ist schier unmöglich. Zu wirr ist die Instrumentierung, zu undurchschaubar der musikalische Ansatz. Es können auch schon mal afrikanische Stammesgesänge verwurstet werden, hauptsache es widerspricht den Konventionen einfach gestrickter Popsongs. Yeasayer wollen herausfordern: Mit jedem Hören entdeckt man ein neues Blubbern, Knarzen oder Surren. Und doch verpacken es die New Yorker in kompakte Hymnen, die hängenbleiben.

Yeasayer live

Auch wenn sie als durchgeknallte Hipster gelten; als Neo-Hippies, die da in Brooklyn gerade einen neuen Trend lostreten: Sich selbst nehmen Yeasayer dabei nicht allzu ernst. Die Selbstdefinitionen ihrer Musik reichen von „MiddleEasternPsych-Pop-SnapGospel“ bis zu „Enya with bounce“. In Interviews fallen Sätze wie: „Wir wollen, dass dich unser Beat an den Eiern packt!“. Bei all der Albernheit steckt darin aber durchaus auch Wahrheit, denn ausproduziert ist Odd Blood allemal. Die Vielschichtigkeit ist beim ersten Hören kaum zu erfassen, sie überfordert eher und verlangt Geduld. Es drängt sich der Vergleich zu Bands wie Passion Pit auf, die in ihrer Produktion ähnlich dick auftragen. Man sieht sich mit einer Art Reiz-Überflutung konfrontiert.

Stellt man sich jedoch dieser Herausforderung, wird man sich irgendwann zwischen Beach-Boys-Gesängen, psychedelischen Synthies und Tribal-Elementen heimelig fühlen und im Wirrwarr der Sounds und Stile eine Eingängigkeit finden, die nicht mehr loslässt.

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