Album der Woche: Young Fathers – Cocoa Sugar

Die Welt mit anderen Augen sehen

12.03.2018

Für ihr Debütalbum „Dead“ haben Young Fathers den Mercury Prize gewonnen. Bekannt geworden sind sie für ihren schwer einzuordnenden Mix aus Soul, Hip-Hop und Pop. Für ihr drittes Album „Cocoa Sugar“ hat sich die Band vorgenommen, normale Songs zu schreiben.

Wollten normale Songs schreiben: Young Fathers.
Foto: Julia Noni

Young Fathers - Cocoa Sugar

Cocoa Sugar

Young Fathers

(Ninja Tune, bereits erschienen)

Er mag das Wort „contrast“ und findet dass das ein guter Name für ein Genre“ wäre, sagt Graham „G“ Hastings, alias ein Drittel der Young Fathers. Das wäre sicherlich auch die Schublade, in die man die Musik seiner Band einordnen würde. Denn die drei Musiker aus Edinburgh sind bekannt für ihre unberechenbare Mischung verschiedenster musikalischer Genres und ambivalenter Texte. Und das trifft auch auf ihr drittes Album „Cocoa Sugar“ zu. Dafür hatten sie sich eigentlich vorgenommen, „normale“ Songs zu schreiben, erzählt Hastings.

Wenn man auf Tour ist, ist man sich immer bewusst, wie man als Band wahrgenommen und wo man einsortiert wird. Das kann einem ein bisschen auf die Nerven gehen. Als wir angefangen haben, am neuen Album zu arbeiten, wollten wir deshalb das Gegenteil davon machen. Wir haben mehr lineare Arrangements benutzt, damit die Songs normaler werden. Aber eigentlich wissen wir, dass wir gar nicht normal sein können.

Spontanität ist wichtig

Ihre Andersartigkeit hat Young Fathers in den letzten Jahren sicher nicht geschadet. Sie waren mit Massive Attack auf Tour, haben Konzerte in Russland und Südafrika gespielt, eine Saison im Filmhouse ihrer Heimatstadt Edinburgh kuratiert und einen Song für den letzten Trainspotting-Film aufgenommen. 2017 haben sie sich dann wieder in ihrem Kellerstudio einquartiert, um Songs für ihr neues Album „Cocoa Sugar“ aufzunehmen, sagt Kayus Bankole.

Wir hatten nur eine ungefähre Vorstellung davon, wie die Songs klingen sollten. Wie wir das in Texten umsetzen würden, wussten wir nicht. Es kommt immer darauf an, wie man sich an dem Tag fühlt, dort setzt man an. Man setzt sich spontan mit dem Gefühl auseinander und versucht erst später, zu verstehen, was man da gemacht hat.

Young Fathers kombinieren eingängige Melodien und Zungenbrecher-Raps mit schrägen Samples, Beats und elektronischen Sounds. Dazu gibt es Zitate aus der Bibel, es geht um Sexismus und Rassismus und auch immer darum, die Welt mal mit den Augen eines anderen zu sehen. Deshalb lassen sie in ihren Songs erstmals ausgedachte Charaktere sprechen, erzählt Graham Hastings.

Auf diesem Album haben wir erstmals mit fiktionalen Charakteren gearbeitet. Manches ist auch persönlich, aber bei anderen Themen lassen wir eben ausgedachte Figuren sprechen. Ich weiß nicht so genau, woher das kam. Zwischen uns funktioniert das fast telepathisch. Wir sprechen nicht darüber, aber am Ende gehen wir alle in die gleiche Richtung.

Spannende Herausforderung

Auch wenn Young Fathers jetzt aus ihrer Sicht „normale“ Songs machen – spannend und eine Herausforderung sind sie allemal. Der Titel „Cocoa Sugar“ ist übrigens eine Anspielung auf den bittersüßen Geschmack, den das Leben an manchen Tagen hinterlässt. Oder wie es in dem Song „Wow“ bissig heißt: What a time to be alive.