detektor.fm-Session mit Fotos

Fehler is king

28.03.2017

Als Indierock Mitte der 2000er schwer angesagt ist, erscheint die Hamburger Band Fotos auf der Bildfläche. Anfangs adaptieren sie New Wave ins Deutsche, später toben sie sich in artverwandten Genres aus. Nach fast sieben Jahren Funkstille folgt nun ein neuer Anlauf, diesmal mit der Songwriting-Devise: einfach laufen lassen.

Lassen das Unterbewusstsein sprechen – Fotos-Sänger Tom Hessler und Gitarrist Deniz Erarslan. Foto: detektor.fm

Wer hat schon Lust, immer wieder dasselbe zu machen? Die Hamburger Band Fotos jedenfalls nicht. Drei Alben haben sie in den Jahren 2006 bis 2010 veröffentlicht. Und jedes hat seine eigene Note. Auf ihrem Debüt adaptieren sie den zackigen Indierock der britischen Class Of 2005, auf „Nach dem Goldrausch“ kommen Soul-und Funkeinflüsse dazu und schließlich folgen auf „Porzellan“ Ausflüge in noisige Shoegaze-Gefilde.

Mit diesen drei Alben waren Fotos unermüdlich auf Tour und haben Konzerte in über 20 Ländern gespielt. Danach war es lange still um die Band.

Nachdem wir mit den drei Alben schon ziemlich viel gesagt und mit vielen Musikrichtungen experimentiert hatten, gab es eine lange Phase, in der wir erst mal wieder Inspiration brauchten. Wir haben viel Musik gehört, gemacht und wieder verworfen. Einfach so ein bisschen klanggeforscht. – Gitarrist Deniz Erarslan

Nach fast sieben Jahren Funkstille und Klangforschung bringen Fotos nun ihr viertes Album raus: „Kids“. Und tatsächlich gehen Fotos darauf spielerischer zu Werke. Lassen die Gitarren auch mal stehen und setzen mehr auf Verfremdung.

Es war extrem befreiend, nicht einfach nur im Indierock-Kosmos der 2000er weiterzubaden. – Sänger Tom Hessler

Bloß nicht zu viel nachbessern

Die Songtexte auf „Kids“ sind assoziativ und weniger abgeschlossen. Fotos-Sänger Tom Hessler wollte diesmal bewusst nach der „Écriture automatique“, also der Methode des automatischen Schreibens vorgehen.

Es geht darum, dass man Fehler zulässt und Unterbewusstes aus sich rausfließen lässt. Wir haben nicht so lange nachgebessert, bis ein möglichst kommerziell auswertbares oder nachvollziehbares Ergebnis da war. Das Lektorat danach sollte möglichst sensibel ausfallen und nicht zu ambitioniert. Sonst bleibt am Ende nichts von der Unmittelbarkeit und der Authentizität übrig. – Tom Hessler

Was sie in den letzten Jahren so getrieben haben, wie man mit einem Plastikschlauch Musik machen kann und was das alles mit Astrophysik zu tun hat, das haben uns Fotos in der detektor.fm-Session erklärt und eine reduzierte Version von „Melodie des Todes“ eingespielt.