Gurr und ihr Debütalbum „In My Head“

Nostalgie und Berlin-Trueness

17.10.2016

Laura Lee Jenkins aus Berlin hat so starke Angst vor Tauben, dass sie sogar die Straßenseite wechselt, wenn sie eine trifft. Jenkins und ihre Bandkollegin Andreya Casablanca machen das Beste daraus und erfinden für sich den gutturalen Bandnamen Gurr. Gerade ist ihr ihr Debüt "In My Head" erschienen.

Andreya Casablanca (links) und Laura Lee Jenkins sind Berlin-Zugezogene.
Foto: PR

In My Head - Gurr

Gurr

In My Head

(Duchesse Box Records, bereits erschienen)

Berlin. Eine Zeit lang war es mal ziemlich in, eine junge Band aus der Hauptstadt zu sein. Mittlerweile ist die reine Quantität an Hauptstadtexporten so hoch, dass die Qualität darin ersäuft. In der Schwemme verloren. Problem vieler Bands: Das „Berlin“-Image reicht eben nicht mehr. Du musst die Schablone auch mit Leben füllen. Und damit wären wir bei Gurr. Das Berliner Duo mit dem Namen, der sich nach Riot Grrrl und Taubenschlag anhört macht keinen Berliner Hipster-Pop, sondern surfgetränkten Punk’n’Roll. Der Kniff ist: Nicht nach Berlin klingen, aber doch so viel Berlin in sich tragen. Es ist eine sonderbare Nostalgie in den Songs von Gurr, die Sängerin Andreya Casablanca so stark mit der Hauptstadt verbindet.

Wildvergnügte Surferlerbnisse

Nostalgie ist da, traurig geht’s in der Musik von Gurr trotzdem kaum zu. Dafür ist die Musik zu locker, die Gitarren surfen fröhlich vor sich hin und der häufig zweistimmige Gesang tönt wildvergnügt über das luftige Konstrukt hinweg.

Die Texte des Debütalbums „In My Head“ sind wie der viel gefütterte Instagram-Account von Gurr: Entspannt, ein bisschen versponnen, mit Augenzwinkern, aber auch einer gewissen Berlin-Trueness. Es geht um betrunkene Typen in Spelunken, die sich in eine Fantasy-Rock’n’Roll-Welt hineinträumen. Um Hacker, die sich in ihre Computer verlieben. Aber eben auch um den einen Typen, den man immer in der selben Bar trifft und der immer der letzte ist, der nach Hause geht.

Kein Grower, gleich da

Gurr haben „In My Head“ vollständig analog im Berliner Funkhaus aufgenommen. Die perfekte Aufnahme war ihnen dabei relativ schnurz. Sie haben einfach immer den Take genommen, der sich am besten angefühlt hat, auch wenn Fehler drin waren. Das macht „In My Head“ beim Hören zu einem ziemlich runden Album. Die Songs sausen fröhlich kurzweilig an einem vorbei und setzen den „Replay“-keifenden-Floh ins Ohr des Hörers. Dabei ist „In My Head“ kein Grower, die elf Stücke des Debütalbums erschließen sich eigentlich schon nach dem ersten Hören. Aber solange es auch nach dem fünfzigsten Mal noch Spaß macht Andreya Casablanca und Laura Lee Jenkins beim Gurren zuzuhören, hat die Band mit ihrem Debütalbum ziemlich viel richtig gemacht.

Redaktion: Jakob Bauer