„Ice Ice Baby“ – ein Buch über One-Hit-Wonders

Von Carl Perkins bis Conchita Wurst

22.10.2015

One-Hit Wonders faszinieren uns. Warum schaffen es Künstler nach einem Hit häufig nicht, nochmal nachzulegen? Und wie gehen sie mit dem Scheitern um? Mit "Ice Ice Baby" haben Carolin Löbbert und Marcus Lucas jetzt ein Buch zum Thema veröffentlicht. Wir haben reingeschaut.

Carolin Löbbert & Marcus Lucas - Ice Ice Baby: One-Hit Wonders 1955 - 2015

Ice Ice Baby: One-Hit Wonders 1955 - 2015

Carolin Löbbert & Marcus Lucas

(avant-verlag, bereits erschienen)

Auch wer noch nie etwas von der Illustratorin Carolin Löbbert gehört hat, kennt ziemlich sicher ihre Arbeiten. Sie zeichnet für die Süddeutsche, Die Zeit, taz, Vogue und viele andere Publikationen. Zusammen mit Co-Autor Marcus Lucas erscheint mit „Ice Ice Baby“ jetzt ihr erstes Buch.

Hits aus sechs Jahrzehnten

Ganze achtzig One-Hit Wonders aus den Jahren 1955 bis 2015 haben Carolin Löbbert und der GQ-Redakteur Marcus Lucas für „Ice Ice Baby“ zusammengetragen. Viele der Interpreten sind auch heute noch Teil des popkulturellen Gedächtnisses, andere sind dagegen schon lange in Vergessenheit geraten. Marcus Lucas erzählt dabei in knappen Sätzen, wie die Hits entstanden sind. Die Geschichten sind mal skurril, mal desillusionierend.

Carolin Löbbert widmet in „Ice Ice Baby“ jedem Interpreten ein ganzseitiges Porträt – und fängt dabei vor allem den Zeitgeist der jeweiligen Veröffentlichung ein. Mit kleinen Vignetten rundet sie dazu Marcus Lucas Texte ab. Löbberts Stil in „Ice Ice Baby“ ist comichaft und bunt, gleichzeitig aber auch ein bisschen realistisch.

Sechs One-Hit-Wonders aus dem Buch „Ice Ice Baby“

  • Screamin' Jay Hawkins schafft es 1956 mit 'I Put A Spell On You' an die Spitze der Charts. Vielen Radiosendern ist der Song damals zu anrüchig. Bild: Carolin Löbbert / Avant-Verlag
  • 'In A Gadda Da Vida' soll für Iron Butterfly der Auftakt einer großen Karriere sein. 1969 sind sie für Woodstock gebucht, ein ausgefallener Flug vermasselt ihnen diese Chance aber. Bild: Carolin Löbbert / Avant-Verlag
  • Ursprünglich für die Beach Boys geschrieben, nimmt Terry Jacks seine Komposition 'Seasons In The Sun' 1973 selbst auf. Die Single verkauft sich 14 Millionen Mal. Bild: Carolin Löbbert / Avant-Verlag
  • Die immerhin 13. Single seiner Karriere macht John Paul Young 1978 zum Weltstar. Er zielt damit besonders auf den damals disco-besessenen deutschen Markt. Bild: Carolin Löbbert / Avant-Verlag
  • Eigentlich ist 'Ice Ice Baby' nur die B-Seite auf Vanilla Ices Debüt-Single 'Play That Funky Music'. Die DJs spielen aber lieber den zweiten Song – 'Ice Ice Baby' erklimmt 1990 als erste Rap-Single die Spitze der US-Charts. Bild: Carolin Löbbert / Avant-Verlag
  • Unterstützt von Stefan Raab gelingt Lena 2010 mit 'Sattelite' der Sieg beim Eurovision Song Contest. Ob es bei nur diesem einen Hit bleiben wird, steht noch in den Sternen... Bild: Carolin Löbbert / Avant-Verlag

Den Absprung nicht geschafft

Beim Lesen fällt auf, wie viele der Interpreten nach dem großen Erfolg nicht wieder in ihr altes Leben zurückfinden. Manche Künstler probieren sich jahrelang erfolglos am zweiten Hit, Bands zerstreiten sich um Geldfragen – das große Glück scheint der plötzliche Hit selten zu bedeuten. Für Carolin Löbbert sind es vor allem Anerkennung und Ruhm, dem diese Musiker hinterherjagen. Wer den Absprung in die Normalität nicht schafft, macht sich unglücklich.

Carolin Löbbert PortraitWahrscheinlich ist es das Rampenlicht. Verehrt zu werden ist ja auch ein schönes Gefühl. Wenn man das auf einmal nicht mehr bekommt und nirgendwo anders seine Interessen finden kann, das kann natürlich echt hart sein.Illustratorin Carolin Löbbert über One-Hit-WondersBild: Carolin Löbbert / Avant-Verlag 

Glücklich im Hintergrund

Allzu deprimierend ist „Ice Ice Baby“ aber nicht geworden. Die Autoren erzählen auch von Künstlern, die sich um ihren einen Hit eine Karriere aufbauen – auch wenn die vielleicht nicht mehr komplett im Rampenlicht stattfindet.  Carolin Löbbert nennt da zum Beispiel Bobby McFerrin, der 1988 mit „Don’t Worry Be Happy“ einen Welthit landete:

Bobby McFerrin ist jetzt noch musikalisch aktiv und macht auch andere Sachen, Filmmusik oder klassische Musik, die einen nicht so ganz in den Vordergrund spielen. Er arbeitet einfach im Hintergrund. Und ich glaube, das kann auch glücklich machen.

Wir haben uns die One-Hit-Wonders angeschaut und mit Illustratorin Carolin Löbbert gesprochen.


Redaktion: Vincent Raßfeld