Reingehört: Lawrence Arabia – The Sparrow

20.07.2012

Dass kleine Inselstaaten großartige Musik hervorbringen können, dafür liefert ja das Vereinigte Königreich immer wieder neue Beweise. Jetzt wird die Theorie auch noch von Neuseeland bestätigt – mit dem neuen Album von Lawrence Arabia:. „The Sparrow“.

Lawrence Arabia - The Sparrow

The Sparrow

Lawrence Arabia

(Cooperative Music, bereits erschienen)

Mit nur 35 Minuten Spielzeit bewegt sich The Sparrow allein schon in der Dauer deutlich Richtung Minimalismus. Aber auch sonst versucht James Milne, der sich auf der Bühne „Lawrence Arabia“ nennt, bei seinem neuen Album, sich ganz auf das Wesentliche zu konzentrieren. Selbsterklärtes Vorbild ist die Musik der späten 60er und frühen 70er Jahre, so Milne, von deren Arrangements er immer wieder begeistert sei, weil sie dem Klang der einzelnen Instrumente so viel Raum lassen. Also nahm er sich für seine dritte Eigenproduktion vor, auf die üblichen Pro Tools-Spielereien zu verzichten und seine neuen Songs stattdessen in einer möglichst unverkünstelten Fassung aufzunehmen.

Für die Aufnahmen quartierte er sich im Herbst 2010 im Haus von Joe Gubay in der südenglischen Grafschaft Surrey ein. Als fanatischer Sammler hat Gubay sein Zuhause vollgestopft mit alten AKG-Mikrofonen und anderem Studio-Equipment, von dem James Milne sagt, dass es Musiker-Träume wahr werden lässt. Als Begleitmusiker mit dabei: Schlagzeuger Elroy Finn und Gitarrist Connan Mockasin, ein Glücksgriff für Lawrence Arabia, weil beide nicht nur kreative Ausnahmetalente sind, sondern, wie James Milne es ausdrückt, zufällig auch seine Freunde.

Milne stellte für das Trio strenge Regeln und einen ambitionierten Zeitplan auf: 15 Songs in nur fünf Tagen einspielen, und zwar mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad: ohne vorher geprobt zu haben. „Ich wollte, dass die Songs wirklich noch ganz frisch klingen, notfalls sogar ein bisschen wackelig“, so jedenfalls der Masterplan von James Milne. Alles, nur keine Routine – die sich nur zu schnell einstellt, wenn Musiker ein Stück schon so oft gespielt haben, dass sie sich mit kleinen Tricks über jede potentielle Stolperstelle hinwegretten können. Letztlich sind es dann zwölf Songs geworden, die es von Surrey zurück nach Neuseeland geschafft haben und in den Roundhead Studios in Auckland mit Bläsern und Streichern komplettiert wurden.

Mit Lawrence Arabia vollbringt James Milne das Kunststück, vermeintlich Widersprüchliches zu vereinen. Das fängt an beim Aufnahmeprozess und dem Versuch, kreative Freiheit und Disziplin zusammenzubringen. Und es zieht sich durch die ganze Platte, bestimmt den emotionalen Grundton von The Sparrow: beschwingt UND melancholisch; anspruchsvoll und trotzdem absolut zugänglich.

Hin und wieder gibt sich James Milne in den Texten Selbstzweifeln und Versagensängsten hin, rettet sich aber dann mit lässiger Ironie vor den ganz dunklen Momenten. Was immer James Milne im richtigen Leben verunsichern mag, hat Lawrence Arabia lange überwunden: „I’ve seen it all before“ singt er, leicht desillusioniert und doch abgeklärt. Und ja, vermutlich ist wirklich alles schon mal dagewesen. Egal – von den richtig guten Dingen kann man nicht genug kriegen.