Musikvideo der Woche | Empress Of „Standard“

Neuer Standard: Hals über Kopf

23.09.2015

Künstlerischer Inhalt und künstlerische Aufmachung: Empress Of stellt in ihrem neuen Musikvideo den "Standard" und sich auf den Kopf. Klischees werden dargestellt, werden gebrochen und es bleibt die Frage, ob sie mit dem ganzen Blut in ihrem Kopf weiterhin Songs schreiben kann.

Die Zarte und der Bodybuilder

Ein dunkler Raum, zwei Menschen beleuchtet im warmen Scheinwerferlicht. Der eine ein Bodybuilder, die andere Lorely Rodriguez. Sie ist Empress Of, eine amerikanische Indiepop-Solokünstlerin. Die beiden agieren miteinander, mit wem auch sonst, denn sie sind allein als wären sie auf einer Bühne, nur vom Spot beleuchtet, darstellend: Kunst. Eine Kunst, die so auch ohne einen Song im Hintergrund im Theater oder einem Museum gezeigt werden könnte.

Rollenbilder in Bewegung

Der starke, standfeste Mann und die von zarten Gesichtszügen, weichen Bewegungen, gänzlich in seiner Abhängigkeit stehende Dame, erzeugen beeindruckende Bilder. Sie Lassen Rollenklischees aufleben, brechen diese jedoch im nächsten Moment wieder. Was kontinuierlich bleibt, ist Lorely, die immer wieder kopfüber an des Bodybuilders Körper hängt. Anerkennend äußert sich die Regisseurin des Videos Zaiba Jabbar über die Drehbedingungen:

Lorely’s practice really payed off as she managed to lip sync the whole track on a few takes despite all the blood rushing to her head. – Zaiba Jabbar

Künstlerische Videos

Empress Of ist für ihre außergewöhnlichen Musikvideos bekannt. Ihr Debüt hatte Lorely auf YouTube mit ihren „colorminutes„. Ganz dem Titel entsprechend präsentieren sich einminütige Musikvideos, deren Bildinhalt lediglich eine einzige Farbe ist. Elf solcher Videos von einem fiesen gelb über dreckig-aubergine und kobold-grün bis neongrün oder eierschalen geben Einblicke in ihre Welt der Musik. Mehr aussagekräftiger Inhalt – nämlich ein Melone essendes Mädchen – folgte mit dem Video zu ihrem Song „Champagne“ von Regisseur Samuel Morris Hamad, bei dem die Schnitt- und Splitscreentechnik irritierend beeindrucken.

Eindrucksvoll schlicht und in der Aussage dreideutig. Da wäre nach dem „Tell me what you see“ – das im Song mehrfach erklingt – eher ein „when you’re turned around“ zu erwarten. Was davon zu halten ist, hat detektor.fm-Moderator Thibaud Schremser von Maurice Gajda erfahren.

DeadcrushIch frag mich, wie lange Loreley wirklich dort gehalten wurde! Wie viel Ausdauer hat eigentlich dieser Bodybuilder gehabt und wie viel Ausdauer hat sie gehabt auf dem Kopf zu hängen. Davon kann ich mich einfach nicht verabschieden.Maurice Gajdainteressiert sich für die Hintergründe des Videodrehs 

Redaktion: Rebekka Haubold

Maurice Gajda stellt jede Woche ein neues, außergewöhnliches Musikvideo vor.

Das Video zum Song „Two Minds“