Nada Surf im Interview

Auf der Suche nach dem Bauchgefühl

11.03.2016

Nada Surfs Debütalbum „High/Low“ ist mittlerweile schon 20 Jahre alt. Keiner ist von dieser Zahl überraschter als Sänger Matthew Caws. Statt nostalgisch zu werden, konzentriert er sich aber lieber auf die Gegenwart und die enthält aktuell das nagelneue Nada-Surf-Album Nummer sieben: „You know who you are“.

Selbst ein bisschen überrascht, dass es die Band schon 20 Jahre gibt - Matthew Caws (3.v.l.) von Nada Surf. Foto: PR

Nada Surf - You Know Who You Are

You Know Who You Are

Nada Surf

(City Slang, bereits erschienen)

Es gibt definitiv einige graue Haare mehr auf dem Kopf von Matthew Caws als zu Beginn der Bandkarriere von Nada Surf – vor allem, wenn man das mit dem Video zu ihrem ersten Hit „Popular“ vergleicht. Caws ist selbst ein bisschen überrascht davon, dass es Nada Surf ganz offensichtlich schon seit 20 Jahren gibt. „Das war jedenfalls nicht unbedingt unser Plan“, sagt er im Rückblick auf die Anfangszeit der Band.

Als wir angefangen haben, waren meine Ambitionen deutlich niedriger. Ich wollte einfach mal in ein paar coolen Clubs spielen, und dann vielleicht mal auf Tour gehen. Aber das wir das so lange machen würden – und in so vielen Ländern – ist für mich immer noch überraschend. Wir hatten das Glück, dass unser Publikum sehr loyal und enthusiastisch ist. Deshalb fühlt sich das Ganze auch nicht wie Arbeit an.

Du weißt, wer du bist

Die Lust am Songschreiben hat Matthew Caws jedenfalls nicht verloren, auch wenn es mit dem neuen, mittlerweile siebten Album länger gedauert hat als gedacht. Nach dreijähriger Pause hatte Matthew voreiligerweise schon Anfang 2015 auf Facebook verkündet, die Platte sei so gut wie fertig. Bei genauerem Hinhören war er dann aber doch nicht zufrieden mit dem bereits eingespielten Material. Das Bauchgefühl sagte: alles zurück auf Anfang. Nicht zuletzt deshalb heißt das Album „You know who you are“.

Ich musste in letzter Zeit ein paar Entscheidungen treffen, bei denen ich nicht genau wusste, was mein Bauchgefühl eigentlich sagt. Es ging im Grunde in zwei Richtungen und ich wusste nicht, welcher davon ich vertrauen sollte. Der Albumtitel hat für mich etwas Tröstliches in so einer Situation. Selbst wenn du für den Moment verwirrt bist – tief in dir drin weißt du, wer du wirklich bist.

Wenn der Frontmann von Nada Surf eins gelernt hat in den letzten 20 Jahren, dann auf dieses Bauchgefühl zu vertrauen – und zu wissen, wofür Nada Surf stehen. Also hat Matthew Caws nochmal ein Jahr Arbeit investiert, und sich unter anderem ein paar Inspirations- und Studio-Tage bei Produzent und Grammy-Gewinner Dan Wilson erbettelt.

Es war, als hätte ich ein zweites Gehirn zur Verfügung. Wir hatten vier Tage und ich bin einfach jeden morgen zu ihm nach Hause gefahren. Am ersten Tag haben wir einfach nur geredet und nicht einmal die Gitarren angefasst. Wir haben uns über unsere Lebensgeschichte ausgetauscht und was uns aktuell grade beschäftigt. Die drei anderen Tage haben wir Songs geschrieben und diesen  ersten Tag als Quelle genutzt.

Von hier an zu viert

Die Zusammenarbeit mit Wilson brachte offenbar nicht nur neue Motivation, sondern auch den entscheidenden Kick für das neue Album. Songs wie „Rushing“ oder der Album-Closer „Victory’s yours“ entstanden genau aus diesem Ideen-Bootcamp heraus. Der Rest war dann wieder gemeinsame Sache unter den Nada Surf-Kollegen. Zu denen gehört jetzt übrigens auch offiziell als viertes Bandmitglied Gitarrist Doug Gillard. Er hat die Band schon länger als Studiomusiker und in der Tourband begleitet. Ihn fest dabei zu haben, war laut Matthew Caws der nächste logische Schritt, denn Dougs Ideen und sein Improvisationstalent sind mittlerweile eine unverzichtbare Ergänzung im Studio.

Doug bringt als einziger von uns diese Jazz-Sensibilität mit. Wenn ihm etwas einfällt, muss er nicht lange nachdenken, wie er das umsetzen kann – er macht es einfach. Er ist total nah dran am Instrument. Das ist für uns großartig, wenn wir die Songs arrangieren. Er denkt sich eine Hookline aus und legt sofort los, wir müssen keine Sekunde aufhören zu spielen. Es passiert einfach.

Da ist es wieder: das Bauchgefühl als der entscheidende Kompass bei allem, was Nada Surf anpacken. Ob das neue Album „You know who you are“ jetzt auch bei den Fans den richtigen Nerv trifft, können die ihren Helden spätestens im April zeigen: bei der nächsten Nada Surf-Tour, direkt vor der Bühne.

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