Reingehört: Broken Bells – After The Disco

06.02.2014

2010 haben sich The Shins-Sänger James Mercer und das Produzentschwergewicht Brian Burton erstmals als Broken Bells zusammengetan. Ihr selbstbetiteltes Debütalbum war ein Hin und Her-Wechseln zwischen unterschiedlichen Stilen. Jetzt ist mit "After The Disco" der Nachfolger erschienen.

James Mercer und Brian Burton sind Broken Bells. (Foto: Sony Music)

Broken Bells - After The Disco

After The Disco

Broken Bells

(Sony, bereits erschienen)

„After the disco all of the shine just faded away“ – nach der Disko ist der Glitzer ab, singen Broken Bells im Titelsong ihres neuen Albums.

Ernüchterndes Erwachen

Wer kennt nicht das ernüchternde Gefühl, wenn man im Morgengraun aus dem Club rausstolpert und die Welt ist irgendwie gar nicht mehr so neu und aufregend, wie sie eben noch schien. Enttäuschung und desillusioniertes Runterkommen sind die Grundstimmungen des zweiten Albums von Broken Bells. Schon der erste Song Perfect World macht das deutlich. Darin geht es auch um seine Zeit London, erzählt Brian Burton.

In der ersten Zeile geht es um London. James und ich haben dort beide gewohnt. Ich hab dort ganz am Anfang meiner Musikbusiness-Karriere ein paar Jahre gelebt und wollte es unbedingt schaffen. Ich war damals sehr einsam, es war nicht besonders toll. James war während der High School dort. Also war es für uns ganz unterschiedlich, aber wir haben das trotzdem gemeinsam, können uns beide damit identifizieren. Darum geht es in vielen der Stücke. „Perfect World“ bereitet einen auf den Rest der Platte vor, auch wenn es ziemlich traurig und trostlos scheint.

Auf der Suche

Die Charaktere in den Songs auf After The Disco sind auf der Suche und nirgendwo zu Hause. Manchmal stehen sie auch ihrem eigenen Glück im Weg, wie in Lazy Wonderland.

Ich habe es schon gesehen, das Lazy Wonderland, war aber noch nicht dort. Es ist der perfekte Moment an einem perfekten Ort. Aber du weißt, wenn andere etwas davon erfahren, wird es ruiniert. Oder wenn du dir bewusst wirst, dass dieser Moment nicht von Dauer ist, machst du ihn kaputt.

Schwereloser Diskopop

Auf After The Disco erschafft Brian Burton atmosphärische, digitale Soundlandschaften. Die Musik scheint schwerelos und träge zugleich. Und sie ist Diskopop. Die erste Single Holding On For Life hätte locker als Neuauflage der Bee Gees durchgehen können. James Mercer sagt, das war alles Zufall.

Dieser Bee Gees Bezug, das hat sich zufällig ergeben. Ich habe Falsett gesungen, um die richtige Stimmung für den Refrain von „Holding On For Life“ hinzubekommen. Das klang erst ein bisschen dünn und wir haben noch ein paar Tracks dazu gemischt. Als wir es uns danach angehört haben, dachten wir: Schau an, so haben das die Bee Gees also gemacht.

Etwas mehr Magie bitte!

Von der Experimentierfreude des ersten Broken Bells Albums ist auf After The Disco wenig geblieben. Spätestens in der zweiten Hälfte der Platte führt das leider dazu, dass die Songs sich alle ein wenig gleich und formelhaft anhören. Ist der vielversprechende Glitzer schon ab von der Supergroup Broken Bells? Hoffentlich nicht! Ein bisschen mehr Magie als auf After The Disco darf es beim nächsten Mal also gerne sein. Bis dahin tanzen wir einfach weiter und legen ab und zu die Bee Gees auf.