Reingehört: The Black Box Revelation – My Perception

06.10.2011

Mit der Renaissance der 80er und 90er verschwanden die schweren Gitarren aus dem Indie-Sound. Nur wenige Bands stehen diesem Trend noch wie ein Fels in der Brandung entgegen. The Black Box Revelation ist eine dieser Bands.

Jan Paternoster und Dries van Dijck alias The Black Box Revelation (Foto: Sebastian Schwesinger / detektor.fm)

The Black Box Revelation - My Perception

My Perception

The Black Box Revelation

(Pias, bereits erschienen)

Am Anfang konnte keiner glauben, dass The Black Box Revelation tatsächlich aus Belgien kommen. Das erste Album Set Your Head on Fire war eine derart abgeklärte Garagen-Rock Platte. Da musste man sich schon an den Namen vergewissern, dass da keine Amerikaner am Werk waren. Jan Paternoster und Dries van Dijck sind aber nun mal aus Dilbeek im flämischen Teil Belgiens. Dort haben sie mit 11 und 13 Jahren begonnen, gemeinsam Musik zu machen. Noch nicht mal volljährig erschien ihr Debüt und brachte ihnen vor allem in den USA mächtig Aufmerksamkeit. Vier Jahre später steht nun mit My Perception bereits Album Nummer drei in den Startlöchern.

Rattle My Heart heißt die erste Single des Albums und entfernt sich nicht weit von früheren Produktionen. Ein einprägsames Gitarrenriff, getragen von soviel Schlagzeugbegleitung wie nötig, und viel Akzent auf der schnarrenden Stimme des Herrn Paternosters. Und so kann man über die heute gerade mal 20 und 22 Jahre alten Musiker sagen, dass sie sich treu geblieben sind. Den besonderen Vintage-Effekt bekommt die Musik weiterhin aus der Live-Situation im Studio, wie Schlagzeuger Dries erklärt:

Wir sind vor allem von alter Musik beeinflusst. So arbeiten wir auch im Studio. Abgesehen vom Gesang spielen wir alles live ein, ohne viele Overdubs. Wir mögen das Pure in der Musik.

Doch nach dem ersten Drittel der Platte wird schnell deutlich, dass das musikalische Terrain damit längst nicht bsgeschritten ist. Schon mit den Songs Bitter und Skin wird die Stimmung merklich düsterer, das Tempo langsamer. Als hätte man Kasabian zu lange Joy Division hören lassen, so besingt Paternoster den bitteren Geschmack seines Herzens und den dunklen Pfad der Liebe.

In den ersten Tagen im Studio haben wir vor allem Uptempo-Songs aufgenommen. Je länger wir im Studio waren, desto vibrierender und sphärischer wurde unserer Sound.


Mit nicht mehr als einer Handvoll Songskizzen sind die beiden nach Kalifornien gefahren und haben sich im Haus von Alain Johannes einquartiert. Dessen Home-Studio liegt idyllisch, direkt an der Steilküste des Pazifiks. Johannes kann man ruhigen Gewissens als die rechte Hand von Josh Homme bezeichnen. Es gibt kaum ein Projekt des Tausendsassas an dem er nicht irgendwie beteiligt ist. Produziert hat er in den letzten Jahren z.B. die Eagles of Death Metal, Them Crooked Vultures aber auch das letzte Album der Arctic Monkeys.

Der klangästhetische Stempel des Produzenten wird spätestens bei den Songs des letzten Drittels hörbar. New Sun hört sich wie eine Unplugged-Version eines Queens of the Stoneage Songs an. Bei Sealed With Thorns wird der dunkle Desert Blues zelebriert.

Es gibt nicht viele Produzenten, die eine Gitarre so inszenieren können. Für den Genuss dringend empfohlen sind gute Kopfhörer, wenn Jan und Dries schon nach zwei von sieben Minuten ins Jammen übergehen. Dann hat man das Gefühl mitten im Studio zu stehen, so mitgeschnitten hört sich der Song an.

Noch nie ist es uns so gut gelungen, unseren Live-Sound auf Platte einzufangen. Wenn wir uns die Aufnahmen heute anhören, fühlen wir uns direkt ins Studio zurückversetzt.

Lied für Lied vollzieht man die Metamorphose der Studiozeit nach. Angefangen von bekannten Garage-Rock Schemen, über Indie-Rock a la Kasabian bis man letztlich bei psychodelischem Blues Rock ankommt. Wie eine lange Jam Session, dessen letzter Satz lautet: „Come on with me to a better place.“ Es scheint so, als hätten Black Box Revelation genau diesen Platz gefunden.