Reingehört: The Go! Team – The Scene Between

Wie ein aufgekratztes Blumenkind

27.03.2015

Auf dem neuen The Go! Team-Album gibt es deutlich weniger Hip-Hop und Funk-Elemente als noch auf den Vorgängern. Dafür klingt „The Scene Between“ mehr nach einer Mischung aus Garage, Poprock und vor allem guter Laune. Wir haben mit Bandleader Ian Parton gesprochen.

The Go! Team - The Scene Between

The Scene Between

The Go! Team

(Indigo, bereits erschienen)

Bunt und grell geht es auf dem neuen Album der britischen Band The Go! Team zu. Deutlich wird das schon beim ersten Blick auf das Plattencover, das eine Fläche aus wild ineinanderlaufenden Farben zeigt. Mit dem neuen Album „The Scene Between“ wollte Bandleader Ian Parton etwas Elementares am bisherigen The Go! Team-Konzept ändern: Das Songwriting. Die Musik sollte eigenständiger werden als bisher. Beim neuen Album hat Ian Parton sich an der Struktur klassischer Popsongs orientiert.

In der Vergangenheit haben die Leute The Go! Team immer mit anderen Dingen in Verbindung gebracht. Verfolgungsjagden, Bollywood und so weiter, ohne wirklich was von den eigentlichen Songs mitzubekommen. Ich wollte ein Album machen, in dem es wirklich um die Songs selber geht. Mit Gesang, Hooks, Refrains und so weiter. Das ist das schwerste was man machen kann.

So klingt der Frühling

Schon der Titelsong „The Scene Between“ zeigt, dass die bisher ungewohnten Pop-Strukturen der Musik von Ian Parton und Co. ziemlich gut tun. Schon die ersten Takte des Titeltracks lassen die Sonne aufgehen und den Frühling aus den Boxen fließen. Es klingt wie ein Blumenmädchen, das im Sonnenschein tanzt und völlig aufgekratzt ist. Ziemlich niedlich. Zunächst.

Auf dem Album sind auch drei kurze Stücke, die nicht mal zusammengerechnet einen anständigen Song ergeben. Sie wirken, als wollen Sie die Idylle des Albums samt Blumenkind dem Erdboden gleich machen. Eine brutale, hochfrequente Ansammlung elektronischer Sounds, die so gar nicht in das sonst sehr harmonische Bild der Platte passen.

Neuer Song, neue Stimme

Besonders wichtig waren Ian Parton auf dem neuen Album die Vocals. Gleich mehrere Sängerinnen hat der Bandleader für das neue Album ins Boot geholt. Für ihn ist jeder Song komplett anders. Und jeder einzelne Song braucht demnach eine andere Stimme, damit alles passt und funktioniert.

Um die Gesangsparts habe ich mich erst gekümmert, als der Rest der Songs schon fertig war. Dann habe ich mir meinen Kopf zermartert, welche Stimme zu den einzlenen Songs wohl am besten passen würde. Der eine Song brauchte eine sehr starke Stimme, bei dem nächsten dachte ich dann eher an einen Chor oder an eine Stimme mit einem Akzent. Einem französischen vielleicht. Ich denke ein wichtiger Teil von The Go! Team sind die Stimmen. Mir gefiel die Idee ein Album mit vielen verschiedenen Stimmen zu machen, so, dass man nie weiß, was als nächstes kommt. Das gefiel mir viel besser als die Idee, dass man nur einen Sänger hat und eine Produktionsart für das komplette Album.

Für Ian Parton ist die Stimme sozusagen die Seele eines Songs. Auch wenn ihm die Suche nach der richtigen Stimme die Arbeit nicht wirklich erleichtert hat.

Die Stimme ist immer wichtig. Aber sicherlich ist Singen immer so eine persönliche, ausdrucksstarke Sache. Es ist immer ziemlich schnell klar, wenn das nicht passt. Es ist nicht so wie Schlagzeugspielen oder so. Es ist sowas wie die Seele eines Songs. Es war also eine ziemlich große Sache. Es hat mir die Arbeit sehr viel schwerer gemacht.

Kein Pop-Einheitsbrei

Die positive und unbeschwerte Stimmung auf „The Scene Between“ bleibt bis auf wenige Ausnahmen erhalten. Schön, dass zwischen den ganzen bedeutungsschwangeren Alben eine einfache und positive Platte heraussticht. Allerdings hat „The Scene Between“ genau wie laut kreischende Blumenkinder ein Problem: Sie wird mit der Zeit anstrengend und furchtbar nervig. Durch das Album zieht sich ein dichter und hoher Klangteppich, der einem das Zuhören schwer machen kann.

Im Gegensatz zu ihren vorangegangen Platten haben The Go! Team einen etwas zu großen Schritt in eine neue Richtung gewagt. Die klassische Songwriting-Struktur steht der Band zwar ziemlich gut zu Gesicht, aber die Songs wirken teilweise überladen oder brauchen zumindest eine gewisse Eingewöhnungsphase. Dafür bieten The Go! Team eine herrlich erfrischende Abwechslung zum gewohnten Pop-Einheitsbrei.

Redaktion: Patrick Schütz