Reingehört: The Last Shadow Puppets – Everything You’ve Come To Expect

Alles, was ihr erwartet habt

08.04.2016

Acht Jahre liegen zwischen Debüt und zweitem Album von The Last Shadow Puppets, dem überraschend grandiosen Nebenprojekt von Arctic Monkeys-Frontmann Alex Turner und seinem Ex-Rascals-Kumpel Miles Kane. „Everything you've come to expect“ hält tatsächlich, was es verspricht.

Miles Kane und Alex Turner alias The Last Shadow Puppets. Foto: Zackery Michael

The Last Shadow Puppets - Everything You've Come To Expect

Everything You've Come To Expect

The Last Shadow Puppets

(Domino, bereits erschienen)

Machen wir es kurz und bringen die Wortspielerei gleich zu Anfang hinter uns: “Everything you’ve come to expect” IS everything you’ve come to expect – im besten Sinne, alles, was man sich als Fan gewünscht hat vom langerhofften zweiten Album der Last Shadow Puppets. 2008 überraschten Alex Turner und Miles Kane die Popwelt mit ihrem ersten gemeinsamen Album, „The Age of the Understatement“, das für ein Nebenbei-Projekt verdammt gut funktioniert hat. Für einen Nachfolger reichte dann aber nie die Zeit. Dass die Erwartungen an Nummer Zwei entsprechend hoch sein würden, war klar. Insofern kam die – zugegeben tendenziell durchaus großkotzig klingende – Zweideutigkeit der Titelzeile den beiden Puppet-Köpfen sehr gelegen, sagt Alex Turner.

Die Zeile war eigentlich erstmal nur ein Platzhalter im Song, weil sie beim Refrain gut in die Melodie gepasst hat. Irgendwann fiel uns auf, die schön mehrdeutig das klingt – und daraus kam dann die Titelidee. Am Ende hatten quasi alle anderen Arbeitstitel die Party verlassen und diese Zeile hat immer noch getanzt.

Mangelndes Selbstbewusstsein kann man den Last Shadow Puppets jedenfalls nicht vorwerfen, und glücklicherweise ist das bei „Everything you’ve come to expect“ auch absolut berechtigt. Obwohl zwischen den beiden Platten acht Jahre, jede Menge Arctic Monkeys-Alben und eine beachtliche Miles-Kane-Solo-Karriere liegen, klingt das neue Album, als hätten Kane und Turner seither nichts anders gemacht. Wiedererkennungswert: 110 Prozent. Alte und neue Songs passen bei The Last Shadow Puppets soundtechnisch so perfekt zueinander, dass man der Band für ihr konsequentes Branding auf die Schultern klopfen möchte – oder ihnen wahlweise ein rock’n’roll-tauglicheres High Five geben.

Überbordender Orchesterpop

Schon beim Debütalbum haben The Last Shadow Puppets immer wieder Bezug genommen auf Ikonen wie Burt Bacharach oder Scott Walker, die in den 60ern grandiose Pop-Platten mit überbordenden Orchesterarrangements gemacht haben und von denen auch Bands wie The Divine Comedy oder The Leisure Society inspiriert sind. Opulent, schwelgerisch, üppig – diese Adjektive werden im Zusammenhang mit dem Last Shadow Puppets-Sound garantiert überstrapaziert, aber es ist nun mal genau das, was Miles Kane und Alex Turner abliefern.

Diese Musik begleitet uns nun schon sehr lange, aber wir finden immer noch neue Apekte darin, die uns begeistern. Aber der Bezug darauf ist nicht mehr ganz so direkt. Bei der ersten Puppets-Platte stand das noch mehr im Fokus, aber mittlerweile hat sich das ein stückweit verschoben. Vielleicht sind wir auch einfach nicht mehr ganz so blauäugig oder unschuldig wie damals.

Die wichtigsten musikhistorischen Referenzpunkte sind also geblieben, sagt Alex Turner von The Last Shadow Puppets, auch wenn sie vielleicht nicht mehr ganz so unbedarft räubern im Sounduniversum ihrer Helden. Stattdessen zitieren die Last Shadow Puppets sich in ihrer ganz eigenen unverbesserlichen Dreistigkeit mittlerweile selbst: unter anderem beim obligatorischen überdramatischen Streicher-Auftaktgeräusch zur Platte. Im Vergleich mit „The Age of die Understatement“ hat man also sofort ein déjà-vu-Erlebnis.

Prominente Unterstützung im Studio

The Last Shadow Puppets wissen ganz genau, was funktioniert – und was sie wollen. Deshalb stand auch nicht zur Debatte, dass sie auch diesmal wieder den kanadischen Komponisten und Geiger Owen Pallett als Arrangeur und Experten für den ganz großen Orchestersound dazugeholt haben. Anders als beim Debüt war Pallett diesmal sogar die gesamte Zeit im Studio dabei, sagt Miles Kane.

Er war diesmal die ganze Zeit im Studio dabei und hat die Streicherparts geschrieben, während wir aufgenommen haben. Wenn er mit etwas nicht ganz glücklich war, konnte man das sofort sehen. Er ist ein echter Künstler.

Was Turner, Kane und Pallett am Ende auf das Album gezaubert haben, klingt auf die angenehmste Art altmodisch, sexy und selbstbewusst. Dazu kommt jede Menge selbstreferentielles Augenzwinkern auch in den Texten, so dass The Last Shadow Puppets immer noch grade so die Kurve kriegen, bevor sich das Gefühl durchsetzt, jetzt hauen sie ein bisschen zu sehr auf den Putz.

Es gibt Stellen, da könnte man das durchaus als sehr geschmeidig und smooth beschreiben. Wir fanden das ganz schön, weil wir das bisher nie so gemacht haben. Aber diesmal steckt es definitiv im Sound und in den Melodien. Einige Akkorde haben weichere Kanten. Sie glitzern regelrecht und haben ein gewisses Funkeln an sich.

Nicht nur die Akkorde funkeln auf „Everything you’ve come to expect“: Die Kollaboration zwischen Alex Turner und Miles Kane ist ganz offensichtlich ein seltener Glücksfall, als kreative Spielwiese für die beiden selbst, aber eben auch als großes Hörvergnügen für den Rest der Welt. Angesichts der Tatsache, dass Turner und Kane beide grade mal 30 sind, muss man ihnen einfach ein hochgradiges Maß an Genialität attestieren. Und die Daumen drücken, dass es bis Album Nummer drei von The Last Shadow Puppets nicht nochmal acht Jahre dauert.