Reingehört: The Rifles – Freedom Run

30.09.2011

Als sich The Rifles 2006 erstmals ihren Lebens- und Liebesfrust in starkem Akzent von der Seele sangen, konnte man sich nur in die vier Londoner verlieben. Nach mittlerweile zwei Alben sind die Jungs erwachsener geworden. Mit ihrem neuen Album „Freedom Run“ treten sie die Flucht nach vorn an.

The Rifles - Freedom Run

Freedom Run

The Rifles

(Right Hook Records, bereits erschienen)

The Rifles lassen keinen Zweifel daran, dass sie zurück sind. Fast träumerisch zu Beginn, dann stampfend eröffnen sie ihr nunmehr drittes Album Freedom Run. Als erstes Lied gibt Dreamer auch musikalisch die Richtung vor. Während auf den Vorgängeralben immer wieder lautstark Parolen, wie in Repeated Offender oder The General gesungen wurden, dominieren nun leichte, treibende Stücke, die sich eher einer Melodie hingeben, als dem wütenden Griff in die Gitarrensaiten.

Inhaltlich machen The Rifles das, was sie schon immer am besten konnten: über die einfachste und gleichzeitig komplizierteste Sache in den wundervollsten Sätzen zu schreiben. Liebe heißt in den Worten der Rifles: „When you call my name, the whole wide world can walk away.“

The Rifles scheuen sich nicht vor großen Gesten und Pathos und so musste bei Tangled Up In Love auch ein 30-köpfiges Orchester ran. Dass sie sich das überhaupt leisten konnten, ist angesichts des finanziellen Lochs, das die zwei ersten Alben hinterließen, fast ein Wunder. Gitarrist Luke Crowther erzählt:

Wir einen Riesenberg von Schulden. Die ersten beiden Platten haben uns ein Vermögen gekostet. Uns war nicht bewusst, dass wir das auch mal zurückzahlen müssen. Ich glaube, dass es vielen Bands so geht. Ganz naiv nimmt man ein Album auf, ohne jemals darüber nachzudenken, was das eigentlich kostet. Dann plötzlich – ein oder zwei Jahre später – hörst du von deiner Plattenfirma oder deinem Management, dass du ihnen dieses Geld zurückzahlen sollst. Also geht alles, was an Geld reinkommt, auch gleich wieder raus. An die verschiedensten Leute. Ob das jetzt Verleger sind oder wer auch immer.

Für The Rifles bedeutete das: Weitermachen. Denn wo sonst sollte das Geld herkommen? Freedom Run klingt nicht wie seine Vorgänger nach einer Gruppe Londoner Jungs, die durch die Stadt streunen und nach der großen Liebe suchen, sondern nach besten Freunden, die genau wissen, was sie wollen.

Den neuen leichtfüßigen, teilweise nostalgischen Sound der Band erklärt Sänger Joel Stoker so:

Wir hatten einfach Spaß daran, Songs zu schreiben, die keinem bestimmten Genre zugehörig waren. Meiner Meinung nach sind sie alle sehr verschieden, die Songs auf dem Album, und zwar genau aus diesem Grund. Wir haben nie versucht, alles wie aus einem Guss klingen zu lassen.

Dass es aber genau wie aus einem Guss klingt, liegt einerseits an dem Gespür von The Rifles für grandiose Instrumentierung, andererseits an der prominenten Hilfe: Der Modfather himself, Mr. Paul Weller, lieh der Band nämlich nicht nur seinen unvergleichlichen Gitarrensound und sein Studio, sondern auch gleich seinen Manager, Charles Rees. Mit ihm hatten The Rifles den richtigen Mann mit den richtigen Ideen gefunden, wie Joel erzählt. Zusammen mit Chris Potter, der schon The Verve und The Clash produzierte, entstand so ein Album, das Rifles-untypisch auch Platz hat für ein Swing-Stück wie Love Is A Key oder einen psychedelischen Stampfer wie Little Boy Blue.

The Rifles selbst haben wiederum eine ganz andere Vorstellung von ihrem Sound:

Ich würde sagen, die Platte klingt so… (schenkt sich Sprudelwasser ein und lacht). Mit einem Hauch von Cookie Crunch… (zerbricht einen Cookie).

Wie immer man den Sound von The Rifles beschreiben mag, trotz der Genreunterschiede ist ihnen eine erstaunlich vollkommene Platte gelungen, auf der kein Lied und keine Note zu viel ist.