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Seit 1916 regelmäßig auf Tour: das Gewandhausorchester. Foto: Jens Gerber
Seit 1916 regelmäßig auf Tour: das Gewandhausorchester. Foto: Jens Gerber

Saitenwechsel: Gewandhausorchester feiert Tourjubiläum

Seit 100 Jahren von Leipzig in die Welt

Vor 100 Jahren ist das Gewandhausorchester erstmals auf Auslandsreise gegangen. Damals ungewöhnlich, heute normal. Wobei, was ist schon normal daran, wenn 120 Leute mit Charterflügen und Sattelschleppern voller Instrumente durch die Weltgeschichte tingeln? Ein Einblick in das Tourneegeschäft der Klassikwelt.

+++Saitenwechsel wird präsentiert vom Gewandhausorchester.+++


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Saitenwechsel wird präsentiert vom Gewandhausorchester.

Rückblickend auf das hundertjährige Jubiläum hat das Tourneegeschäft verschiedene Ebenen. Einerseits hat man damit das Künstlerische, die Musik, in die Welt getragen. Andererseits war damit in der Vergangenheit auch ein politischer Auftrag verbunden.

Bei der ersten Tour während des ersten Weltkriegs war das in hohem Maße der Fall. Aber auch in der DDR-Zeit. Im Programmheft der ersten Amerika-Tour des Gewandhausorchesters schwingt eine Sprache mit, die wir heute gar nicht mehr kennen. Die den kommunistischen Auftrag in den Vordergrund schiebt. Dabei ist die Tradition der Musik ja viel älter als der politische Hintergrund.

Der Tourneemarkt funktioniert

In der Popkultur kann man seit geraumer Zeit beobachten, dass Bands immer öfter auf Tour gehen, immer mehr Konzerte spielen, dass immer mehr Festivals entstehen. Denn klar, mit CD-Verkäufen verdient man kein Geld mehr. Das führt hier und da zu Übersättigung und leeren Konzertsälen. Hat denn die Klassikwelt mit ähnlichen Problemen zu kämpfen? Nora Pötter von der Künstleragentur Raab & Böhm gibt sich optimistisch.

Ich bin im Gegensatz zu manchen Kollegen nicht der Meinung, dass es im Moment schlechter läuft als in der Vergangenheit. Logischerweise ist die finanzielle Komponente nicht einfacher geworden. Das Publikum in unseren Kernmärkten ist aber da, deswegen funktioniert der Tourneemarkt weiterhin.Nora Pötter

Die Stücke entwickeln sich auf Tour weiter

Für Orchestermusiker ist so eine Tournee natürlich anstrengend. Flüge, Bus- und Bahnfahrten, Hotels, ungewohnte Konzertsäle darauf muss man sich erst mal einstellen. Musikalisch kann das aber ziemlich spannend werden, weil die Stücke, die man auf einer Tour spielt, eine Art Eigenleben entwickeln.

Aus den vorangegangenen Konzerten nimmt man immer etwas mit, was man in den nächsten Konzerten weiter ausarbeitet. Kein Konzert gleicht dem anderen. Irgendwann kommt dann dieses eine Konzert, mit dem man das Optimum erreicht.Tobias Haupt

Tourneen schweißen die Gruppe zusammen

Die Orchester-Reisen sorgen für Zusammenhalt. Weil die Musiker eben nicht nur einfach zum Dienst kommen und danach wieder in ihr Privatleben verschwinden. Und am Abend müssen sie die gleiche Spitzenleistung bringen, als würden sie zu Hause in gewohnter Umgebung spielen. Das ist im Ausland nicht unbedingt einfach.

Wenn man zum Beispiel in Asien ist, hat man mit dem Jetlag zu kämpfen, mit anderem Essen, einem ungewohnten Umfeld, Temperaturen, Klima. Und trotzdem wird am Abend erwartet, dass man genau die gleiche Leistung bringt, als wäre man zu Hause im normalen Rhythmus. Das ist schwierig, schweißt so eine Gruppe aber zusammen.Marco Eckertz

Im November geht es auf Jubiläumstour. Das Programm ist dasselbe wie vor 100 Jahren. Der Reisekomfort aber wird sicher ein anderer sein als damals.

Saitenwechsel: 100 Jahre Tour 07:54

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