Saitenwechsel: Die Sommerpause

Hör mal, wer da hämmert!

07.08.2013

Während das Orchester Sommerurlaub macht, wuseln im Gewandhaus dutzende Arbeiter emsig durch die Flure und Säle. Sechs Wochen ist Spielzeitpause, dann kommt das Orchester zurück. Und bis dahin gibt es einiges zu tun. Zeit für einen Saitenwechsel.

Baustelle Gewandhaus - die Podiumstechnik im Großen Saal wird gewartet. Foto: Gewandhaus

40930Saitenwechsel | detektor.fm entdeckt Klassik wird präsentiert vom Gewandhaus zu Leipzig 

Ein warmer Sommer-Tag im Juli. Vor zwei Wochen hat sich das Gewandhaus-Orchester in die Spielzeitpause verabschiedet. Vor dem Gewandhaus sieht’s irgendwie anders aus als sonst. LKWs haben sich aufgereiht, Arbeiter wuseln emsig durch die Gänge. Ich treffe mich mit Bernd Schöneich. Wenn für alle anderen die Urlaubszeit anbricht, geht es für ihn ans Eingemachte.

Denn in der sechswöchigen Sommerpause wird hier gebaut was das Zeug hält. Schöneich ist der technische Leiter des Gewandhauses. Er behält alle Wartungs- und Instandsetzungsmaßnahmen im Blick. Wir fangen unseren Baustellenrundgang im Erdgeschoss an. Da wo sonst eine Treppe stand, ist jetzt ein riesiges Loch im Boden.

Schöneich: Hier haben wir den Bereich, in dem der Evakuierungsaufzug eingebaut werden soll. Das ist eine Sache, bei der auch das Publikum bemerken wird, dass sich etwas geändert hat.

Mal eben einen Aufzug ins Gewandhaus bauen, ist bestimmt ganz schön aufwendig, oder?

Schöneich: Das ist schon ziemlich aufwendig. Es ist auch ein bisschen mit Glück verbunden, ob sich eine passende Stelle dafür ergibt. Wir hatten wirklich Glück, dass wir dieses Loch in die Decke hineinbringen konnten. Die massiven Wände hier sind 30-35 cm dick, da lässt die Decke gut zerschneiden. Gleich daneben befindet sich ein großer Stahlbetonträger, worauf die gesamte Statik des Hauses gegründet ist. Den kann man natürlich nicht mehr ändern.

Eine 1,5 Millionen teure Sommerpause

Mit welchen Kosten ist diese Arbeit verbunden? Was wird in der Sommerpause investiert?

technischer Leiter des GewandhausesBernd Schöneichtechnischer Leiter des Gewandhauses 

Schöneich: Alle Baumaßnahmen werden insgesamt 1,5 Millionen Euro kosten. Dazu gehört auch das, was wir jetzt sehen. In diesem Bereich werden neue Rauchschutztüren eingebaut. Das ist das Personaltreppenhaus und da gibt es neue Vorschriften, die eingehalten werden müssen. Damit verbunden werden die Türen auch gleich noch vergrößert. Denn wenn Musiker bisher beispielsweise mit Kontrabässen durch die Türen gelaufen sind, gab es immer Probleme mit der Türhöhe. Deshalb machen wir oben noch einen Schnitt in die Wand, damit die Tür insgesamt größer werden kann.

Jetzt sind wir im Hauptfoyer. Das steht stellvertretend für die größte Baumaßnahme, die dieses Jahr im Gewandhaus stattfindet. Wenn man es nicht weiß, wird man sie allerdings gar nicht bemerken. Die Brandschutzanlage im gesamten Haus wird hier erneuert. Das sind ca. 1500 Brandmelder, die ausgetauscht werden müssen. Dazu kommt außerdem noch das gesamte Leitungsnetz dahinter, das ebenfalls ausgetauscht werden muss. Dadurch wird der Eingriff so kompliziert.

Das Hämmern, was wir gerade hören, hat also auch mit den Brandmeldern zu tun?

Schöneich: Die Decken wurden geöffnet und die Kollegen suchen sich gerade Wege, wo sie die neuen Leitungen langziehen können. Irgendwo stößt man jedoch immer auf Hindernisse und da muss dann die Bohrmaschine oder der Hammer angelegt werden, um durch die Wand zu kommen.

Architekten und Denkmalschützer haben Mitspracherecht

Hat man da eigentlich noch mit den Leuten zu tun, die architektonisch am Gewandhaus mitgewirkt haben?

Schöneich: Jede Baumaßnahme im Gewandhaus findet nur mit Zustimmung des Denkmalschutzes statt. Wenn der Bauantrag eingereicht wird, kommt automatisch der Denkmalschützer vorbei und schaut sich alles an, was wir vorhaben. Das Glück ist, dass uns Prof. Skoda, der Chefarchitekt des Hauses, immer zur Verfügung steht und uns berät. Er hat beispielsweise vorgeschlagen, wie der Aufzug aussehen soll, so dass er sich gut in „sein“ Haus einfügt.

Wird im großen Saal auch etwas verändert?

Schöneich: Da gibt es die üblichen Arbeiten, die jedes Jahr gemacht werden. Hier wurden die Podien gewartet. Auch die Orgelwartung findet immer zur Spielpause statt. Ansonsten muss hier die Bühne erweitert werden. Das kommt immer häufiger vor. Die bisherigen 180qm reichen nicht mehr aus, wenn z.B. eine große Mahler-Aufführung stattfinden oder der Chor auch mal unten auf der Bühne stehen soll und deshalb die Bühne nach vorne ausgebaut werden muss. Die Kollegen müssen deshalb die kompletten Stuhlreihen ausbauen.

Innerhalb von sechs Wochen muss alles erledigt sein

In den ersten drei Reihen beispielsweise sieht man noch die Abdrücke, wo die Stühle einmal waren. Kann man die dann zukünftig nach Bedarf ein- und ausbauen?

Schöneich: Genau! Die Stühle werden dann wieder angeschraubt und können später leicht wieder abgebaut werden. Damit kann die Bühne um die gewünschten 30-40qm erweitert werden.

Diesen Lärm, den Sie gerade hören, dürfen Sie bei Veranstaltungen, und selbst bei Proben im Saal nicht haben. Deshalb müssen die Arbeiten immer so getaktet werden, dass die Firmen nur dann arbeiten, wenn hier Ruhe ist. Am 21. August kommt das Orchester wieder. Bis dahin muss alles erledigt sein.

Inwiefern ist man dann bei den Arbeiten unter Zeitdruck?

Schöneich: Immer! Schon mit der ersten Planung weiß man, dass man Zeitdruck hat.