Saitenwechsel: Gewandhausorchester und Thomanerchor in Asien

Erschütternd schön

24.02.2016

Nirgendwo wird Bach so vergöttert wie in Asien, wo die Matthäus-Passion für ausverkaufte Konzertsäle und weinende Besucher sorgt. Vor allem, wenn sie von dem Chor aufgeführt wird, für den Bach sein Werk geschrieben hat: dem Thomanerchor. Gemeinsam mit dem Gewandhausorchester geht es nun auf Asien-Tour.

Gewandhausorchester und Thomanerchor auf einer Bühne - hier bei einem Konzert in Israel. Foto: RomanFriedrich | SINNergy

+++Saitenwechsel wird präsentiert vom Gewandhausorchester.+++


gwh_orchester_logo_schwarz

Saitenwechsel wird präsentiert vom Gewandhausorchester.

Drei Stunden Musik über das Leben und Sterben Jesu Christi – das ist die Matthäus-Passion. Geschrieben für zwei Orchester, Solisten und zwei Chöre. Der letzte Gang Jesu soll innerlich aufwühlen, dachte sich Johann Sebastian Bach 1727. Seine Matthäus-Passion ist ein Höhepunkt der Kirchenmusik. Und: ein Export-Schlager. In Asien strömen Tausende in die Konzertsäle, wenn Bach gespielt wird. Vor allem dann, wenn der Chor jener ist, für den Bach die Matthäus-Passion ursprünglich geschrieben hat: der Thomanerchor.

Weinende Konzertbesucher

Seit den 1970ern reisen Thomanerchor und Gewandhausorchester regelmäßig gemeinsam nach Asien. Für Oboist Simon Sommerhalder ist die Matthäus-Passion gewohntes Terrain. Spielt er sie doch in derselben Konstellation auch in der Thomaskirche in Leipzig. Die Konzerte in Asien sind aber etwas Besonderes.

simone sommerhalder gewandhausIn China klingelt alle fünf Minuten ein Handy und in Japan sitzen sie alle mit einer Partitur im Konzert. Die Leute in Japan sind immer sehr angetan von der Matthäus-Passion. Manche beten während des Konzerts oder lesen die Bibel. Weinende hab ich auch schon öfters gesehen, weil die Musik einfach so erschütternd schön ist.Simon SommerhalderOboist im Gewandhausorchester 

Wie erschütternd schön so ein Konzert sein kann, lässt sich an den Reaktionen der Besucher in Asien ablesen. Bach euphorisiert dort ungemein, sagt Stefan Altner, Geschäftsführer des Thomanerchors.

Nach den drei Stunden gibt es bei den Leuten kein Halten mehr. In Korea hat man das Gefühl, als ob die am Schluß am liebsten noch mit auf die Bühne kommen und mit uns feiern wollen.

Ein Chor und ein Orcheser auf Tour in Asien. Acht Konzerte an 12 Tagen in China, Japan und Südkorea. Wie läuft die Planung einer solchen Tour? Was passiert hinter den Kulissen? Und wieso sind die Leute in Japan so Bach-verrückt? Zeit für einen Saitenwechsel.