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Foto: Marco Borggreve
Bild: Håkan Hardenberger | © Marco Borggreve

Saitenwechsel | Håkan Hardenberger

Experimente mit Trompete und Kuhhorn

Die Corona-Krise ist für die Musikwelt der absolute Alptraum aber für den Saitenwechsel bedeutet es Glück im Unglück: Musiker, die sonst nonstop durch die Welt touren und schwer zu erwischen sind, haben Zeit für ein Interview: so auch Håkan Hardenberger, der der Trompete einen völlig neuen Platz in der Klassikwelt erkämpft hat.

Präsentiert von

Saitenwechsel wird präsentiert vom Gewandhausorchester.

Die Trompete spielt in der europäische Musikgeschichte natürlich schon lange ein Rolle: in der Barockzeit etwa ist sie nicht weg zu denken, zum Beispiel bei Johann Sebastian Bach. Sie ist hier besonders festlichen und starken Stellen vorbehalten. Wenn sie dabei ist, dann sehr prominent.

Kaum Solo-Repertoire für Trompete

Später wird die Trompete Teil des immer größer werdenden Orchesters. Es gibt auch mal kurze Solo-Passagen, aber ein richtiges Solo-Instrument ist die Trompete nicht. Aus der Wiener Klassik und später der Romantik kennen wir unzählige Violin- und Klavierkonzerte, wo also eine Solistin oder ein Solist an dem Instrument im Mittelpunkt steht. Aber Trompetenkonzerte? Es gibt ein berühmtes von Joseph Haydn, eines von Johann Nepomuk Hummel aber das war’s dann im Grunde.

Wenn Trompetenkonzert, dann spielte die erste Trompete des Orchesters alle paar Jahre mal Haydn. So festgefahren war das. Als ich vor ein paar Jahren mein Debüt bei den Berliner Philharmonikern gespielt habe, war ich der erste externe Trompetensolist, der je mit ihnen gespielt hat.

Håkan Hardenberger, Trompeter

Håkan Hardenberger, Trompeter© Marco Borggreve

Der schwedische Trompeter denkt sich also: wenn es kein Repertoire für Solo-Trompete gibt, muss er dafür sorgen, dass welches entsteht. Selbst komponieren kommt für ihn nicht in Frage, aber er kennt Menschen, die ihn mit Komponisten zusammenbringen. Der befreundete Dirigent Elgar Howarth wird ein wichtiger Vermittler.

Auftragskompositionen für Hardenberger

Eines der ersten großen Werke, die für Hardenberger als Solisten in Auftrag gegeben werden, ist „Endless Parade“ vom britischen Komponist Harrison Birtwistle. Hardenberger hat großen Erfolg mit den Aufführungen und spürt: da geht noch mehr.

Besagter Dirigent Elgar Howarth ist es auch, der Hardenberger mit dem Wiener Komponisten HK Gruber bekannt macht. Die BBC gibt ein Werk für Trompete bei ihm in Auftrag. „Aerial“ wird das Stück heißen.

Multiphonics und Kuhhorn

Gemeinsam experimentieren Gruber und Hardenberger an der Trompete um auszureizen, welche Klänge möglich sind, zum Beispiel Multiphonics, also mehrere Töne auf einmal erzeugen: Dabei spielt der Trompeter einen Ton und singt gleichzeitig einen anderen. Dabei entstehen teilweise so gut hörbare Obertöne, dass ganze Akkorde klingen

Gruber möchte noch mehr Klänge einbringen als die der Trompete und sucht nach einem verwandten Instrument. Er fragt Hardenberger nach einem archaischen Instrument, einer schwedischen Urtrompete, und Hardenberger verweißt auf das Kuhhorn.

Wie die Zusammenarbeit und die Experimente mit Kuhhörnern ausgegangen sind, erzählen Håkan Hardenberger und HK Gruber im Saitenwechsel.