Saitenwechsel: Junge Musiker in der Ausbildung

Wie wird man Berufsmusiker?

30.03.2016

Eine feste Anstellung bei einem renommierten Orchester - das ist für viele angehende Berufsmusiker ein Traum. Und für viele bleibt es das auch. Die wenigen Stellen sind umkämpft, die Bewerber zahlreich. Ein Blick hinter die Kulissen der Musikerausbildung.

Die Akademisten der Mendelssohn-Akademie nehmen an Proben und Konzerten des Gewandhausorchesters teil (Foto: detektor.fm)

+++Saitenwechsel wird präsentiert vom Gewandhausorchester.+++


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Saitenwechsel wird präsentiert vom Gewandhausorchester.

Wer einen Platz in der Leipziger Mendelssohn-Orchesterakademie ergattert, darf bei den Großen mitspielen. Aber wie kommt man eigentlich an die begehrten Posten im Orchester? Was muss man können? Und bereitet das Studium junge Musiker auf den Alltag im Orchester vor?

Der Brite Andrew Manze ist Chefdirgent der NDR Radiophilharmonie in Hannover. Erfahrene Musiker wie Manze geben Workshops, um den jungen Akademisten den Einstieg ins Berufsmusiker-Dasein zu ebnen. Technisch kann er den jungen Musikern nicht mehr viel mitgeben. Vielmehr will er sie ermutigen, ihren eigenen Instinkten zu folgen. Denn das lernt man im Studium nicht, sagt er.

Andrew Manze credit Chris ChristodoulouWir müssen lernen, frei zu denken, wenn wir Musik spielen, die scheinbar festgeschrieben ist. An den Musikhochschulen wird viel Zeit darauf verwendet, eine gute Technik und ein grundlegendes musikalisches Verständnis zu bekommen. Es wird wenig Zeit für die Freiheit eingeplant.Andrew ManzeChefdirigent der NDR Radiophilharmonie. Foto: Chris Christodoulou 

Manze arbeitet sich an diesem Nachmittag zusammen mit vier Akademisten am Dissonanzquartett ab. Mozart hat das damals seinem Freund und Mentor Haydn gewidmet. Und für den hat sich Mozart ganz besonders ins Zeug geschmissen. Das kann man auch hören. Andrew Manze sagt, die Aufgabe hier ist es, die Musik nicht zu verfrickelt, sondern frisch klingen zu lassen.

Die Konkurrenz ist groß

Die vier Musiker harmonieren gut beim Dissonanzquartett. Doch Reibungen gehören zur Ausbildung dazu. Der Konkurrenzkampf ist stark, weil es sehr viele Bewerber für wenige Stellen gibt.

Sophia Schwamm gewandhausDas ist wahrscheinlich bei anderen Jobs genauso, aber man wird nur durch das Spielen beurteilt. Es gibt kein Gespräch davor oder kein Nochmal-neu-anfangen, wenn man sich versprochen hat. Manchmal ist das sogar mit Vorhang, so dass einen die Leute nicht einmal sehen. Man kann also nicht mit seiner äußeren Präsenz profitieren. Es geht nur ums Ohr. Die hören einen, hören aber 50 Mal das gleiche Konzert.Sophia SchwammCellistin an der Mendelssohn-Akademie 

Ins kalte Wasser geschmissen

In der Akademie werden die Jungmusiker auf genau diese Situationen vorbereitet. Sie trainieren für Probespiele, bekommen Unterricht von Mentoren, nehmen an Orchesterproben und Konzerten teil. Eine sehr praktische Ausbildung verglichen mit dem Studium.

camille gouton gewandhausIm Studium sieht man das immer so von außen: Ich übe jetzt dieses Stück, weil ich später ein Orchestermusiker sein werde und das dann können muss. Aber hier sind wir auf einmal mit dem ganzen Orchester auf der Bühne und sitzen vor einem großen Publikum. Das kann man nicht woanders lernen. Man muss ins kalte Wasser geschmissen werden.Camille GoutonViolinistin an der Mendelssohn-Akademie. Foto Gewandhaus 

Klassische Konzerte seien ihm manchmal zu statisch, sagt Andrew Manze. Da können ein paar frische Impulse nicht schaden. Doch er gibt sich zuversichtlich. Denn die junge Generation wächst mit einem viel breiteren Musikwissen auf. Manze verspricht sich davon eine spannende Zukunft und mehr Vielfalt in den Konzertsälen.