Saitenwechsel: Klassikpreise

And the winner is...

22.02.2017

Deutsche Musikpreise – schwieriges Thema. Beim Echo räumt jedes Jahr Helene Fischer ab und die Gala dazu birgt jede Menge Fremdschäm-Potential. Doch wie sieht es in der Klassikwelt aus? Ist der Klassik-Echo genauso vorhersehbar wie der Pop-Echo? Gibt es Alternativen? Unser Thema im Saitenwechsel.

ICMA-Präsident Remy Franck & Moderatorin Edurne Ormazamal bei der Preisverleihung 2016 in San Sebastian. Foto: Juantxo Egana

+++Saitenwechsel wird präsentiert vom Gewandhausorchester.+++


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Saitenwechsel wird präsentiert vom Gewandhausorchester.

Ob Oscar, Grammy oder Echo – was wäre das Showgeschäft ohne seine jährlichen Auszeichnungen. Wir können regelmäßig dabei zusehen, wie sich eine ganze Branche selbst feiert. Und das ist oft nicht sonderlich berauschend. Nehmen wir zum Beispiel den Echo. Jener deutsche Musikpreis, der sich in erster Linie nach Verkaufszahlen richtet.

Das Ergebnis ist vorhersehbar und eintönig. Die Namen der Gewinner immer dieselben. Beim Pop-Echo Helene Fischer und beim Klassik-Echo Anna Netrebko.

Es gibt nicht DEN Besten

Zum Glück hat man innerhalb der Branche ein Bewusstsein für diese Schieflage entwickelt. Im Pop gibt’s neuerdings den vom kommerziellen Erfolg unabhängigen Preis für Popkultur. Und auch in der Klassikwelt gibt’s alternative Ansätze. Zum Beispiel die International Classical Music Awards. Eine Fachjury guckt sich hier nicht nur Netrebko und Co. an, sondern auch die kleineren und unabhängigen Labels jenseits des Major-Marktes.

Martin Hoffmeister Foto privatEs gibt tausende Weltklasse-Pianisten, die durchaus in der Lage sind einen Preis zu gewinnen. Wir müssen uns für ein Produkt entscheiden. Aber ehrlich gesagt könnten es auch in einer Kategorie zehn Produkte sein. Es gibt nicht DEN Besten.Martin HoffmeisterKlassik-Redakteur bei MDR Kultur und Jurymitglied der ICMA. Foto: privat 

Der mächtigste Bass der Klassikwelt

Für dieses Jahr stehen die Gewinner der Awards schon fest. Allen voran: Matti Salminen. Ein finnischer Opernsänger, der seit 50 Jahren regelmäßig auf den Bühnen der großen Opernhäuser steht.

„Der mächtigste Bass der Klassikwelt“, schrieb der Tagesspiegel einmal über ihn. Nun bekommt er den Lifetime Achievement Award. Er spricht aus Erfahrung, wenn er sagt: Wer in der Klassikwelt Preise gewinnt, hat gute Chancen den nächsten Schritt zu machen.

Matti Salminen Foto Tanja NiemannMit dem Gewinn von Preisen wird das Publikum größer. Dadurch kommen die Agenturen. Die kriegen Provisionen. Wenn sie den Künstler durch den gestiegenen Bekanntheitsgrad etwas mehr verkaufen können, dann ist das für beide Seiten ein Vorteil.Matti SalminenOpernsänger. Foto: Tanja Niemann 

Künstler brauchen Anerkennung

Bei International Classical Music Awards werden  auch junge Musiker und Musikerinnen ausgezeichnet. Elsa Dreisig zum Beispiel. Die 25-jährige Sängerin mit den französisch-dänische Wurzeln gewinnt den Award in der Kategorie „Young Artist Of The Year“.

Elsa Dreisig Foto PREs ist immer schön zu wissen, dass die eigene Arbeit andere Leute berührt. Künstler brauchen diese Anerkennung, weil man sich sonst schnell verloren fühlt und nicht weiß, ob man irgendwas erreicht.Elsa DreisigSängerin. Foto: PR 

Warum sind Preise so wichtig in der Klassikwelt? Wird regelmäßiges Schulterklopfen irgendwann zur Routine? Und wieso braucht es einen Preis, der Musik unabhängig vom kommerziellen Erfolg bewertet? Zeit für einen Saitenwechsel.