Saitenwechsel: Robert Schumann – Konzertstück für vier Hörner

Die Horn-Revolution

26.07.2017

Während in Deutschland 1849 die politische Revolution tobt, treibt Robert Schumann mit seinem Konzertstück für vier Hörner die Revolution im Instrumentenbau voran. Er ist einer der wenigen Komponisten, die auf das Ventilhorn setzen. Das Publikum begegnet dem neuartigen Instrument zunächst mit Misstrauen.

+++Saitenwechsel wird präsentiert vom Gewandhausorchester.+++


gwh_orchester_logo_schwarz

Saitenwechsel wird präsentiert vom Gewandhausorchester.

Dresden, 1849. Die deutsche Revolution tobt durchs Land und bewegt auch den Komponisten Robert Schumann. Nichtsdestotrotz erlebt er gerade eines seiner produktivsten Jahre überhaupt. Er komponiert viel, experimentiert mit verschiedenen Gattungen. Das Geld verdient derweil seine Frau Clara als Pianistin.

Abgesehen von der politischen ist zur selben Zeit noch eine ganz andere Revolution im Gange. Eine Revolution im Instrumentenbau. Zwei Erfinder kommen auf die Idee, eine industrielle Technik der Luftzufuhr für Schmelzöfen auf Blasinstrumente anzuwenden. So entsteht das Ventilhorn, das einiges mehr kann als das altgediente Naturhorn.

Drahtseilakt über dem Löwenkäfig

In Dresden trifft Robert Schumann auf renommierte Ventilhornspieler und komponiert sein Konzertstück für vier Hörner und Orchester. Für ein neues Instrument, das den Orchestersatz revolutionieren wird.

Doch auch wenn sich mit dem Ventilhorn plötzlich ganz neue und scheinbar einfache Möglichkeiten auftun, leicht zu spielen ist dieses Konzertstück bei weitem nicht. Gewandhaus-Hornistin Juliane Grepling weiß das nur zu gut.

Juliane Grepling GewandhausorchesterIch habe das erste Horn auch selber mal gespielt. Da stand im Programmheft: „Wie ein Drahtseilakt über einem Löwenkäfig ohne sicherndes Netz“. Die erste Stimme ist schon eine sehr große Herausforderung.Juliane GreplingGewandhausorchester 

Weichlich schlägt männlich

Das Ventilhorn wurde übrigens schon im Jahr 1818 patentiert. Durchgesetzt hatte es sich 30 Jahre später noch nicht.

ann-katrin_zimmermannMan sah diesen typischen Charakter des Horns in Gefahr: männlich, stolz und prachtvoll. Diese typische Idiomatik des Horns würde jetzt verwaschen und es sollte nicht mehr nur seine stolzen Fanfaren spielen, sondern auch weichliche Melodien.Ann-Katrin ZimmermannGewandhaus-Dramaturgin 

Insofern war die Revolution des Horns eine schleichende. Mit einem wichtigen Meilenstein: dem Konzertstück für vier Hörner von Robert Schumann.