Schnipo Schranke im Interview

Pipi und Psychosen

16.03.2017

Schnipo Schranke singen über Pisse und Sperma, doch der eigentliche Star in ihren Liedern ist nicht der Pipi-Kaka-Humor sondern Versagens-Ängste, Depressionen und Psychosen. Mit brutaler Offenheit erinnert das Hamburger Duo daran, dass wir viel zu verklemmt über psychische Krankheiten sprechen.

Mit Humor gegen den verklemmten Umgang mit Psychosen – Schnipo Schranke. Foto: detektor.fm

Ob Pippi, Pimmel oder Sperma – Schnipo Schranke nehmen in ihrem Untenrum-Pop kein Blatt vor den Mund. 2014 erscheint das Hamburger Duo auf der Bildfläche. Ihr erster Hit heißt „Pisse“.

Schnipo Schranke sind die beiden klassisch ausgebildeten Musikerinnen Daniela Reis und Fritzi Ernst. Der eigentliche Star in ihren Liedern ist aber nicht der Fäkalhumor, sondern der große Themenkomplex rund um Versagens-Ängste, Depression und Psychosen. Auf ihrer neuen Platte „Rare“ geht es ums Down-sein, Auf-Dope-sein und darum, wie das so ist, wenn man nicht so tickt, wie es die Gesellschaft von einem verlangt.

Das ist eine ganz große Baustelle, dass es sich nicht ziemt, über psychische Krankheiten zu reden oder Suizidgedanken zu äußern. Die meisten wisssen nicht so richtig, wie sie damit umgehen sollen. Oft herrscht dann plötzlich betretenes Schweigen, wenn man so was raushaut. Wir gucken da mit Humor drauf. Das hilft extrem.

Fäkalhumor als Bewältigungsstrategie

Ihren Humor verpacken die beiden in eine derbe Sprache, die vielleicht nur deswegen so derbe wirkt, weil sie im Korsett spielerischer Indiepop-Songs daherkommt. Im deutschsprachigen Hip-Hop etwa provozieren solche expliziten Texte vergleichsweise viel weniger. Schnipo Schranke nehmen einfach ihre Alltagssprache mit ins Songwriting. Das hat vor dem Hintergrund der Psycho-Thematik auch eine Schutzfunktion.

Das ist teils Bewältigungsstrategie, teils eine Art Maske. Wir spielen damit und machen uns nackig. Es ist ja ernst, was da behandelt wird. Aber gleichzeitig muss man darüber lachen können. Wir mögen es auch, wenn die Musik gegenteilig wirkt, so dass man gut tanzen kann und gute Laune bekommt, obwohl der Text vielleicht tragisch ist.

Getanzt und gegrölt wird derzeit auf den gut besuchten Konzerten der aktuellen Tour. „Seit ich gesehen habe, wie die Leute z.B. mit dem Song ‚Dope‘ umgehen, wie sie den grölen, habe ich verstanden, was das für ein Song ist“, sagt Daniela Reis im detektor.fm-Interview. Ein Gespräch über Traumata-Bewältigung, Fäkalhumor und die teils absurde Berichterstattung über das „Frauenduo“ Schnipo Schranke.