Frag den Staat | Abgasmanipulationen bei Audi

„Der Staat wird seiner Verantwortung nicht gerecht“

Insgesamt vier illegale Abschaltvorrichtungen stecken in einigen Audimotoren. Das Verkehrsministerium war darüber informiert. Und zwar schon zwei Jahre früher als bisher bekannt, wie ein Gutachten bestätigt. Doch das Ministerium hat nicht gehandelt.

Erneute Abgasmanipulationen

Diesmal ist es eine „Audi-Akustikfunktion“, die den Dieselskandal weiter anheizt. Mit weniger Lärm am Auto hat das aber nichts zu tun. Die Funktion mit dem irreführenden Namen sorgt dafür, dass die Emissionsgrenzwerte von Dieselfahrzeugen nur auf dem Prüfstand eingehalten werden. Die vermeintliche Akustikfunktion hat Audi von 2003 bis 2010 in Dieselfahrzeugen der Schadstoffklasse Euro 4 eingebaut. Außerdem sind die entsprechenden Audi-Motoren in Porsche- und VW-Modellen verbaut worden.

Insgesamt hat Audi vier Abschalteinrichtungen eingebaut. Trotzdem hat das Kraftfahrtbundesamt von Verkehrsminister Scheuer nur eine der Einrichtungen als unzulässig eingestuft.

Viele Autokonzerne, die manipuliert haben, nicht nur Audi, versuchen sich mit Deals vor Gerichtsprozessen davonzustehlen. Mit den immer neuen Enthüllungen wird klar, dass die politische Führung, das heißt Bundesminister Scheuer, viel zu wenig unternimmt und der Verantwortung des Staates nicht gerecht wird. – Arne Semsrott, FragdenStaat.de

Brisantes Datum

Und das, obwohl das Amt schon im Dezember 2015 den Verdacht hatte, dass Audi seine Motoren manipuliert. Auf den Verdacht hin hat Audi dem Amt falsche Informationen zugespielt. Das bestätigt ein internes Gutachten des Amtes, das auf die Abgasmanipulationen hinweist. Das heißt, das Kraftfahrtbundesamt hat die Straftat von Audi zwei Jahre länger als bisher bekannt ignoriert, anstatt den Fall zu untersuchen und die betroffenen Autos zurückzurufen.

Weil das Bundesamt nicht auf die Anfrage von FragdenStaat reagierte, hat die Plattform gegen das Amt geklagt, um an das Gutachten zu kommen. Dieses ist mittlerweile öffentlich zugänglich.

Das heißt, nicht nur Audi hat mit der Abgasmanipulation eine Straftat begangen. Die Staatsanwaltschaft München II kritisiert das Kraftfahrtbundesamt scharf dafür, Audi über mögliche Rückrufaktionen informiert zu haben, anstelle ernsthafte Ermittlungen einzuleiten.

Über das Gutachten und seine Folgen für Audi, das Kraftfahrtbundesamt und Dieselfahrerinnen und Dieselfahrer hat detektor.fm-Moderatorin Juliane Neubauer mit Arne Semsrott von FragdenStaat gesprochen.

BauunternehmerIn vielen anderen Ländern hätten die immer neuen Enthüllungen schon lange zum Rücktritt des betroffenen Ministers geführt.Arne Semsrottist Projektleiter bei FragdenStaat.de. 

Redaktion: Nadja Häse


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