Gute Nachrichten | Der Kampf gegen Plastiktüten nimmt konkrete Formen an

Müll im Blut - Warum wir gegen Plastikmüll kämpfen müssen

09.09.2015

Auf den Weltmeeren schwimmt ein Berg von Plastikmüll, so groß wie Afrika. Das muss aufhören: denn das Plastik baut sich auch nach Jahrhunderten noch nicht ab. Doch der Kampf gegen Plastik nimmt konkretere Formen an. Die Projekte "Plastics for Change" und "Unplastic Billerbeck" gehören dazu.

Die Gebrauchszeit einer Plastiktüte liegt bei ca. 25 Minuten. Ehe sie zerfällt, vergehen bis zu 450 Jahre. In der Zwischenzeit liegen die Plastiktüten Milliardenfach herum: in den Weltmeeren, Armutsvierteln und auf wilden Deponien.

Das Problem trifft Flora und Fauna – und damit auch uns. Denn die Plastikpartikel gelangen in Meeresvögel, Fische und letztlich in unseren Nahrungsmittelkreislauf. In menschlichem Blut wurden schon vor Jahren Plastikrückstände nachgewiesen.

Doch nicht nur die kleinen Partikel sind ein Problem. Die Plastikteile gefährden und verletzen Tiere, wie dieses Video eindrucksvoll zeigt (Achtung, nichts für Kinder und schwache Nerven).

Der Kampf gegen die Flut an Plastikmüll wird folglich seit Jahren gekämpft – und er beginnt ganz langsam, konkrete Formen anzunehmen.

Der Wandel an der Kasse

In den Discountern zeichnet sich allmählich ein Wandel ab. Die Drogerieketten Müller und Budnikowsky haben die kostenlosen Tüten schon verbannt. DM stellt es seinen Filialen frei, die Tüten gegen Geld abzugeben oder ganz darauf zu verzichten. Sogar der Textildiscount KiK reagierte und schaffte die Tüten nun ab.

Damit scheint eine entsprechende EU-Richtlinie tatsächlich zu greifen. Und die kostenlosen, dünnwandigen Abreiß-Tüten aus den Obst- und Gemüseabteilungen sollen 2017 Geschichte sein.

Plastics for Change – Crowdfunding soll Plastikmüll sammeln attraktiv machen

Einen anderen Ansatz fährt das Projekt „Plastics for Change“. Es will das Problem marktwirtschaftlich lösen: unter Einbezug der Schwächsten.

Plastik als Recycling-Rohstoff ist durchaus attraktiv. Aus recyceltem Plastik ließe sich alles mögliche produzieren – und die Firmen, die dieses Plastik nutzen, könnten sogar nich damit werben.

Das Problem ist nur: für Müllsammler auf der ganzen Welt ist Plastikmüll oft nicht attraktiv. Zu gering sind die Preise, die sie von ihren Mittelsmännern dafür erhalten: denn die wollen billig kaufen und teuer verkaufen.

„Plastics for Change“ will das ändern: indem es den Prozess des Ankaufens von Plastik offen und transparent macht und Müllsammler, Händler und Käufer von Plastikmüll direkt miteinander verbindet. Die Müllsammler sollen keine Einzelkämpfer mehr sein, sondern organisiert gegenüber den Mittelsmännern ein gemeinsames Verhandlungsgewicht bekommen – und so sollen letztendes die erzielbaren Preise für Plastikmüll steigen.

Das Kalkül dahinter: wird das Plastiksammeln für die Müllsammler attraktiver, bleibt der Plastikmüll auch nicht mehr liegen. Die Menschen können höhere Einnahmen erzielen. Und das Plastik landet gar nicht erst im Ozean.

Das System dafür hat „Plastic for change“ entwickelt und getestet – nun soll es etabliert werden. Dafür läuft noch bis Mitte Oktober ein Crowdfunding.

Der Feldversuch: eine deutsche Stadt ein Jahr lang ohne Plastiktüten?

Bis zu einer Welt ganz ohne Plastiktüten ist es wohl noch ein unendlich langer Weg. Ob das überhaupt geht? Einfach mal ausprobieren, dachten sich die Künstler Thomas Nufer und Dirk Schubert.

Sie haben jahrelang Überzeugungsarbeit geleistet, eine Finanzierung gefunden, die Stadt Billerbeck überzeugt – und so ist eben das Projekt „Unplastic Billerbeck“ angelaufen. Billerbeck soll nun ein Jahr lang ohne Plastiktüten leben:

Eine Mischung aus Kunst und Entertainment, Information und Interaktion will Billerbecks BürgerInnen ein Jahr lang dazu motivieren, sich mit dem Thema Plastikmüll auseinanderzusetzen und in einem ersten Schritt auf Plastiktüten zu verzichten. (Quelle: Info zum Projekt)

Wie das funktionieren soll? Wir haben Thomas Nufer angerufen und nachgefragt.

Umdenken bei den Discountern, ein Crowdfunding für Plastikmüll-Sammler und „Unplastic Billerbeck“ – gleich drei gute Nachrichten, über die detektor.fm-Moderator Hendrik Kirchhof mit Marcus Engert gesprochen hat.


Plastics for change – Das Video zur Kampagne


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Redaktion: Marcus Engert