Hungerkatastrophe im Jemen

Der endlose Krieg

17.02.2017

Die Republik Jemen ist ein Land, das nur selten in den Fokus der Medien rückt. Wir hören von Anschlägen in Syrien und von Selbstmordattentätern im Irak, doch aus dem Jemen nur wenig. Dabei ist das Land in einem katastrophalen Zustand. Tausende Zivilisten wurden Opfer der Kämpfe und Millionen Menschen fehlt es an Essen.

Kämpfe im Jemen

Seit der Vereinigung des Landes 1995 hat es im Jemen nur sehr kurze Zeiten des Friedens gegeben. Momentan kämpfen die schiitische Huthi-Rebellen gegen die Truppen der gewählten und international anerkannten Regierung um die Vorherrschaft über das Land. Bei den Auseinandersetzungen, die seit März 2015 andauern, sind nach neuesten Einschätzungen der UN 10.000 Zivilisten getötet worden.

Je länger das gedauert hat in den zwei Jahren, desto mehr hat sich das verfahren, sind die Konflikte bitterer geworden. Das macht es schwierig, die Konfliktpartner an einen Tisch zu bekommen. – Marten Mylius, Nothilfekoordinator der Hilfsorganisation Care

Drohende Hungerkatastrophe

Der Jemen hat seit Jahren mit Hungersnöten zu kämpfen. Das Land muss einen Großteil der Nahrunsmittel importieren, da es größtenteils aus Wüste besteht. Nun hat der Krieg die bestehenden Probleme weiter zugespitzt: Den Einwohnern droht eine riesige Hungerkatastrophe. Mehr als 18 Millionen Menschen sind davon betroffen. Etwa 10 Millionen bräuchten sofortige Hilfe, um ihr Überleben zu sichern.

Die Vereinten Nationen rufen dazu auf, den vereinbarten Aktionsplan einzuhalten. Die Konfliktparteien sollen eine Feuerpause vereinbaren und über einen gemeinsamen Friedensplan verhandeln. Doch ein Ende des Konflikts, in dem Iran und Saudi-Arabien erheblich beteiligt sind, ist nicht in Sicht.

Bemühungen der Hilfsorganisationen

Verschiedene Hilfsorganisationen sind im Jemen tätig und unterstützen dort seit Jahren die Bewohner. Sie verteilen Nahrungsmittel oder Gutscheine, die die Leute dann in den Märkten einlösen können. Doch die gewalttätigen Auseinandersetzungen schränken ihre Handlungsmöglichkeiten stark ein. Sie kommen teilweise nicht mehr in die betroffenen Städte und Regionen, um dort humanitäre Hilfe zu leisten.

Für die Hilfsorganisationen ist es immer schwieriger geworden, die Hilfe zu den Menschen zu bringen. – Marten Mylius

Über die Situation im Jemen, wie Deutschland die Hilfsorganisationen unterstützt und was man selbst dagegen machen kann, darüber hat detektor.fm-Moderator Eric Mackin mit Marten Mylius gesprochen. Er ist bei der Hilfsorganisation Care Nothilfekoordinator für den Nahen Osten und ist selbst oft im Jemen.

CARE Jordan project manager Marten Mylius in Azraq refugee camp. PHOTO: Anders Nordstoga/CARE 28.04.201418 Millionen Menschen brauchen Hilfe. Da fühlen sich die eine Million, denen wir geholfen haben, wie der Tropfen auf dem heißen Stein an.Marten Myliusfür eine effektive und breitere Hilfe benötigen die Hilfsorganisationen mehr Mittel. 

Redaktion: Lia Rogge