Türkische Militäroffensive in Nordsyrien

Im Stich gelassen?

Seit acht Jahren ist Krieg in Syrien und kein Ende in Sicht. Mit dem Abzug US-amerikanischer Truppen aus Nordsyrien ist der Weg frei für das türkische Militär. Seit zwei Tagen gibt es auffällige Truppenbewegungen an der syrisch-türkischen Grenze. Alles weist auf die gewaltsame Umsetzung eines Sicherheitskorridors hin.

Kurden in Syrien im Stich gelassen?

An diesem Sonntag gab die US-amerikanische Regierung bekannt, dass Sie ihre Truppen aus dem Norden Syriens abziehen wird. 500 Soldaten und Soldatinnen patrouillieren dort zusammen mit den Syrisch Demokratischen Kräften (SDF). Angekündigt hatte Trump den Rückzug schon im Dezember 2018. Den sogenannten Islamischen Staat erklärte er damals als weitgehend besiegt. Die USA möchte nicht mehr Weltpolizei spielen. Der Weg wird dadurch frei für regionale Player. Zum Beispiel für die Türkei.

Die türkische Armee bewegt sich laut Medienberichten seit Mittwoch auf syrischem Gebiet. Erdogan möchte dort eine Schutzzone gegenüber angeblich terroristischen Organisationen schaffen. Dieser Korridor umfasst etwa 30 Kilometer innerhalb der Grenze Syriens. Damit setzt sich die Türkei nicht nur über die Souveränitätsrechte Syriens hinweg, sondern droht eine neue humanitäre Krise in den kurdischen Gebieten Nordsyriens auszulösen.

Krieg als Normalzustand

De facto führt das türkische Militär in den letzten 4 bis 5 Jahren Krieg im Osten der Türkei und hat sich auf den Norden Syriens ausgeweitet.  Robert Chatterjee von zenith

In dem betreffenden Gebiet haben sich über die letzten Jahre parastaatliche Strukturen entwickelt. Das bedeutet, dass ein Gewaltmonopol und basisdemokratische Institutionen eingerichtet worden sind. Treibende Kraft in dem Projekt, dass sich selbst als emanzipatorisch beschreibt, ist die PYD und ihr bewaffneter Arm die YPG. Die YPG ist auch dominierend in der SDF, also Verbündeter der USA. Gleichzeitig definiert die türkische Regierung die YPG als Terroristen.

Aufgrund der brisanten Lage und der militärischen Unterlegenheit erwägt die SDF ein Bündnis mit dem Assad-Regime. Eigentlich sehr widersprüchlich, standen sich die beiden Parteien doch bisher konkurrierend gegenüber.

Welche Ausmaße der Konflikt noch nehmen kann, lässt sich schwer abschätzen. Feststeht aber, dass der jahrelange Krieg in Syrien kein Ende gefunden hat. In Deutschland spiegelt sich der Konflikt auf besondere Art wieder. Hier gibt es die größte türkische Community außerhalb der Türkei. Viele von ihnen sind auch Kurden.

Über die aktuelle Lage im syrisch-türkischen Grenzgebiet und die Auswirkung auf die deutsche Zivilgesellschaft spricht detektor.fm-Moderatorin Juliane Neubauer mit Robert Chatterjee.

Die YPG wird militärischen Widerstand leisten. Es gibt etwa siebzig- bis achtzigtausend Kämpfer der YPG in Nordsyrien. Diese Operation wird sehr viel langwieriger und sehr viel verlustreicher als die türkische Führung das wahrhaben möchte oder nach außen kommuniziert. Robert Chatterjeeist stellvertretender Chefredakteur bei zenith.  

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