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Ich bin in einem kleinen Dorf südlich von Magdeburg aufgewachsen und kann mich noch gut daran erinnern, wie ich häufig „noch mal eben“ zur 100 Meter entfernten Kaufhalle gelaufen bin, um fehlende Zutaten einzukaufen. Und irgendwann war der Laden zu. Jahre später schloss dann auch der einzige Bäcker. Für mich als Kind und alle anderen weniger mobilen Dorfbewohner sind damit alle Möglichkeiten, fußläufig Besorgungen zu machen, erschöpft gewesen.
So oder so ähnlich läuft es seit Jahrzehnten in vielen Gemeinden auf dem Land. Die Zahl der Lebensmitteleinzelgeschäfte ist in ganz Deutschland stark zurückgegangen. Der Trend geht stattdessen zu wenigen großen Märkten. Supermärkte siedeln sich häufig erst ab einer Einwohnerzahl von 3.000 oder mehr Menschen an.
Auch in Deersheim im Landkreis Harz hat 2012 der Supermarkt geschlossen. Die Dorfbewohner wollten sich damit jedoch nicht abfinden und haben einen eigenen Dorfladen gegründet. Er ist ein Leuchtturmprojekt geworden und bildet seit inzwischen zehn Jahren den wichtigsten Dreh- und Angelpunkt für die Dorfgemeinschaft. Wie die Deersheimer das geschafft haben, welche Herausforderungen sie dabei überwinden mussten und nach wie vor haben, hörst Du im neuen DAZWISCHEN-Podcast von meinen Kolleginnen Katja und Marie.
Andernorts setzen kleine Gemeinden auf die Ansiedlung sogenannter Smart Stores. Das sind Mini-Supermärkte von Großfilialisten, die rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche zugänglich sind und meist ohne Verkaufspersonal auskommen. In Sachsen-Anhalt sind solche automatisierten Dorfläden im Kommen. Wir schauen im Newsletter auf verschiedene Anbieter und zeigen, in welchen Gemeinden bereits Filialen eröffnet haben.
Auch bei den drei von mir handverlesenen Veranstaltungen am Ende dieses Newsletters geht’s ums Einkaufen. Wir stellen Dir Märkte in der Region vor, auf denen Du am Wochenende frische und regionale Lebensmittel und andere Waren findest.
Und falls Du noch mehr Inspiration zum Einkaufen abseits von klassischen Supermärkten suchst, dann empfehle ich Dir die Übersichtskarte der Hochschule Harz hier im Newsletter. Sie listet sämtliche Dorf- und Hofläden in Sachsen-Anhalt auf.
P.S.: Hier die Auflösung der Umfrage aus dem letzten Newsletter:
Gibt es aus Deiner Sicht etwas, was wir im Newsletter oder Podcast besprechen sollten? Kennst Du Mitmachorte in Sachsen-Anhalt, von denen wir wissen sollten? Oder Heldinnen und Helden, die für Dich die Region verbessern? Dann schreib mir und uns gern eine Mail an dazwischen@detektor.fm.
Die drei Vorstände (von links) Arnd Müller, Doreen Pittelkow und Manfred Mehlhorn vom Dorfladen in Deersheim im Harz. Foto: Marie Landes
Dorfläden haben auf dem Land eine besondere Bedeutung. Denn wenn der letzte Nahversorger wegbricht, stellt das zum Einen ein Problem für ältere und weniger mobile Menschen dar, weil sie keine Lebensmittel mehr vor Ort einkaufen können. Zum Anderen geht auch eine Anlaufstelle verloren, um regelmäßig miteinander in Kontakt zu kommen. Das schadet dem Zusammenhalt im Ort.
Genau das haben die Bewohner in Deersheim im Landkreis Harz nicht hinnehmen wollen, als 2012 der Supermarkt geschlossen worden ist. Sie gründen ihren eigenen Dorfladen, doch zunächst fehlt es am nötigen Wissen, wie ein Laden betrieben wird, und am Geld.
Inzwischen feiert der Dorfladen Deersheim zehnjähriges Jubiläum und gilt als Leuchtturmprojekt. 200 Mitglieder gehören der Genossenschaft an und entwickeln ihr Geschäft ständig weiter.
Der Pilotstandort des Container-Dorfladens des Zörbiger Startups „Unser Schopp“ steht in Burgkemnitz. Foto: Unser Schopp
Wenn der letzte Lebensmittelladen im Ort schließt, dann braucht es neue Konzepte. Eine Möglichkeit, die Versorgungslücke auf dem Land zu schließen, sind sogenannte Smart Stores. Das sind Mini-Supermärkte, die rund um die Uhr, sieben Tage die Woche Waren des täglichen Bedarfs anbieten. Die Kunden bezahlen an Selbstbedienungskassen. Verkaufspersonal ist meist nur wenige Stunden pro Woche vor Ort.
Großes Interesse an Container-Läden
Die kleine Kommune Borne im Salzlandkreis bemüht sich derzeit um so einen Mini-Supermarkt und möchte einen Dorfladen-Container von dem Zörbiger Startup Unser Schopp ins Dorf holen. Grund: Ende April schließt die bisherige Dorfkaufhalle ihre Türen. „Das ist sehr einschneidend“, sagt Bürgermeister Sven Rosomkiewicz. Der Laden besteht seit der Wiedervereinigung durchgehend und ist ein wichtiger Treffpunkt am zentralen Dorfplatz. „Wenn am Freitag noch der Fleischerwagen kommt, ist bei uns fast Marktstimmung“, berichtet Rosomkiewicz. Diese Möglichkeit des Zusammentreffens möchte der CDU-Landtagsabgeordnete nicht wegbrechen lassen.
Damit in voraussichtlich einem Jahr ein neuer Laden eröffnen kann, haben sich 179 Dorfbewohner dazu bereiterklärt, nach Ladeneröffnung mindestens 20 Euro pro Woche im neuen Smart Store auszugeben. Ein wöchentlicher Umsatz von 4000 Euro war die Bedingung für die Ansiedlung einer „Unser Schopp“-Filiale.
Das Interesse an den Dorfladen-Containern mit Café-Ecke und Zugang per Personalausweis ist groß. Medienberichten zufolge hat das Startup aus dem Landkreis Bitterfeld-Wolfen im vergangenen Jahr mehr als 100 Anfragen für Läden in Mitteldeutschland und darüber hinaus erhalten. Auch zwei Nachbargemeinden von Borne möchten einen „Schopp“ und haben bereits grünes Licht für ihre Filialen erhalten. Doch eröffnet ist bisher erst ein Container-Dorfladen in Burgkemnitz als Pilotstandort.
Bislang fünf Tante-Enso-Filialen im Land
Tante-Enso-Läden entstehen oft in Bestandsgebäuden wie hier im Halberstädter Ortsteil Langenstein. Foto: Tante Enso
Ein anderer Smart-Store-Anbieter, der in Sachsen-Anhalt aktiv ist, ist das Bremer Unternehmen Tante Enso. Es baut aktuell im Halberstädter Ortsteil Schachdorf Ströbeck im Landkreis Harz eine Filiale. Für Halberstadt ist es schon der zweite Laden der Bremer Dorfladen-Kette. Die erste befindet sich im Ortsteil Langenstein und ist im März 2025 eröffnet worden.
In Sachsen-Anhalt gibt es bislang fünf Tante-Enso-Läden. Dazu zählen Wörlitz, Görzig, Abtsdorf, Roitzsch und Langenstein. Zwei weitere sind aktuell in Arbeit. Neben Schachdorf Ströbeck bekommt noch Letzlingen, ein Ortsteil von Gardelegen einen Mini-Supermarkt.
Die Smart-Store-Anbieter stoßen in eine Versorgungslücke, erklärt Regina Gottschalk vom Unternehmen Tante Enso. „In den Orten unter 3.000 Einwohnern, die für die großen Lebensmittelketten kaum interessante Standorte bieten, fehlen oft fußläufig erreichbare Angebote. Diese Orte sind für uns interessant.“
Damit Tante Enso einen Markt eröffnet, muss sich eine Gemeinde bewerben. So darf die nächste Einkaufsmöglichkeit nicht zu nah sein, auch die Einwohnerzahl spielt eine Rolle. Kommt der Ort infrage, müssen die Bewohner im Zuge einer Genossenschaftskampagne ausreichend – in der Regel mehrere Hundert – Genossenschaftsanteile erwerben. Einkaufen können sie später mit einer Kundenkarte und bekommen als Genossenschaftsmitglieder Rabatt.
Überblick
Hier gibt es Dorf- und Hofläden
Die Karte mit Dorf- und Hofläden in Sachsen-Anhalt ist erweiterbar. Screenshot: Website von Hochschule Harz, www.hs-harz.de, abgerufen am 22.4.2026
Dorf- und Hofläden können einen wichtigen Beitrag zur Nahversorgung in kleineren Ortschaften leisten. Die Hochschule Harz untersucht seit Jahren die Dorf- und Hofladen-Landschaft in Sachsen-Anhalt. Dabei erarbeiten die Forschenden Vorschläge, wie die Dorfläden für die Zukunft aufgestellt sein sollten, um möglichst lange bestehen und zur Nahversorgung vor Ort beitragen können.
In diesem Zuge ist eine Bestandsaufnahme der Hof- und Dorfläden in Sachsen-Anhalt sowie ein Übersichtskarte entstanden. Sie kann jederzeit erweitert werden. Mit mehr als 100 Geschäften ist die „Dorf- und Hofladen-Szene“ im Land breit aufgestellt, heißt es in der dazugehörigen Untersuchung.
Veranstaltungstipps
Einkaufen in Sachsen-Anhalt
Wir stellen Dir drei Märkte vor, auf denen Du in den kommenden Tagen frische und regionale Lebensmittel kaufen kannst.
Der Bauernmarkt auf dem Marktplatz in Bitterfeld-Wolfen. Foto: Silke Ungefroren
Frühjahrsbauernmärkte in Bitterfeld und Dessau-Roßlau
Am Samstag, 25. April, organisiert der Dessauer Verein Regionalmarke Mittelelbe gemeinsam mit der Stadt Bitterfeld-Wolfen einen Frühjahrsbauernmarkt auf dem Marktplatz. In der Zeit von 8 bis 14 Uhr gibt es frische Produkte aus der Region, darunter Obst und Gemüse, Fleisch und Wurst, Käse, Honig sowie Blumen und Pflanzen zu kaufen. Am 9. Mai (Sonnabend) findet der Bauern- und Regionalmarkt dann in Dessau-Roßlau auf der Zerbster Straße zwischen 8 und 14 Uhr statt.
Frühlingsregionalmarkt in Wolmirstedt
Schlossdomäne Wolmirstedt Foto: Stadt Wolmirstedt Einen frühlingshaften Regionalmarkt veranstaltet die Stadt Wolmirstedt am Sonnabend, 25. April, auf der Schlossdomäne. In der Zeit zwischen 9 und 15 Uhr erwarten die Besucher frische und regionale Lebensmittel, darunter Spargel, das süße Hefegebäck Baumstriezel, „Machdeburjer Mostrich“ und den „Lemsdorfer Lümmel“. Außerdem wird es einen Bücherflohmarkt, Live-Musik und kunsthandwerkliche Erzeugnisse geben.
Hoffest beim Pflanzenmarkt Hesse in Magdeburg
Hoffest in Calenberge Foto: Denis Hesse
Selbst gezogene regionale Pflanzen- und Blumensorten sowie saisonale Obst- und Gemüsesorten aus eigenem Anbau und aus der Region gibt es am Wochenende, 25. und 26. April, beim Hoffest im Pflanzenmarkt Hesse in Magdeburg-Cahlenberge. In der Zeit von 9 bis 18 Uhr können die Besucher über den Pflanzenmarkt bummeln, sich beraten und für den eigenen Garten inspirieren lassen. Ab 12 Uhr startet jeweils ein Kinderprogramm und am Sonntag gibt es ab 12 Uhr Live-Musik.
Ausblick
Nächste Woche beschäftigen wir uns mit dem Thema Grenzerfahrungen. Welche Besonderheiten gab und gibt es in den Regionen entlang der ehemaligen Mauer zwischen Ost und West? Bist Du in einer Grenzregion aufgewachsen und hast dazu Erfahrungen und Gedanken, die Du mit uns teilen möchtest? Dann schreibe uns gerne oder sende eine Audiodatei über die Sprachmemo-Funktion im Handy an dazwischen@detektor.fm.
Bis kommenden Donnerstag hier im Newsletter
Anne
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