Als ich diese Woche das erste Mal von der Idee von Sven Schulze gehört habe, bei der Wahl des Ministerpräsidenten aus dem Landtag zu gehen, habe ich gedacht, was soll das denn. Mittlerweile sehe ich das etwas differenzierter. Denn so diszipliniert er seine gespaltene Fraktion und setzt AfD und BSW unter Druck. Ein kluger Schachzug?
Bevor ich Dir einen Überblick über die Themen dieser Woche gebe, erlaube mir stellvertretend für unser Team das hier:
Denn das was Du gerade liest gilt als preiswürdig, das hier ist quasi ein „ausgezeichneter Newsletter“. Wir sind nämlich mit dem gesamten Projekt DAZWISCHEN für den Grimme Online Award 2026 nominiert.
Eine Jury des Grimme Instituts hat den Newsletter, den Podcast und unsere DAZWISCHEN-Community für diesen renommierten Preis vorgeschlagen. Uns freut diese Wertschätzung für unsere tägliche Arbeit sehr! Allein die Nominierung ist bereits eine große Anerkennung. Die finale Entscheidung wird dann übrigens Anfang Dezember verkündet.
Leonard, Katja, Marie und Christian freuen sich. Foto: Ina Lebedjew.
Besonders wertvoll sind auch viele Böden in Sachsen-Anhalt wie beispielsweise in der Magdeburger Börde. Damit habe ich etwas holprig die Überleitung zu unserem Schwerpunkt in dieser Woche hinbekommen. Es stimmt ja aber, die Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt gilt als besonders effektiv und gut organisiert. Trotzdem stehen auch die Bäuerinnen und Bauern hierzulande vor großen Herausforderungen und kämpfen dafür, zukunftsfähig zu bleiben. Im Podcast schauen wir deshalb einmal genauer hin.
Mit dem „Ewigen Roggen“ in Halle steht übrigens das zweitälteste Versuchsfeld der Welt in Sachsen-Anhalt. Seit 1878 wird hier getestet, wie sich unterschiedliche Dünger auf den Ertrag auswirken. Hier erfahrt ihr mehr dazu.
In den Veranstaltungstipps gibt es dann auch einen Landwirtschaftsfokus. Deshalb schauen wir auf die Bodenreform und die Einführung der LPGs, einen Herbstmarkt im Harz und Kürbisse im Europa-Rosarium.
Ein Traktor fährt über ein Getreidefeld. Foto: Shutterstock/ BG Media
In Sachsen-Anhalt wird fast die Hälfte der Fläche landwirtschaftlich genutzt. In der Altmark, wo meine Familie herkommt, prägt die Landwirtschaft bis heute die Dörfer. Sachsen-Anhalt gilt oft als Vorbild in der Landwirtschaft, beispielsweise wegen der effektiven Bewirtschaftung durch ehemalige LPG-Betriebe oder den besonderen Boden der Magdeburger Börde.
Gleichzeitig kämpfen auch Bäuerinnen und Bauern aus Sachsen-Anhalt mit Herausforderungen: Klimawandel, aufwändige Bürokratiepflichten oder steigende Kosten. Im Schnitt verdienen die Landwirtschaftsbetriebe inzwischen die Hälfte ihres Geldes mit Nebeneinkünften.
Wie die Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt trotzdem zukunftsfähig bleiben kann, ob Bauern demnächst dokumentieren müssen, wann ihre Kühe rülpsen und warum Bauer Phillip Krainbring trotzdem optimistisch ist, darüber sprechen Katja und Marie in der neuen Podcast-Folge von DAZWISCHEN.
Blick auf den „Ewigen Roggen“. Foto: Uni Halle / Maike Glöckner
In Halle liegt Deutschlands ältestes Versuchsfeld. Seit 1878 wird dort im „Ewigen Roggen“ jedes Jahr im Herbst Winterroggen gesät und im Sommer geerntet. Das Roggenfeld ist in verschiedene Parzellen eingeteilt. Die einzelnen Parzellen werden seitdem immer gleich bewirtschaftet. Eine bekommt Mineraldünger, eine Stallmist, eine beides und eine nix.
Angelegt hat diesen Dauerfeldversuch Julius Kühn. Kühn ist deutschlandweit der erste Professor für Landwirtschaft gewesen und wollte herausfinden, ob man Pflanzen auch mit mineralischem Dünger ernähren kann.
Der „Ewige Roggen“ bringt für die Wissenschaft viele Erkenntnisse. Der mineralisch gedüngte Teil beispielsweise erbringt deutlich mehr Ertrag, insbesondere seit Mitte der 1990er Jahre. Gleichzeitig liefert die vollkommen unbehandelte Parzelle bis heute nach fast 150 Jahren fast den gleichen Ertrag. Spannend, die Parzelle mit Stallmist wird seit 1952 nicht mehr gedüngt und ist auch Jahrzehnte später noch deutlich ertragreicher. Offenbar speichert der Boden die Nährstoffe also sehr langfristig.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Halle beobachten auf dem Versuchsfeld auch Klimaveränderungen oder extreme Wetterereignisse.
Umfrage
Auf was achtest Du beim Einkaufen?
Welche Dinge sind Dir beim Einkaufen von Lebensmitteln wichtig? Achtest du bewusst darauf, dass sie überwiegend regional sind? Schaust Du auf die Herkunft, aber der Preis spielt eine zentrale Rolle? Oder entscheidet bei Dir immer das Preis-Leistungsverhältnis?
Für Bauern und Bäuerinnen ist die Saison so gut wie zu Ende. Die meisten Erntedankfeste sind bereits durch. Für einige Fachleute ist die Ackerbautagung von der Landesanstalt für Landwirtschaft am 18. November noch ein wichtiger Termin. Für alle anderen habe ich hier einmal drei herbstliche Veranstaltungen zusammengestellt.
Bodenreform, Kollektivierung und sozialistische Industrialisierung
Wie hat sich die Kulturlandschaft an Saale und Unstrut in der DDR-Zeit verändert? Das ist eine zentrale Frage der Veranstaltung „Land gewinnen – Kulturlandschaft vs. Landwirtschaft im Raum Naumburg seit 1945“ in der Stiftung Schulpforta.
Denn während die hochmittelalterliche Kulturlandschaft in der Region über Jahrhunderte nahezu unverändert geblieben ist, haben die Bodenreform 1945 und die Gründung der LPGs ab 1952 gravierende Veränderungen gebracht. Bei der Veranstaltung kommen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen ins Gespräch.
In Trautenstein im Oberharz findet am 7. November erstmals ein Herbstmarkt statt. Vor dem Dorfgemeinschaftshaus soll es saisonale und regionale Produkte geben.
Termin: 7. November | 10 Uhr bis 17 Uhr | Trautenstein | Informationen
Kürbisse im Europa-Rosarium. Foto: Karin Thom.
Kürbisschnitzen im Rosarium
Die Saison 2026 endet im Europa-Rosarium in Sangerhausen unter anderem mit einem großen Kürbisschnitzen. Daneben gibt es auch eine Hagebuttenführung (Anmeldung empfohlen), Kindertheater und abends einen Laternenumzug.
Termin: 31. Oktober | ab 10 Uhr | Europa-Rosarium | Sangerhausen | Informationen
Im letzten Newsletter hatte ich nach der Wahrnehmung von psychischer Gesundheit in Sachsen-Anhalt gefragt. Die Mehrzahl von euch sieht in dieser nicht repräsentativen Umfrage einen langsamen Fortschritt. Gut ein Drittel fürchtet jedoch mögliche Rückschritte.
Götz Lindner hat uns übrigens noch eine Ergänzung zum Newsletter der vergangenen Woche geschickt:
Ich möchte noch ergänzen, dass Menschen ohne jegliche Krankenversicherung (ja, davon gibt es viele) sich u.a. an die open.med Praxis in Magdeburg in der Einsteinstraße wenden können, da sie bei den genannten Stellen oft kein Gehör finden.
Ausblick
Kommende Woche geht es um ein hartes, aber wichtiges Thema: die ungleiche Vermögensverteilung in den ostdeutschen und den westdeutschen Bundesländern. Dabei schauen wir natürlich ganz genau auf die Situation in Sachsen-Anhalt und suchen auch nach positiven und mutmachenenden Ansätzen.
Und natürlich beobachten wir auch weiter die Dinge, die im Landtag rund um AfD, BSW und CDU passieren. Kommende Woche mehr dazu!
Komm gesund durch die beginnende Erkältungszeit
Christian
PS Danke für all eure Mails, Nachrichten und Rückmeldungen! Volker Hecht aus Dessau-Roßlau hat eine mutmachende Botschaft:
Demokratie, kann verletzen und traurig machen, aber wir müssen das aushalten! An ihren Taten werdet ihr sie erkennen und denkt daran, Deutschland ist stark und es gibt viele, die keine rückwärts gewandten Menschen sind, Kopf hoch, wir schaffen das!
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