Ich finde es auch in Ordnung, dass wir das alles festhalten müssen, und dass wir auch gewisse Regeln und Auflagen haben, wie wir gewisse Dinge einsetzen dürfen. Aber das nimmt dann, ich sag mal so, überhand. Ich überspitze es jetzt bewusst, dass ich irgendwann noch dokumentieren muss, wann welche Kuh wo rülpst. Das sagt Philipp Krainbring, Landwirt in Sachsen-Anhalt. Und es ist unschwer herauszuhören, er ist genervt von zu viel Bürokratie.
Und das ist nicht das Einzige. Denn neben politischen Vorgaben stellt auch der Klimawandel Landwirte wie ihn vor Herausforderungen. Ernte in Sachsen-Anhalt unter schwierigen Vorzeichen oder Krisenstimmung, auch bei Zuckerrübenernte, lauten die Schlagzeilen der vergangenen Monate. Ja, hinzu kommen globale Krisen und Kriege, steigende Preise und Druck vom Handel. Wie steht es um die Zukunft der Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt? Darüber sprechen wir heute bei Dazwischen.
Bevor es aber losgeht, gibt es noch gute Nachrichten, die wir mit euch teilen wollen. Und diesmal sind wir richtig gut vorbereitet. Marie, du hast ja beim letzten Mal in deine Pfeife gepustet. Aber diesmal haben wir sogar eine richtige Tuschmaschine mit dabei. Ja, und jetzt macht es so spannend, weil sich natürlich alle fragen, warum? Ja, warum? Das ist auf jeden Fall eine richtig große Sache für uns.
Und zwar haben wir an diesem Wochenende erfahren, dass unser Dazwischenprojekt von detektor.fm und dem Media Forward Fund für den Grimme Online Award nominiert worden ist. Und jetzt pass auf! Und die nächste Folge machen wir vom Schützenfest. Ja, das ist auf jeden Fall wirklich eine Riesen-Auszeichnung für uns, unser Projekt. Also wir freuen uns wirklich sehr.
Ja, man sagt ja auch immer so schön, der Grimme Online Award, der ist sozusagen der Oscar des Internets. Und allein dafür nominiert zu sein, ist auf jeden Fall eine richtig große Ehre. Ja, und diese Nominierung, die wäre ohne euch nicht möglich gewesen. Denn wir machen diesen Podcast ja für euch. Und ohne euer aufmerksames Ohr, eure Ideen, Anmerkungen und Gedanken wären unser Podcast und unser Newsletter nicht so, wie sie heute sind. Also vielen Dank an euch!
Mehr als 6000 Leute haben den Podcast inzwischen abonniert und es werden immer mehr. Ich würde sagen, perfekt! Also wenn ihr Anregungen, Kritik oder Fragen habt, dann schreibt uns eine Mail an dazwischen at detektor.fm oder schickt uns eine Sprachnachricht. Die Nummer dafür findet ihr in den Shownotes.
Macht doch mal die Augen zu, Katja, und stell dir eine Fahrt mit dem IC von Leipzig über Halle, Köthen nach Magdeburg vor. Was siehst du so an den Fensterscheiben vorbeiziehen? Viel weites Land, Ackerfelder und wenig Städte. Ja, das ist richtig. Viel Felder und Acker. Das ist Sachsen-Anhalt. Etwa die Hälfte des Landes wird landwirtschaftlich genutzt. Und im Bundesvergleich liegen wir damit sogar ziemlich weit vorn.
Das geht auch aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Die meiste landwirtschaftlich genutzte Fläche hat in Zahlen zwar Bayern mit circa 3,1 Millionen Hektar. In Sachsen-Anhalt sind es so etwa um die 1,2 Millionen Hektar. Aber der Unterschied ist eigentlich gar nicht so groß, wenn man sich mal vor Augen hält, dass Bayern dreimal so groß wie Sachsen-Anhalt ist. Also relativ gesehen wahrscheinlich ziemlich der gleiche Anteil.
Wenn so viel Fläche landwirtschaftlich genutzt wird, dann scheinen die Voraussetzungen ja erstmal in Sachsen-Anhalt grundlegend ziemlich gut zu sein für Landwirtschaft. Mir fällt dann natürlich sofort eine Sache ein: die Magdeburger Börde und ihr fruchtbarer Boden. Das habe ich zumindest schon in der Schule gelernt und ich habe die auch mal in der Hand gehabt. Also die wirkte auch so, als wäre die so schwer und fruchtbar.
Ja, das ist bei mir auch beim Heimat- und Sachgrundunterricht aus der Grundschule hängen geblieben. Naja, und ich habe mich aber natürlich in Vorberatung auf diese Folge gefragt, stimmt das denn wirklich? Also ist dieser Bördeboden wirklich so fruchtbar? Und ich habe nachgefragt bei Philipp Kreinbring. Er ist Landwirt und auf Instagram nimmt er seine Follower schon seit vielen Jahren mit in seinen Alltag. Er kommt gebürtig aus Schleswig-Holstein, das hört man auch. Und er ist dort mit Landwirtschaft groß geworden.
Er selbst lebt aber eben schon seit vielen Jahren mit seiner Familie in Sachsen-Anhalt und zwar in der Börde. Der Boden ist sehr, sehr fruchtbar und das ist auch das, was ich immer so gehört kriege. Du bist ja nur in die Magdeburger Börde gegangen, deswegen. Das hat er aber damit für mich erstmal nicht zu tun. Aber ja, wir haben hier sehr guten Boden, aber auch dieser Boden braucht natürlich Wasser und das ist hier immer die Herausforderung.
Weswegen nur, weil es ein fruchtbarer Boden ist, wir nicht immer den höchsten Ertrag haben. Also diese Kombination aus sehr, sehr gutem Boden, was das Arbeiten in manchen Fällen schon einfacher macht als in anderen Regionen, in Kombination mit der Trockenheit. Also wir sind generell eine Trockenregion, auch unabhängig von extremer Trockenheit, wie wir es jetzt dieses Jahr zum Beispiel hatten, was dann manchmal das Arbeiten auch wieder etwas angenehmer macht, weil gewisse Arbeitsspitzen manchmal wegfallen, Zeitfenster ein bisschen weiter sind und größer sind.
Aber das sind eigentlich so die beiden Besonderheiten. Ich bin jetzt gerade so ein bisschen hängen geblieben an der Trockenregion und habe mich gefragt, woran das liegt. Liegt das so am Harz und da kommen dann die Regenwolken nicht rüber? Ja, tatsächlich ist es so. Die Börde liegt im Windschatten vom Harz und deshalb regnet es dort ganz allgemein eher weniger als in anderen Regionen, auch von Sachsen-Anhalt.
Ich war aber mit dieser Antwort von ihm noch nicht so richtig zufrieden, weil ich dachte, okay, er sagt jetzt guter Boden, aber wie sieht das denn aus? Du hast gerade schon gesagt, du hattest den Bördeboden schon in den Händen. Ich komme ja von da quasi. Da hat man ihn einmal im Leben in seinen Händen. Ich komme nicht von dort, also hatte ich den Bördeboden noch nicht in meinen Händen und ich wollte es naja ganz leidenhaft einfach mal wissen, wie sieht es aus bei mir zu Hause in Dessau im Garten.
Da hat der Boden, naja, wie soll ich es beschreiben, eher so eine feinere sandige Struktur. Erde aus dem Baumarkt, die sieht anders aus. Die ist schwer, die ist feucht. Kann man das irgendwie damit vergleichen? Und dann hat mir Philipp Kreinbring das nochmal so erklärt. Das ist ja dieser Schwarzerdeboden, wie man ihn kennt. Also eigentlich ein sehr, sehr guter Gartenboden. Wenn man sich vielleicht selber seinen Garten anlegt oder ein Hochbeet anlegt, dann guckt man ja auch, dass man die obere Schicht, dass man sich einen sehr, sehr guten Boden holt.
Und einmal ist der Vorteil, dass dieser Boden eigentlich sehr ein gutes Wasserhaltevermögen hat. Das heißt, wenn er Wasser bekommt, kann er das lange speichern und auch an die Pflanze abgeben. Er ist sehr fruchtbar in dem Zusammenhang, dass er auch viele Nährstoffe einfach von sich aus schon im Boden trägt und dadurch natürlich auch durch diese Struktur, die er hat, eine hohe biologische Aktivität hat. Also Boden ist auch Leben. Da ist viel Leben drin. Und dieses Leben stellt dann wiederum Nährstoffe zur Verfügung für die Pflanzen, die wachsen.
Ich lag jetzt also gar nicht so falsch mit meiner Baumarkterde. Und auf diesem guten Boden der Magdeburger Börde wird eben vor allem Weizen, Gerste, Raps, aber auch Mais und Zuckerrüben eingebaut. Alles wirklich sehr typisch für Sachsen-Anhalt. Was mich zu einer zweiten Frage bringt. Katja, wenn du jetzt nochmal mit geschlossenen Augen mit dem Zug nach Magdeburg fährst, vorbei an diesen beschriebenen Äckern und Feldern, was fällt dir noch auf?
Da ist ansonsten nicht so viel los, hätte ich jetzt gesagt. Wenn man jetzt durch andere Regionen fährt, dann hat man immer mal auch so im Wechsel, keine Ahnung, große Flächen mit Pferden oder so. Bei Niedersachsen ist das so. Genau, das habe ich jetzt so in Sachsen-Anhalt ehrlich gesagt noch nicht wahrgenommen. Ja, richtig. Also Weiden mit Tieren siehst du dort ziemlich selten. Und das hat einen Grund. Viehzucht ist nicht ganz so weit verbreitet wie in anderen Bundesländern.
Und auch das hat mit dem Boden zu tun. Denn dort, wo Böden ertragreich oder einfach zu bewirtschaften sind, wird einfach mehr angebaut als in Regionen, wo das nicht so ist. In der Altmark beispielsweise, da gibt es auch viele sandige, nährstoffarme Böden, die eben als Weiden genutzt werden. Und deshalb kommen fast ein Drittel des Gesamtbestandes der Rinder Sachsen-Anhalt im Altmarkkreis Herzwede und Ständer hervor. Sachsen-Anhalt ist also, auch wenn es natürlich Viehzucht, den Weinanbau im Salat- und Zutrittsgebiet oder den Obstanbau in der Region rings um den Süßen See gibt, vor allem ein Ackerbauland.
Aber sag mal, wenn ich es richtig im Kopf habe, dann wird das meiste in Sachsen-Anhalt auch so richtig konventionell angebaut, oder? Ja, das stimmt. Also nur auf etwa 9 bis 5 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche Sachsen-Anhalt wird ökologisch angebaut. Die Flächengröße und Anzahl der Betriebe ist hier in den letzten Jahren sogar gesunken. Und wenn wir uns jetzt nochmal die Gesamtzahl aller Betriebe in Sachsen-Anhalt ansehen, dann gibt es noch eine Besonderheit. Die derzeit noch etwa 4000 landwirtschaftlichen Betriebe bewirtschaften im Schnitt circa 270 Hektar Land. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 65 Hektar.
Okay, krass. Also das ist ungefähr viermal so viel. Es hat wahrscheinlich mit der DDR-Geschichte zu tun, oder? Genau. Also das kann man auch in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sehen. Die landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, die LPGs, wie es sie zu DDR-Zeiten gab, die wurden nach der Wiedervereinigung zwar aufgelöst. Allerdings sind daraus in vielen Regionen eben Großbetriebe hervorgegangen, die bis heute die Struktur der Landwirtschaft im Osten prägen.
Also in Bayern beispielsweise gibt es zehntausende landwirtschaftliche Betriebe, einfach weil die viel kleiner strukturiert sind. Und auch Philipp Kreinbring, der leitet eben als angestellter Landwirt einen ziemlich großen Ackerbaubetrieb in Sachsen-Anhalt mit 1300 Hektar Fläche. Auf jeden Fall spannend und wahrscheinlich auch ein bisschen anders von der Bewirtschaftung dann her. Man muss ja auch anders dann planen, als man sozusagen in so kleineren Betrieben wirtschaftet.
Das klingt jetzt zumindest nicht nach so der romantischen Bauernhöfe-Idylle, sondern eben wirklich nach großen Betrieben und Unternehmen, um die es da geht. Ja, und diese großen Betriebe und Unternehmen, die sind eben eher die Regel als eine Ausnahme. Also vorweg mal, ist diese Vorstellung, dass das ein schöner Beruf ist, richtig. Das will ich auch nochmal unterstreichen. Also ich bin sehr, sehr dankbar, dass ich diesen Beruf ausüben darf. Und für mich ist das der schönste Beruf, den es für mich gibt. Und deswegen mache ich das auch gerne.
Und es sind viele kleine Momente, die ich immer sehr genieße. Aber es ist natürlich diese romantische Vorstellung von einem kleinen Hof, wo auch sämtliche Tiere, die es gibt, irgendwie mit rumlaufen und so weiter. Die ist natürlich nicht mehr da. Das sind einfach auch Wirtschaftsunternehmen, die funktionieren müssen, die Geld verdienen müssen. Und dann hat das halt schon auch ein bisschen einfach was mit Unternehmertum zu tun.
Die klassischen Bauernhöfe oder wie man sich das vorstellt, auch eigentlich immer. Es ging immer darum, dass man seine Familie ernähren möchte oder Geld verdienen möchte. Aber es hat sich natürlich vieles verändert. Landwirtschaftliche Betriebe heute sind viel spezialisierter und sie agieren in ganz anderen, teils internationalen Strukturen. Die Herausforderungen, denen sie begegnen müssen, sind einfach nicht mehr vergleichbar mit denen vor 100, 150 Jahren, wo es eben doch noch mehr diese Bauernhof-Idee gab.
Und damit sind wir schon bei den angekündigten Herausforderungen, mit denen Landwirtschaft zu kämpfen hat. Wir haben ja ganz am Anfang dieser Folge schon über die Schlagzeilen der schlechten Erntesaison gesprochen. Wie lief denn die Saison ganz konkret in Sachsen-Anhalt? Naja, da muss man ja eigentlich immer erst mal genau schauen, um was für eine Ernte es sich so handelt. In den Meldungen, wo du die Titel nochmal vorgelesen hast, da ging es ja vor allem um die Getreideernte.
Der Landesbauernverband Sachsen-Anhalt veröffentlichte im August dazu eine Bilanz und darin war von einer katastrophalen Situation bei Winterraps die Rede. Beim Winterweizen lag die Ernte insgesamt unter dem Ertrag vom Vorjahr. Und das hätte alles einen Grund, nämlich zu wenig Niederschlag und zu heiße Temperaturen. Das haben wir ja glaube ich auch alle wahrgenommen, dass das in diesem Jahr auf jeden Fall ein Thema war.
Die Sachen, die du jetzt angesprochen hast, Winterraps und Winterweizen, sind ja auch die Dinge, die im Betrieb von Philipp Kreinbring angebaut werden. Wie hat er denn persönlich dieses Jahr diese Ernte erlebt? Also er meinte, jetzt eigentlich erst euphorisch in die Ernte gestartet und dann hat sich das natürlich geändert aufgrund der Trockenheit. Viel wäre verbrannt. Auch sein Betrieb hat mit den Ernteanbußen zu kämpfen. Er sagt aber, auch, dass sie noch mit einem blauen Auge davon gekommen wären im Vergleich zu anderen Betrieben.
Jetzt haben wir schon gesagt, zu wenig Niederschlag. Das bedeutet ja auch, die Böden werden bis in tiefere Schichten immer trocken. Der Grundwasserspiegel sinkt. Das ist ja alles nicht neu. Also wir hören das ja schon quasi seit Jahren in den Nachrichten, weil wir uns halt mittendrin befinden im Klimawandel. Ja, das stimmt. Und das Landesamt für Umweltschutz hat da auch nochmal spannende Zahlen in seinem Monitoringbericht für das Jahr 2025 zusammengetragen.
In den meisten Regionen Sachsen-Anhalt gibt es heute doppelt so viele heiße Tage wie 1961. Und die Zahl der sogenannten Tropennächte, also das sind die Nächte, in denen die Temperatur eben nicht unter 20 Grad Celsius fällt, wird ebenfalls zugenommen. Und je nach Region kann mit diesen Veränderungen der Boden eben derzeit noch etwas besser umgehen. Das haben wir am Anfang schon ein bisschen mit der Schwarzerde gehört oder eben schlechter.
Und ich wollte es noch ein bisschen genauer wissen und habe deshalb mal beim Helmholtz Zentrum für Umweltforschung UFZ nachgefragt. Ute Wollschläger und Hans Jürgen Vogel, die sind Agrarwissenschaftler und dort Teil des Teams für Bodensystemforschung. Naja, also was wir schon merken, ist, dass die Extremereignisse, wie man das so nennt, häufiger werden. Also wir haben mehr Starkregenereignisse, wir haben mehr Hitzeperioden, wir haben mehr Dürren. Und das wirkt sich natürlich auch auf die Erträge in der Landwirtschaft aus.
Also ganz besonders hier in Sachsen-Anhalt ist das, naja, ich sage immer, für uns Wissenschaftler interessant, für die Landwirte vielleicht eher so ein bisschen Alptraum, weil wir haben einen sehr geringen Niederschlag und der reicht eben gerade aus, um die Kulturen ausreichend mit Wasser zu versorgen. Also ein Weizen braucht etwa 400 Millimeter Wasser im Jahr. Das kommt so knapp mit oder grob mit dem hin, was hier auch an Regen fällt. Und es gibt Jahre, die sind feuchter und es gibt Jahre, die sind trockener. Und die wirken sich dann eben auch auf die Erträge aus, dass wir mal mehr und mal weniger haben.
Und diese hohe Variabilität, das haben wir uns kürzlich mal angeguckt mit Kollegen, die ist ganz besonders hier eben hoch. Und das Fande für uns ist die Schwarzerde, die speichern eben auch sehr viel Wasser. Und deswegen haben wir hier trotz des geringen Niederschlages immer noch die Möglichkeit, hohe Erträge zu erwirtschaften. Das ist in Norddeutschland, wo mehr Regen fällt, eben nicht so. Da fällt mehr Regen, aber die Erträge sind geringer. Und diese Schwarzerde, wie sie eben in der Magdeburger Börde vorkommt, kann das aber eben nicht dauerhaft ausgleichen.
Naja, also was wir im Prinzip machen müssen, ist, wir müssen die Widerstandsfähigkeit des Bodens gegenüber diesen extremen Ereignissen erhöhen. Also wir müssen wirklich sehen, dass wir die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens so gut wie möglich erhöhen, also Verdichtungen vermeiden, tiefwurzelnde Pflanzen einbauen, den organischen Grundstoff halten. Und da müssen wir eben sehen, wie das standortspezifisch geht. Also das wird sicher auf den Schwarzerden anders sein als in den sandigen Bereichen. Aber da einfach den Mix finden.
Und das ist auch eine Aufgabe der Forschung, die wir gerade sehr verfolgen bei uns. Einfach wie muss ich den Boden bewirtschaften, damit wir ihn in einen Zustand bringen, dass er diese extremen Ereignisse am besten abpuffern kann. Diese Forschung dazu ist natürlich unfassbar spannend und wird, glaube ich, auch für die Zukunft der Landwirtschaft, über die wir heute sprechen, eine große Rolle spielen.
Gibt es denn da schon erste Antworten darauf, wie das gelingen kann, diese Böden widerstandsfähiger zu machen? Ja, es gibt verschiedene Maßnahmen, die Ute Wollschläger und Hans Jürgen Vogel da nennen. Die Fruchtvorgaben passen und abwechslungsreich gestalten. Zwischen Früchte im Winter einsehen, die dann quasi dadurch, dass die Pflanzen in der Erde sind und auch Blätter fallen lassen auf dem Boden, quasi Lebensmaterial einbringen. Der Humusgehalt im Boden kann so erhöht werden und damit kann auch mehr Wasser gehalten werden.
Das klang jetzt schon ein bisschen sehr wissenschaftlich. Also Fruchtfolge anpassen, vielleicht nochmal für alle, die sich mit Landwirtschaft nicht so super gut auskennen. Was genau ist damit gemeint? Naja, eigentlich ist es so ein bisschen wie, wenn man einen Garten hat. Da soll man ja auch nicht jedes Jahr Möhren auf dem Feld aussehen, sondern das gerne mal anpassen. Weil verschiedene Pflanzen ziehen verschiedene Nährstoffe aus dem Boden und geben aber auch bestimmte Dinge anders in den Boden zurück.
Und genau da ist beispielsweise eine Maßnahme, die Fruchtfolge noch abwechslungsreicher zu gestalten, vielleicht auch mit Früchten oder Pflanzenarten, die vielleicht insgesamt nicht so gewinnbringend sind, aber für den Boden auf lange Sicht gut. Also so, dass man vielleicht auch im Wechsel immer mal ein Feld hat. Ich glaube, das haben wir in der Schule auch irgendwann mal besprochen. Also Dreifelderwirtschaft, da klingelt irgendwas bei mir. Dass man auch immer mal im Wechsel Felder hat, die jetzt nicht unbedingt für den Ertrag da sind, sondern eher sozusagen wie so ein Regenerationsjahr haben.
Genau, aber eben noch kleinteiliger. Noch kleinteiliger. Spannend. Sag mal, wir haben jetzt schon darüber gesprochen, dass Wasser fehlt. Da liegt ja auch irgendwie die Frage nach Bewässerung auf der Hand. Also auf meiner Reise, ganz realen Reise nach Magdeburg über Köthen, über die wir schon ein paar Mal gesprochen haben, sehe ich das manchmal, aber tatsächlich nicht so häufig, dass da ganze Felder zum Beispiel bewässert werden.
Ja, weil das eben auch sehr schwierig umsetzbar ist, wie Hans Jürgen Vogel sagt. Ja, also Bewässerung ist eine sehr aufwändige Geschichte und lohnt sich für den typischen Ackerbau eher nicht. Was man noch tun könnte, wäre, dass man dafür sorgt, dass der Boden bis in eine größere Tiefe für Pflanzenwachstum, Nährstoffaufnahme und Wasserspeicher zur Verfügung steht.
Und dafür geeignet sind ab und zu Pflanzen in der Fruchtfolge, die tief wurzeln, die entsprechende Bodenstruktur bilden, damit die Folgepflanzen es einfacher haben, auch in tiefere Bodenschichten vorzudringen. Es erhöht dann die nutzbare Wasserkapazität ganz deutlich. Was in die andere Richtung wirkt und wirklich schädlich ist, ist, wenn man durch schwere Maschinen sich Verdichtungen einhandelt unterhalb des Flughorizontes. Dann haben es die Pflanzen schwer, da runterzukommen und können diesen Raum nicht nutzen für Nährstoffe und Wasserversorgung.
Also da gilt es zu vermeiden, dass die Böden verdichten aufgrund von schweren Maschinen, die ja hier überall im Einsatz sind. Ja, also was er meint, sind die schweren Erntemaschinen, die über den Acker fahren und durch ihr Gewicht immer mehr den Boden, die Erde zusammendrücken. Das macht es natürlich den Pflanzen schwerer zu wachsen und dem Wasser schwerer in die tieferen Schichten einzudringen. Er sagt, der Einsatz von kleineren, leichteren Maschinen wäre besser.
Aber ehrlich gesagt, da muss ich sagen, ich glaube, kein Landwirt und keine Landwirtin wird sagen, das ist besonders praktikabel für sie, gerade wenn wir über so große Flächen sprechen, wie wir sie in Sachsen-Anhalt haben. Jetzt wurden ja aber trotzdem einige Maßnahmen genannt, die man ergreifen kann und die jetzt auch nicht so kompliziert klingen. Gibt es dafür ein Bewusstsein bei den Landwirten?
Also leitet Ute Wollschläger und Hans Jürgen Vogel, gibt es das. Und zwar eine Landwirtschaft wie Politik, die am Ende immer die Rahmenbedingungen schafft. Also ich glaube, da sieht es tatsächlich nicht so schlecht aus. Immerhin hat das Wissenschaftsministerium ein zehn Jahre langes Projekt gefördert. Bonares hieß das, das ist im letzten Jahr ausgelaufen. Und das Ziel dieses Projektes war, wie kann man landwirtschaftliches Bodenmanagement so verändern, dass die Bodenfunktionen unter dieser Landwirtschaft nicht leiden und dass die Bodenqualität eher verbessert wird als verschlechtert wird.
Und da hat das Ministerium viel Geld investiert und über 52 Institutionen in ganz Deutschland gefördert für diese Forschung. Also die Sensibilität ist da schon deutlich gestiegen in letzter Zeit. Und auch europaweit gibt es Forschungsprogramme, die in Richtung Soil Quality, Soil Health ausgerichtet sind. Zur Wahrheit gehört auch dazu, dass es in Sachsen-Anhalt sicher Böden gibt, die solche Grenzstandorte sind, also sandige Böden mit geringer Wasserhaltekapazität, wo man sich überlegen muss, ob diese Böden aus der Produktion genommen werden.
Ja, und welche Region das aber konkret betreffen könnte in Sachsen-Anhalt, da wollte er sich aber jetzt von mir nicht so festlegen lassen. Ist vielleicht auch ganz gut, nicht in einem Podcast zu sagen, in Mansfeld-Südharz, dritte Ecke links ab 2028 kann man da nichts mehr anbauen. Nicht, dass dich da noch jemand darauf festnagelt.
Ja, wir haben jetzt viel über Wasser gesprochen, über Böden, über Extremwetterbedingungen, darüber, dass wir mitten im Klimawandel stecken. Also kann man sagen, das ist sozusagen Herausforderung Nummer eins für die Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt, ganz besonders. Auf jeden Fall eine, mit der sie schon seit einer ganzen Weile umgehen muss.
Und interessanterweise schaut Philipp Kreinbring aber relativ entspannt darauf, obwohl der Klimawandel ja nicht nur Einfluss auf Niederschlag und Sonnendauer hat und den Boden, sondern ja auch teilweise neue oder mehr Schädlinge mit sich bringt und neben dem Boden auch die Pflanzen stresst. Ich sag mal, es ist ein Stück weit auch Berufsrisiko. Wir arbeiten nun mal unter freiem Himmel. Das machen wir auch gerne.
Was zusätzlich die Herausforderung ist, die letzten Jahre, dass die Kostenstruktur so explodiert ist. Also braucht ja nur jeder an die Tankstelle gucken. Wir müssen auch Diesel tanken oder brauchen Energie, auch in Form von Mineraldünger und solche Geschichten. Also die Kosten sind einfach die letzten Jahre zusätzlich so stark gestiegen, dass es immer schwieriger wird, schlechte Jahre abpuffern zu können.
Zum Beispiel fehlen Rücklagen, gerade liquide Mittel, um den laufenden Prozess irgendwie bedienen zu können. Und es war die letzten Jahre dann schwer möglich, aus den sehr, sehr guten Jahren vielleicht Rücklagen bilden zu können. Und ich erlebe das ja dann zu Hause auf meinem elterlichen Betrieb. Also mein Vater macht den Betrieb noch und er macht den jetzt seit 40 Jahren. Und er hat so eine Phase, wie er sie beschreibt, so noch nicht erlebt, dass es eigentlich kaum noch darstellbar ist, den Betrieb in irgendeiner Weise ohne Nebeneinkünfte fortführen zu können.
Das klingt, wenn man das so hört, erstmal ganz schön dramatisch. Trifft das, was Krainbring erzählt, tatsächlich auf richtig viele Landwirte zu? Ja, schon. Und deutschlandweit, wie er eben auch schildert, anhand des Betriebs seines Vaters in Schleswig-Holstein, also etwas mehr als die Hälfte aller landwirtschaftlichen Betriebe hat laut Deutschem Bauernverband Nebeneinkünfte. Und im Durchschnitt machen diese Nebeneinkünfte 50 Prozent des Einkommens aus. In Sachsen-Anhalt liegt das sogar ein bisschen höher.
Wow, also mehr als die Hälfte. Was sind denn das für Nebeneinkünfte? Also in einer Auflistung, die sich auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2023 bezieht, die ich gefunden habe, stammt der mit Abstand größte Anteil aus
Der Erzeugung erneuerbarer Energien. Also, dass Landwirte ihre Flächen für zum Beispiel Solarenergie verpachten, aber auch Einkünfte aus Biogasanlagen oder der Forstwirtschaft. Also meistens sind es Dinge, die diesen landwirtschaftlichen Betrieben nah sind. Die machen jetzt keinen Freizeitpark nebenbei. Die machen keinen Freizeitpark, außer Karl, außer Karls Elbphilharmonie.
Oder eben, dass der Landwirt, ich sage mal, tagsüber Landwirt ist und abends hat er einen Remote-Job. Gibt es aber auch, sagte Philipp Kreinbring. Und warum ist das notwendig? Ist es tatsächlich so, dass die Kosten so hoch sind, dass es sich nicht mehr gut genug rentiert, nur in Anführungsstrichen Landwirtschaft zu machen? Also, wenn man den Worten von Kreinbring und auch den von den Bauernverbänden glaubt, dann ja.
Und insgesamt muss man da, glaube ich, auf die nicht ganz so einfache Gemengelage schauen, in der wir uns einfach insgesamt wirtschaftlich bewegen und die eben auch auf viele andere Branchen zutrifft. Also ganz allgemein, unsere Produkte, auch die landwirtschaftlichen, konkurrieren nicht nur auf dem deutschen, sondern auf dem europäischen und dem Weltmarkt. Die Herstellungskosten sind insgesamt immer teurer geworden.
Gleichzeitig steigen die Preise für viele Produkte kaum beziehungsweise nur im Handel, aber nicht bei denjenigen, die sie produzieren. Das kommt dann nicht an, sozusagen. Genau. Der Handel bestimmt aber den Preis. Es geht um möglichst große Gewinnmargen. Und da kann, wenn es sich jetzt nicht gerade um, ich sage mal, besonders geschützte Produkte handelt, auf dem gesamten Weltmarkt das günstigste Angebot eingekauft werden.
Und das meistens ja zu Lasten der heimischen Produktion, die in Deutschland oft aus verschiedenen Gründen, dazu gehören ja auch Abgaben und Kosten für die Mitarbeitenden, einfach sehr viel höher sind. Das heißt, wir als Landwirte in Sachsen-Anhalt müssen uns dem globalen Markt stellen. Und da ist es natürlich so, dass wir dann vor der Herausforderung stehen, dass wir nicht gleiche Rahmenbedingungen haben.
Mercosur-Abkommen
Stichwort nenne ich jetzt einfach mal Mercosur-Abkommen, was, glaube ich, ein gutes Handelsabkommen für viele Wirtschaftsbereiche ist. Aber wir Landwirte wurden davor gewarnt, das so abzuschließen, wie man es gemacht hat. Und am Ende hat sich jetzt erstmal herausgestellt, dass der Import von Rindfleisch jetzt doch erstmal eingestellt wurde, weil doch die Hormonbelastung zu hoch war und Antibiotikabelastung, was hier gar nicht mehr erlaubt ist in gewissen Bereichen.
Und das ist ein sehr fraumer Wunsch, dass man sagt, wir haben auf der Welt alle die gleichen Standards. Das werden wir nicht hinkriegen. Jetzt hat ja Philipp Kreinbring gerade dieses Mercosur-Abkommen erwähnt. Vielleicht sollten wir da kurz nochmal alle abholen. Ja, also das ist ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay.
Das ist seit Mai diesen Jahres in Kraft und das Abkommen schließt eben auch landwirtschaftliche Produkte ein, die wir importieren. Dazu gehört beispielsweise auch Fleisch, wobei sich die Mercosur-Staaten eigentlich an EU-Vorgaben halten müssen, was so die Einhaltung bestimmter Grenzwerte betrifft, wie Antibiotika.
Das Abkommen hat eben von Anfang an für Kritik unter den Landwirten gesorgt, weil die befürchtet haben, dass die Standards, denen sie unterliegen, und auch den Prüfungen, denen sie unterliegen, einfach nicht eingehalten werden und dann billiger produziertes Fleisch die heimischen Produkte verdrängt. Und zum September diesen Jahres wurde die Einfuhr von Rindfleisch und auch Geflügel aus Brasilien gestoppt, weil die EU-Vorgaben dann doch nicht so eingehalten werden konnten.
Also ist gewissermaßen die Befürchtung der Landwirte auch eingetreten. Ja, und Kreinbring sagt halt, wenn wir unsere eigenen Standards so hochsetzen, dann müssen wir uns aber auch committen, die eigenen Produkte von regionalen Landwirten auch wirklich abzunehmen und entsprechend zu bezahlen. Denn so sind jetzt quasi verschiedene Produkte, die vermeintlich gleich sind, auf einem Markt.
Verantwortung der Verbraucher
Ist das so ein Fingerzeig in Richtung Verbraucher? Weil wir natürlich auch mit unserem Konsum, mit unseren Konsumentscheidungen dazu beitragen, was mehrheitlich in den Regalen landet. Das dachte ich im ersten Moment auch, aber tatsächlich meinte das so nicht. Also ich will das nicht immer auf den Verbraucher abwälzen. Ich bin selber Verbraucher und wenn ich durch den Supermarkt gehe und ich kenne mich ja mit der Materie aus, merke ich aber selber, dass ich manchmal überfordert bin.
Also wenn man normal in den Supermarkt geht, wenn man bewusst in den Hofladen geht, dann ist das wieder leichter und was anderes. Aber diese Komplexität ist ja einfach da und da ist aus meiner Sicht die Politik gefordert. Der Handel natürlich auch. Der rechnet nur mit seinen Margen. Da geht es um Centbeträge, ob ein deutsches Produkt gekauft wird oder nicht gekauft wird.
Und da lege ich mittlerweile eher meine Hand Richtung Handel und Richtung Politik. Da liegt die Verantwortung und nicht bei dem einzelnen Verbraucher. Naja, zumal ja auch die Entscheidung, was ich als Verbraucher kaufe, vielleicht auch manchmal davon getrieben ist, wie viel Geld ich tatsächlich zur Verfügung habe. Es ist ja jetzt nicht so, als könnten alle Menschen in Deutschland, in Sachsen-Anhalt, sich immer sozusagen für das beste Produkt entscheiden.
Manchmal ist es ja auch einfach eine ganz klassisch finanzielle Entscheidung. Ja, und hinzu kommt, ich finde, gerade bei verarbeiteten Produkten oder weiterverarbeiteten Produkten wird es ja auch immer komplizierter herauszufinden, woher das kommt. Also wenn das jetzt die regionalen Tomaten sind aus Wittenberg, dann kann ich das relativ einfach identifizieren.
Aber woher eigentlich das Mehl kommt? Keine Ahnung. Dann wird es schon sehr viel schwieriger, ob das Getreide jetzt wirklich aus Sachsen-Anhalt kam oder vielleicht aus einem ganz anderen Land dazu gekauft und weiterverarbeitet wurde.
Zukunft der Landwirtschaft
Naja, wenn wir jetzt noch mal die Eingangsfrage aufgreifen, wie es um die Zukunft der Landwirtschaft steht in Sachsen-Anhalt, aber eben ja auch ganz allgemein, dann finde ich schon total spannend, dass Kreinbring sagt, dass nicht die klimatischen Herausforderungen das sind, was seine Branche mehrheitlich belasten. Und ich hätte ehrlich gesagt gedacht, das wäre es.
Aber seine Antwort fällt ganz anders aus. Die klimatischen Herausforderungen, die kennen wir, da können wir eigentlich mit umgehen. Was deutlich größer geworden ist, muss man ganz klar sagen, sind politische Herausforderungen, so nenne ich sie mal. Also das heißt, wir haben immer stärkere Auflagen. Wir haben immer weitere Einschränkungen. Uns fallen immer weitere Möglichkeiten weg.
Zum Beispiel im Pflanzenschutzbereich verlieren wir immer mehr Wirkstoffe, sodass es manchmal schwierig wird, Pflanzen gesund zu halten oder auch unkrautfrei zu halten. Und diese Herausforderungen auf politischer Ebene, Stichwort auch Bürokratie, sind teilweise schon immens geworden und sind leider auch abgedriftet weg von Fachlichkeit.
Na gut, ich sage es mal so, auch Pflanzenschutz ist natürlich auch mehr nötig, wenn neue Schädlinge kommen durch den Klimawandel. Also ich glaube, vielleicht ist manchmal auch gar nicht so klar, was an Klimawandel und Klimaschutz eben auch an Folgekosten dann vielleicht dranhängt, die dann ja auch sowohl die Landwirte als auch die Verbraucher treffen.
Also das finde ich ganz interessant. Aber was ich jetzt mitnehme, es geht auch um zu viel Bürokratie, zu viel Dokumentationspflichten. Und das sind ja auch Dinge, über die ganz, ganz viele Branchen klagen. Dieser Frust darüber, der zieht sich ja auf jeden Fall durch.
Ja, und auch die Unterschiede zwischen einzelnen Regionen. Also er hat ja noch mal beschrieben, dass auf EU-Ebene beispielsweise Gesetze gemacht werden. Auf Länderebene wird das dann umgesetzt. Da gibt es verschiedene Auslegungssachen. Und gerade wenn Betriebe, ich sage mal, direkt an der Landesgrenze sind, dann käme es halt manchmal zu so Sachen wie, okay, also hier auf den fünf Metern darf ich das jetzt nicht machen, aber auf den fünf Metern da drüben schon.
Und dann wären sie gewisserweise ratlos. Darf ich das? Lese mir die ganzen Verordnungen durch und am Ende weiß ich es eigentlich auch schon gar nicht mehr. Und dann ruft man auf dem Amt an und die wissen es auch nicht mehr, weil sie es auch nicht mehr nachvollziehen können, was jetzt eigentlich gerade Stand der Dinge ist.
Und das sind so die Sachen, dass ich sage, ja, wir brauchen eine vernünftige Dokumentation. Und ich finde es auch in Ordnung, dass wir das alles festhalten müssen und dass wir auch gewisse Regeln haben und Auflagen haben, wie wir gewisse Dinge einsetzen dürfen. Aber das nimmt dann, ich sage mal, so über der Hand.
Ich überspitze es jetzt bewusst, dass ich irgendwann noch dokumentieren muss, wann welche Kuh wo rülpst. Das stelle ich mir auf jeden Fall lustig vor, wenn das dann dazu käme. Ist natürlich hier tatsächlich bewusst überspitzt. Ich nehme aber mit, es gibt da ganz reelle Probleme, ganz reale Herausforderungen, vor denen die Landwirtschaft steht.
Jetzt muss man ja aber fairerweise sagen, eigentlich ist das ja eine Berufsgruppe, die mit ihren Bauernverbänden eine sehr starke Lobby hat in Deutschland, aber auch in der EU. Ja, ich sag nur, da wurde ein sehr berühmtes Buch darüber geschrieben. Und ja, ich bin ganz bei dir. Ich würde auch sagen, dass eigentlich Landwirte und Landwirtinnen eine recht große, starke Lobby haben.
Wir erinnern uns da sicherlich noch an die Proteste, wie mit großen Landmaschinen die Auffahrten von beispielsweise Autobahnen blockiert wurden. Es gab Kurse mit Traktoren. 2023 war das. Die damalige Bundesregierung wollte die Subventionen für Agrardiesel sowie die Kfz-Steuerbefreiung streichen, um ein Haushaltsloch zu stopfen.
Seit diesem Jahr gibt es die Rückvergütung wieder, und zwar im vollen Umfang. Und davon profitieren tatsächlich vor allem große Betriebe. Und da hat dieser Protest unter Druck der Bauernverbände wirklich was bewirkt.
Zusammenfassung
Okay, also fassen wir vielleicht nochmal so ein bisschen zusammen. Der Klimawandel, den wahrscheinlich du und ich auch für so die größte Herausforderung gehalten hätten, der spielt natürlich eine Rolle. Der spielt auch auf ganz verschiedenen Ebenen eine Rolle, ist aber gar nicht so sehr das dringlichste Problem.
Es geht viel um natürlich Böden, um resiliente Böden. Es geht aber vor allen Dingen auch um Dokumentationspflichten. Es geht um Bürokratie und auch um die Kosten-Nutzen-Rechnung, die eben natürlich am Ende sich irgendwie auszahlen müssen.
Wir haben gehört, viele Landwirte müssen tatsächlich Nebeneinkünfte mit einbringen, damit das Unternehmen sozusagen funktioniert. In der Gesamtbewertung, was heißt das denn für die Zukunft der Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt? Tatsächlich finde ich, ist diese Frage gar nicht so einfach zu beantworten, weil es eben so viele verschiedene Bedingungen und Herausforderungen gibt.
Und weil all das in so einer globalen Welt eben immer komplizierter geworden ist. Ich würde sagen, wir brauchen eine nachhaltige Landwirtschaft, die natürlich klar hohe Erträge erzielt. Denn wir wollen uns natürlich versorgen können, aber eben nicht zur Lasten der Umwelt, in der wir noch viele Jahre und Jahrzehnte leben wollen.
Wir brauchen geeignete Rahmenbedingungen und Unterstützungsmöglichkeiten seitens der Politik, um einerseits die Landwirtschaft an klimatische Veränderungen anzupassen und andererseits eben auch mit den Herausforderungen einer globalen Welt umgehen zu können. Und Kreinbring wünscht sich da vor allem eins: mehr Vertrauen in die Fachkompetenz seiner Branche.
Denn er hat das Gefühl, in den letzten Jahren ist gerade seiner Branche eher mehr Misstrauen entgegengebracht worden. Insgesamt schaut er aber trotzdem, auch wenn er schon so viele Herausforderungen geschildert hat, eigentlich überhaupt nicht pessimistisch in die Zukunft.
Also ich gucke eigentlich grundsätzlich immer optimistisch nach vorne, weil das mein Gemüt ist und weil ich mir am Anfang schon sagte, ich mache den Beruf einfach unheimlich gerne. Und deswegen bleibe ich grundsätzlich ein Optimist. Aber wenn wir gewisse Weichen nicht stellen, können wir uns einfach darauf einstellen, dass die Struktur, wie wir sie jetzt haben, wegbrechen wird.
Also viele Betriebe im ländlichen Bereich werden aufgeben, werden aufhören. Die nächste Generation wird es nicht weitermachen. Strukturwandel wird sich weiter beschleunigen. In manchen Bereichen ist das sicherlich gut, aber ich glaube, wir sind in gewissen Bereichen auch an dem Punkt, wo es nicht mehr gut ist, weil es einfach auch dörfliche Strukturen schwächt, Regionen schwächt.
Und wenn da nicht zeitnah die Weichen etwas anders gestellt werden, wird sich vieles sehr verändern und nicht nur zum Positiven. Landwirtschaft wird weiter ein Thema bleiben. Wir müssen alle täglich essen. Deswegen wird es immer Landwirtschaft geben, aber es wird sich deutlich verändern, wie die dann aussehen wird und wie sie gestaltet wird.
Ja, Nachwuchs ist wahrscheinlich auch ein Riesenthema. Haben wir heute gar nicht so richtig drüber gesprochen. Aber beim demografischen Wandel, vor allen Dingen in Sachsen-Anhalt, können wir davon ausgehen, dass es auch Betriebe geben wird, die da wirklich mit dem Nachwuchs Schwierigkeiten haben.
Wenn ihr da Betriebe kennt, wenn ihr Geschichten kennt von Familien, die nicht wissen, wie es sozusagen weitergeht, wenn die alten Herrschaften in Rente gehen, dann schreibt uns doch gerne eine Mail an.
Und mittlerweile ist es ja an dieser Stelle auch recht gängig, dass wir von unseren Gesprächspartnern die Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt erfahren. Heute auch. Ich habe natürlich Philipp Kreinbring danach gefragt, wobei ich eigentlich seinen Lieblingsort jetzt gar nicht abspielen will.
Bei Katja, du bekommst so einen Zwölflügel. Ah, es ist mal wieder ein Ort in meiner Heimatstadt Magdeburg. Da freue ich mich doch sehr. Ich weiß gar nicht, wie du darauf kommst. Also grundsätzlich bin ich immer gerne zu Hause in drei Leben.
Aber ich muss sagen, und deswegen kann ich das, glaube ich, so einfach dann runterbrechen: Die Landeshauptstadt, also Magdeburg. Ich bin hierher gekommen 2016 und kannte Magdeburg überhaupt nicht. Und ich habe die Stadt wirklich schätzen und lieben gelernt. So viele schöne Ecken, so viele Möglichkeiten, was mit der Familie zu machen.
So viele Möglichkeiten, schön Eis zu essen an der Elbe. Also ich bin sehr sehr gerne in Magdeburg. Guck mal, ich habe das ja nochmal rausgeholt. Ja, oh, das ist sehr lang. Ich drücke mal wieder die Stopptaste. Ich verhänge hiermit ein offizielles Lieblingsort Magdeburg.
Ich kann das nachvollziehen. Sachsen-Anhalt ist ja wirklich auch deutlich diverser als die Landeshauptstadt. Von daher jetzt seid ihr wirklich mal gefragt. Schickt uns doch bitte eure Lieblingsorte außerhalb von Magdeburg oder eure Heldin, euren Helden des Alltags. Teilt ihn mit uns.
Wir teilen ihn dann hier bei uns im Podcast. Die Adresse lautet dazwischen@detektor.fm oder ihr könnt uns natürlich auch einfach eine Sprachnachricht schicken. Die Telefonnummer für unseren WhatsApp-Kanal, die findet ihr in unseren Shownotes.
Nächste Woche bist du dann im Urlaub, wohlverdient. Ihr hört dann also eine Folge mit mir und Leonard, und die hat ja irgendwie auch mit Land zu tun, oder vielmehr Besitz von Land und anderen Werten. Wir gehen nämlich der Frage nach, warum es zwischen Ost und West immer noch eine so große Vermögensungleichheit gibt, wie wir sie überwinden können und warum das wichtig für unsere Gesellschaft ist.
Und ich sage schon mal so viel dazu: Ich werde in diesem Leben keine Großgrundbesitzerin. Ich bin auf jeden Fall gespannt auf diese Folge und werde sie mir auf jeden Fall anhören. Ihr hoffentlich auch. Bis dahin macht’s gut.
Dieser Podcast ist eine Kooperation von detektor.fm und dem Media Forward Fund. Podcast Hosts Marilandes und Katja Schmidt. Podcast Redaktion Leonard Schubert. Cover Design Claudia Dölling und Anja Kriemer von Sisters of Design. Originalmusik Florian Sievers. Audio- und Videospielproduktion Benjamin Serdani, Stanley Beidauf und Tim Schmutzler. Projektleitung Christian Bollert.