Bevor wir einsteigen, ein Transparenzhinweis: Ich bin beim Thema Mobilität nicht unabhängig. Ich mache seit mehr als elf Jahren gemeinsam mit Gerolf Meyer bei detektor.fm den Fahrradpodcast „Antritt“. Gleichzeitig ist mir seit vielen Jahren klar, dass die durchgehende A14 für viele Leute in der Altmark ein Gewinn sein wird.
Beim Thema Mobilität versuche ich, so objektiv und rational wie möglich zu sein. Auf mich kommt es aber in diesem Fall auch gar nicht so sehr an, denn Katja aus dem Podcast-Team ist für die Podcast-Episode in dieser Woche nach Magdeburg gefahren und hat sich dort über Mobilitätsideen für die Zukunft informiert. Denn die Universität in Magdeburg zählt zu den führenden Forschungseinrichtungen, wenn es um genau diese Themen geht. Im Podcast hörst Du, woran die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler so forschen und welche Ideen sie für die nächsten Jahre und Jahrzehnte haben.
Hier im Newsletter erläutere ich außerdem ein wenig ausführlicher das konkrete Konzept der „Superblocks“. Das ist die Idee, Wohnviertel in Städten lebenswerter zu machen, weniger etwas für ländliche Regionen, aber für Städte wie Magdeburg, Halle oder Dessau-Roßlau sicher spannend. Um Fragen der Mobilität dreht sich dann auch folgerichtig unsere Umfrage in dieser Woche.
Ich als Freund des Kuchens habe schon vor ein paar Tagen gemerkt, dass der Reformationstag ansteht, denn bei den Bäckern meines Vertrauens gibt’s schon eine Weile Reformationsbrötchen. Dass die Dinger lecker sind, weiß ich schon lange, aber erst durch die Vorbereitung auf diesen Newsletter habe ich gelernt, dass die Form der Reformationsbrötchen die „Lutherrose“ symbolisieren soll. Und Sachsen-Anhalt und insbesondere die Lutherstadt Wittenberg sind natürlich der beste Ort für den Reformationstag. Deshalb beginnen damit auch die Veranstaltungstipps. Daneben blicken wir auf das Silbersalz-Festival in Halle und auf eine der vielen Halloween-Veranstaltungen. Halloween wiederum schmeckt mir persönlich nicht so gut, aber das ist vielleicht auch wurscht.
In diesem Newsletter findest Du auch nochmal die wichtigsten Informationen für die nächste DAZWISCHEN-Live-Veranstaltung. Denn die findet am 17. November in Magdeburg statt und dreht sich um die Frage, wie die Zukunft der Demokratie in Sachsen-Anhalt aussieht.
Ein „Mobility Hub“ mit Rampe und einem Lieferroboter. Foto: IMIQ
Als ich als Jugendlicher meine Verwandten in der Altmark besucht habe, habe ich mich oft gefragt, warum in Osterburg oder Arendsee der Bus so selten fährt. Das hat natürlich unter anderem mit der verhältnismäßig dünnen Besiedelung zu tun. (Nur in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern wohnen noch weniger Menschen pro Quadratkilometer.) Das Auto spielt in der Altmark nachvollziehbarer Weise eine ganz andere Rolle.
Vielleicht ist deswegen die Universität Magdeburg auch besonders gut geeignet, sich Gedanken über die Mobilität der Zukunft in städtischen und ländlichenRegionen zu machen. Dort arbeiten die Forschenden unter anderem an autonomen Systemen, wie beispielsweise einem selbstständig fahrenden Bus. Eine andere Idee sind Mobilitätszentren, die das Reisen erleichtern sollen. Die Idee: An einem Ort findet man unterschiedliche Fortbewegungsmittel wie Leihräder oder Roller, die vor allem für die letzten Meter genutzt werden können.
Marie und Katja blicken in dieser Podcast-Episode auf Lösungsansätze für die Mobilität in Sachsen-Anhalt, die spannenderweise in Magdeburg erforscht werden.
Umgestaltung einer Straße, hier in Leipzig. Foto: Superblocks Leipzig
Die „Superblocks“ sind eine verkehrspolitische Idee aus Barcelona. Damit sollen Wohnviertel beruhigt werden. Bestimmte Straßen werden für den Autoverkehr gesperrt und Autos auf Hauptstraßen geleitet. Gleichzeitig werden dafür beispielsweise Sitzgelegenheiten, Beete und Grünflächen angelegt. Das Versprechen: Mehr Sicherheit und eine angenehmeres Lebensgefühl für die Bewohnerinnen und Bewohner des Viertels. Außerdem sollen Superblocks gut für die Gesundheit sein und die Widerstandsfähigkeit gegen den Klimawandel erhöhen.
Mittlerweile gibt es in vielen europäischen Städten ähnliche Ansätze. Als ich im Sommer in Helsinki war, sind mir an vielen Ecken ähnliche Projekte aufgefallen. Eine eigene „Superblock“-Gruppe gibt es bisher in Sachsen-Anhalt unserer Erkenntnis nach (noch) nicht. In Halle kommen die Ideen der Superblocks laut Angaben der Stadt jedoch bereits „an verschiedenen Stellen“ zum Einsatz und sollen künftig ausgeweitet werden. Ziel der Stadt Halle sind demnach „mehr Aufenthalts- und Grünflächen“ sowie „passgenaue und zukunftsweisende Mobilitätsangebote“. Aus Sicht der Stadt Halle sollen diese Ideen und Konzepte vor allem in der dicht bebauten gründerzeitlichen Innenstadt getestet werden.
Umfrage
Wo hakt es bei der Mobilität?
Für Menschen in Sachsen-Anhalt gibt es ganz unterschiedliche Herausforderungen beim Thema Mobilität. Was ist aus Deiner Sicht das größte Problem? Stimm mit ab!
Koreanische Touristin vor der Kirche in Wittenberg. Foto: Odd Andersen / AFP
Reformationstag in Wittenberg
Klar, die Lutherstadt Wittenberg ist das Original, wenn es um den Reformationstag am Sonnabend geht. Hat doch Martin Luther hier 1517 seine 95 Thesen veröffentlicht und damit eine weltweite Bewegung ausgelöst. Die Stadt feiert deshalb am Wochenende in der Altstadt das diesjährige „Reformationsfest“. Das Motto lautet: „Historisch, festlich und lebendig“.
Die Veranstaltenden versprechen den Besucherinnen und Besuchern Musik, traditionelles Handwerk, Gottesdienste und Konzerte. Zu den Höhepunkten zählt demnach das historische Marktspektakel (ab 11 Uhr) sowie der große Lichterumzug (17 Uhr).
Termin: 31. Oktober | ab 11 Uhr | kostenlos | Wittenberg | Informationen
Das Projekt SHRINK 01995. Foto: Robert Clark. Kleid: Iris van Herpen.
Silbersalz-Festival: Wissenschaft in Halle
Das diesjährige Motto des Wissenschaftsfestivals „SILBERSALZ“ lautet „Ich, verbesserlich?“. Bis zum Sonntag treffen dabei Menschen aus Wissenschaft, Medien, Kunst und Gesellschaft zusammen. Es gibt Filme, Ausstellungen, Gespräche, interaktive Erlebnisse und Live-Veranstaltungen an 15 verschiedenen Orten in Halle.
Schwerpunkt ist in diesem Jahr die Gesundheit in vielfältigen Facetten. Es geht um körperliches und mentales Wohlbefinden, Prävention, Fitness und Schlaf bis hin zu Longevity, medizinischen Innovationen und zum wachsenden Drang zur Selbstoptimierung.
Termin: 28. Oktober bis 1. November | Halle | Informationen
Eindruck vom Magdeburger LUMAGICA-Projekt. Foto: Anne Schulz.
LUMAGICA: Halloween in Magdeburg
Die Lichtshow LUMAGICA in Magdeburg verwandelt den Angersee im Elbauenpark am 31. Oktober in eine Kulisse aus Licht, Nebel und Musik. Die Veranstaltenden versprechen ein Halloween-Spektakel.
Zweimal am Abend (18:30 Uhr und 21 Uhr) gibt es eine große Lasershow mit epischer Musik. Für Besucherinnen und Besucher ist vermutlich das Nordufer des Angersees besonders empfehlenswert. Dort hat man wohl den besten Blick.
Termin: 31. Oktober | 18:00 Uhr bis 22 Uhr | Eintritt: 23 Euro | Elbauenpark | Magdeburg | Informationen
DAZWISCHEN-Live am 17. November
Wie weiter mit der Demokratie?
Wie geht es für die demokratischen Parteien und die Zivilgesellschaft in Sachsen-Anhalt weiter? Diese Frage diskutieren der Tagesspiegel und wir von DAZWISCHEN am 17. November in Magdeburg gemeinsam.
Der Tagesspiegel und detektor.fm laden zum nächsten DAZWISCHEN-Live ins JoGo, einigen sicher noch als „CampusTheater“ oder „Projekt 7“ bekannt. Robert Ide (Tagesspiegel) und Marie Landes (DAZWISCHEN) sprechen an dem Abend mit Politikerinnen und Politikern sowie Vertretern von zivilgesellschaftlichen Organisationen über die Herausforderungen für die Demokratie in den nächsten Monaten.
Gemeinsam mit Leuten aus der DAZWISCHEN-Community wollen wir ins Gespräch kommen und auf mögliche Lösungen für die Demokratie schauen.
Komm also gern vorbei und beteilige Dich an der Diskussion!
Termin: 17. November | 19 Uhr bis 20.30 Uhr | kostenlos (nach Anmeldung) | JoGo | Magdeburg | Anmeldung
In der letzten Woche habe ich gefragt, was aus eurer Sicht am meisten gegen Ungerechtigkeit hilft. Das Votum von euch ist sehr eindeutig, wenn die Umfrage auch nicht repräsentativ. Mehr als 95 Prozent plädieren für eine stärkere Besteuerung von Erben.
Im dezentralen sozialen Netzwerk Mastodon merkt übrigens Sebastian Mai an, dass die direkte Besteuerung von Vermögen keine Antwortmöglichkeit gewesen ist. Recht hat er!
Ausblick
Unser Team beschäftigt sich schon sehr intensiv mit dem Schwerpunkt der kommenden Woche. Denn wir sprechen bereits seit Wochen mit verschiedenen Leuten aus der Zivilgesellschaft in Sachsen-Anhalt. Die zentrale Frage ist dabei, wie stellen sich die Akteurinnen und Akteure nach der Landtagswahl und mit den unklaren Regierungsverhältnissen für die nächsten Monate und Jahre auf. Denn es ist ja durchaus wahrscheinlich, dass Förderprogramme des Landes 2027 wegbrechen.
Wieso ist die Verteilung „ungerecht“? Sie ist ungleich. Da gehe ich mit. Aber an welchem Maßstab ist sie ungerecht? War es ungerecht, dass die Zone von den Russen (und den von ihnen sowjetisch unterjochten Völkern) besetzt und kommunistisch versklavt wurde, während im Westen Demokratie und unternehmerische Freiheit für Wohlstand sorgten? Oder ist das schlicht Schicksal oder Zufall?
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