vielleicht hast Du heute Morgen ein Brötchen gegessen, dessen Getreide mit Dünger aus Piesteritz wuchs. Oder Du bist mit Kraftstoff aus der Raffinerie in Leuna zur Arbeit gefahren. Vielleicht bereitest Du auch heute Abend Dein Essen auf einer Küchenarbeitsplatte zu, die Harze aus Bitterfeld-Wolfen enthält.
Die Chemieindustrie in Sachsen-Anhalt versorgt große Regionen mit ihren Erzeugnissen und prägt das Bundesland seit mehr als 100 Jahren wirtschaftlich, gesellschaftlich und landschaftlich. So gehört sie zu den wichtigsten Arbeitgebern Sachsen-Anhalts – und steht gleichzeitig vor großen Herausforderungen.
In der neuen Podcast-Folge nehmen Dich meine Kolleginnen Katja und Marie mit nach Piesteritz, einem Ortsteil von Wittenberg. Dort sitzt mit den Stickstoffwerken Piesteritz Deutschlands größter Hersteller von Harnstoff und Ammoniak. Katja und Marie zeigen, wie stark die Chemie die Region prägt, welche Verbindungen zwischen Unternehmen und Stadtgesellschaft entstanden sind und warum die energieintensive Branche aufgrund hoher Energiepreise, ambitionierter Klimaziele und globaler Konkurrenz unter Druck steht.
Zudem findest Du hier einen Überblick über alle Chemieparks in Sachsen-Anhalt und ihre Besonderheiten. Außerdem habe ich Dir demokratiefördernde Veranstaltungen für die kommenden Tage herausgesucht. Auf die Aktion „Gesicht zeigen“ bin ich durch eine Empfehlung aus unserer Community aufmerksam geworden:
Stimme aus der DAZWISCHEN-Community
„Darf ich Euch auf das Bündnis Sachsen-Anhalt. Weltoffen! aufmerksam machen? Es stellt unter anderem Materialien zur Verfügung, die für demokratische Teilhabe und eine weltoffene Gesellschaft im Vorfeld der Wahlen in Sachsen-Anhalt werben.“
Das Bündnis Sachsen-Anhalt. Weltoffen pflegt einen großen Veranstaltungskalender. Darin habe ich auch die Aktion „Gesicht zeigen“ von Karolin und Thomas Schubert aus Weißenfels gefunden. Sie laden dazu ein, sich vor ihrem Café zu fotografieren und so Gesicht zu zeigen für Demokratie und Vielfalt. Karolin hat mir dieses Foto von sich geschickt, über das ich mich sehr gefreut habe.
Foto: Thomas Schubert
Mehr zu dieser und anderen Veranstaltungen liest Du weiter unten.
Carsten Franzke, Geschäftsführer der SKW Piesteritz, mit dem Agro-Chemiepark Piesteritz im Hintergrund. Foto: Marie Landes
Die Chemieindustrie in Sachsen-Anhalt genießt weltweites Ansehen. Das berühmte „Chemiedreieck“ zählt zu den bedeutendsten Chemiestandorten Deutschlands. Treibstoffe, die Harnstofflösung AdBlue für Dieselfahrzeuge, Düngemittel, Pharmaprodukte, chemische Grundstoffe und andere Erzeugnisse aus Sachsen-Anhalt versorgen weite Regionen. Damit prägt die Branche das Bundesland entscheidend.
Ein anschauliches Beispiel liefern die Stickstoffwerke (SKW) im Wittenberger Ortsteil Piesteritz, die Podcast-Host Marie für die neue Folge besucht hat. Wittenbergs Oberbürgermeister Torsten Zugehör beschreibt im Gespräch die traditionell enge Verbindung zwischen Unternehmen und Stadt: „Wir waren schon immer eine Chemiearbeiterstadt, und bis heute gehört SKW zu den größten Arbeitgebern vor Ort.“
Doch die Chemieindustrie steht derzeit vor großen Herausforderungen. Hohe Energie- und Rohstoffpreise belasten die Branche. Auch die Energiewende, also der Umstieg auf erneuerbare Energien, bereitet Schwierigkeiten, wie Wolfgang Hübinger, Vorstandsmitglied der Gesellschaft Deutscher Chemiker, in der Folge erklärt.
TrotzdembleibtdieBrancheoptimistisch.Ihreenge Vernetzung mit der PolitikverschafftihrGehör.TorstenZugehörzeigtsichüberzeugt,dass der Düngemittelhersteller SKW Piesteritz undandereSchlüsselunternehmenderChemieindustrieinSachsen–AnhaltauchindenkommendenJahrzehntenbestehenundan die nächste Generation übergebenwerden.
Die industrielle Chemieproduktion in Bitterfeld reicht bis 1893 zurück. Heute arbeiten im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen rund 15.000 Menschen bei 350 Unternehmen, darunter das Pharma- und Agrarchemieunternehmen Bayer und die Spezialchemiehersteller Evonik und Lanxess. Der Bund fördert laut Mitteilung den Chemiepark mit 36 Millionen Euro für eine Produktionsanlage des Unternehmens AMG für Batteriechemie.
1916 gegründet, befindet sich in Leuna heute der größte zusammenhängende Chemiestandort Deutschlands. Die Unternehmen sind über ein dichtes Rohrleitungs- und Versorgungsnetz miteinander verbunden und tauschen Energie und chemische Vorprodukte aus, darunter der Energiekonzern und Raffineriebetreiber TotalEnergies und der Industriegaskonzern Linde. 8.100 Menschen arbeiten bei den mehr als 100 ansässigen Chemieunternehmen. Dienstleister mit eingerechnet, sind es insgesamt sogar 15.000. Beim Kunststoffhersteller DOMO Chemicals bangen aktuell jedoch hunderte Beschäftigte um ihre Arbeitsplätze, weil das belgisch geführte Unternehmen im Dezember 2025 Insolvenz angemeldet hatte. Die Investorensuche läuft laut Medienberichten.
Der Dow Value Park Schkopau/Böhlen wurde 1998 gegründet und ist mit 160 Hektar Größe und 27 Unternehmen der kleinste Standort. Eines der wichtigsten Unternehmen dort ist das US-amerikanische Chemieunternehmen Dow. Dow betreibt als Ankerunternehmen große Teile der Infrastruktur des Parks, hat jedoch angekündigt, bis Ende 2027 mehrere Anlagen in Schkopau (Sachsen-Anhalt) und Böhlen (Sachsen) zu schließen. Im Dow ValuePark Schkopau/Böhlen arbeiten rund 3.000 Menschen. Durch die geplanten Schließungen könnten Medienberichten zufolge mehrere hundert Arbeitsplätze wegfallen.
Der Agro-Chemiepark Piesteritz wurde 2005 im Wittenberger Ortsteil Piesteritz gegründet und ist Deutschlands einziger Agro-Chemiepark. Seine Wurzeln reichen bis 1915 zurück. Heute sind hier rund 40 Unternehmen mit 2.500 Mitarbeitenden ansässig. Betreiber ist die 1993 gegründete SKW Stickstoffwerke Piesteritz GmbH, Deutschlands größter Hersteller von Ammoniak und Harnstoff. Das Unternehmen gehört zur tschechischen Agrofert-Gruppe, die Medienberichten zufolge im März 2026 Millioneninvestitionen in den Standort ankündigte.
Die Wurzeln des Chemie- und Industrieparks Zeitz reichen bis 1936 zurück. Hier, im Dreiländereck Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen, arbeiten 1.000 Menschen bei 50 vor allem internationalen und inhabergeführten Unternehmen. Dazu gehören zum Beispiel das Chemieunternehmen Radici Chimica, der Altölaufbereiter Puralube und der Klebstoffhersteller Jowat. Der Standort erhält Medienberichten zufolge 18 Millionen Euro Fördermittel von Bund und Land.
Leuna, Bitterfeld-Wolfen, Schkopau: Die Chemie gehört zu den prägenden Industrien Sachsen-Anhalts. Wie viele Menschen arbeiten direkt in den Chemieunternehmen? Teste dein Wissen!
Wissensfrage
Wie viele Menschen arbeiten direkt in der Chemieindustrie?
Beim Christopher Street Day Köthen werden bis zu 500 Teilnehmende erwartet. Foto: Christopher-Street-Day Sachsen-Anhalt e.V.
Christopher Street Day in Köthen: Demo und Straßenfest
Als Höhepunkt einer Aktionswoche findet der Christopher Street Day in Köthen mit einer Demonstration und einem Straßenfest statt. Zum Auftakt gibt es eine Gesprächsrunde über die Lebensrealitäten und Herausforderungen queerer Menschen. Anschließend zieht die Demo durch die Innenstadt. Beim Straßenfest warten Musik, Talkrunden, Drag-Shows, Kunstaktionen und weitere Angebote.
Termin: 11. Juli | ab 12 Uhr | Marktplatz | Köthen | Infos
„Gesicht zeigen“ für Demokratie und Vielfalt
Die Inhaber des Café Marché 15 laden zur Aktion „Gesicht zeigen“ ein. In einer Fotobox vor dem Café können Interessierte ein Zeichen für eine vielfältige und starke Demokratie setzen. Außerdem gibt es Gelegenheit, miteinander über Demokratie und ihren Schutz ins Gespräch zu kommen.
Termin: 10. Juli | 16 bis 20 Uhr | Markt 15 | Weißenfels | Infos
Mitreden über die Zukunft von Halle-Neustadt
Wie soll sich Halle-Neustadt entwickeln? Im Dialogformat „Sprechen & Zuhören“ lädt das Soziokulturelle Zentrum Passage 13 zum Austausch über den Stadtteil ein. Nach festen Gesprächsregeln können Interessierte darüber sprechen, wie sie ihre Möglichkeiten sehen, Halle-Neustadt mitzugestalten.
Termin: 30. Juli | 18.30 bis 20 Uhr | P13-Nachbarschaftscafé | Neustädter Passage 13 | Halle | Infos
Rückblick: Umfrage
Wie wichtig findest Du das Thema Migration?
Vergangene Wochehabe ich gefragt, wie Du die Wichtigkeit des Themas Migration für Sachsen-Anhalt im Vergleich zu anderen politischen Themen einstufst. Das ist das Ergebnis:
Ausblick
In der kommenden Ausgabe geht es um Bildung – eines der wichtigsten politischen Themen neben Migration und Wirtschaft für die Menschen in Sachsen-Anhalt laut der Gesellschaft für Trend- und Wahlforschung Infratest Dimap. Wir sprechen über die großen Probleme im Bildungsbereich, schauen auf die Vorschläge der Parteien, insbesondere auch der AfD, und suchen nach Lösungen, wie das Bildungssystem gerettet werden kann.
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