die Bevölkerung in Sachsen-Anhalt ist in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich zurückgegangen und wird vermutlich weiterhin schrumpfen, das zeigen zumindest Prognosen. Seit dem Jahr 2000 hat Sachsen-Anhalt fast eine halbe Million Einwohnerinnen und Einwohner verloren. Das hat einerseits mit der älter werdenden Bevölkerung zu tun und andererseits mit Abwanderung. Das ländliche Sachsen-Anhalt ist davon besonders betroffen.
Deshalb schauen sich Katja und Marie im neuen DAZWISCHEN-Podcast in Thalwinkel im Burgenlandkreis an, wie die Bewohner mit dem fortschreitenden Schrumpfen ihres Dorfes umgehen. Schule, Kita und Geschäfte gibt es dort schon länger nicht mehr. So viel sei verraten: Viele bleiben positiv, packen selbst mit an und sind für den Zuzug von Menschen von außerhalb offen. Für die Folge haben Katja und Marie auch mit Experten gesprochen, welche Möglichkeiten sie zur Wiederbelebung sehen. Manch einer rät radikal dazu, kleine Orte ganz aufzugeben.
Auf die Idee könnte man vielleicht auch bei Billberge in der Altmark kommen. Denn dort leben aktuell noch neun Menschen. Doch der Landkreis hat Konzepte für den Tangermünder Ortsteil gesucht und Investoren mit einer spannenden Idee gefunden. Wie eine Berliner Unternehmerin und eine Münchener Genossenschaft das Gut Billberge an der Elbe wiederbeleben wollen, liest Du in diesem Newsletter.
Außerdem habe ich Dir drei Veranstaltungstipps für die kommenden Tage herausgesucht und würde gerne von Dir wissen, ob Du ein schrumpfendes Dorf, in dem es kaum noch etwas gibt, verlassen oder ob Du bleiben würdest. Mach mit bei unserer Umfrage!
Und vorher löse ich noch die Umfrage aus dem letzten Newsletter auf. Ich finde das Ergebnis beeindruckend:
Der Ort Thalwinkel im Burgenlandkreis ist in den vergangenen Jahrzehnten von 200 auf 120 Bewohner geschrumpft. Foto: Katja Schmidt
95 Prozent der Gemeinden in Sachsen-Anhalt sind von Schrumpfung betroffen. Um sich ein Bild vor Ort zu machen, ist Katja nach Thalwinkel im Burgenlandkreis gefahren. Die Zahl der Einwohner in dem Ortsteil von Bad Bibra ist seit der Wiedervereinigung von 200 auf 120 gesunken. Wichtige Infrastruktur wie Schulen, Kitas, Arztpraxen, Geschäfte und Restaurants gibt es deshalb nur noch in den Nachbarorten. Doch die Bewohner haben sich arrangiert, auch mit der Arbeitsmarktsituation, wie der stellvertretende Vorsitzende des Heimat- und Feuerwehrvereins, Andy Söring, sagt.
Die Hauptgründe für das Schrumpfen von Gemeinden sind Wegzug, Überalterung und eine niedrige Geburtenrate. Es gibt nicht nur insgesamt weniger Einwohner, sondern vor allem einen starken Rückgang der arbeitenden Bevölkerung in den vergangenen Jahrzehnten. Erschwerend kommt hinzu, dass die Steuereinnahmen der Kommunen in Sachsen-Anhalt unterdurchschnittlich sind, sodass diese wenig in den Erhalt attraktiver Lebensbedingungen investieren können. Das alles zusammen ergibt einen problematischen Mix, erklärt Steffen Maretzke vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung.
Die Grundrichtung der Bevölkerungsentwicklung lässt sich laut Maretzke kurz- und mittelfristig nicht aufhalten. Aber es gibt Möglichkeiten, die Lebensqualität in den schrumpfenden Orten zu erhalten. Dazu gehören das Zusammenlegen von Gemeinden und die stärkere Zusammenarbeit von kleinen Orten. Zudem würde es laut Maretzke helfen, betroffenen Kommunen mehr Eigenverantwortung und Selbständigkeit einzuräumen. Und während die Bewohner von Thalwinkel gemeinsames Anpacken als ihren Weg gefunden haben, sind sie auch für Zuzug von Menschen von außerhalb offen, sagt Tom Eberling, Vorsitzender des Heimat- und Feuerwehrvereins.
Ich möchte von Dir wissen, ob Du ein schrumpfendes Dorf verlassen oder ob Du eher bleiben und dagegen ankämpfen würdest. Beteilige Dich gern an der Umfrage!
Umfrage
Würdest Du bleiben oder gehen?
Mach mit bei der Umfrage in dieser Woche und sag mir, ob Du in einem schrumpfenden Dorf wohnen bleiben oder wegziehen würdest:
Auf dem Gut Billberge soll eine neue Dorfgemeinschaft entstehen. Dafür haben Investoren das Dorf gekauft und entwickeln es. Foto: Katrin Frische
In Billberge leben Stand heute neun Menschen. Das soll sich bald ändern. Denn ein Investorentrio hat den Tangermünder Ortsteil in der Altmark gekauft und möchte ihn wiederbeleben. So planen die Eigentümerin und Berliner Unternehmerin Marlene Brühl, ihre beiden Geschäftspartner und die Genossenschaft Vielleben aus München, ein modernes Dorf mit etwa 120 Bewohnern zu schaffen.
Dabei können sie auf vorhandene Strukturen wie Häuser, eine alte Werkhalle, einen Reitverein, eine Bushaltestelle und vor allem viel Platz zum Träumen und Realisieren zurückgreifen. Bereits fertiggestellt ist ein Gästehaus für Besucher sowie ein Veranstaltungssaal.
Geplant sind 22 kleine Holzhäuser sowie die Renovierung von 17 bestehenden Wohnungen. Es soll Raum für gemeinschaftliches Arbeiten und Ateliers geben. Gemeinschaftsräume und -gärten sowie die Anordnung der Häuser um Innenhöfe herum sollen die Nachbarschaft stärken. Die ersten Baugrundstücke werden ab September erschlossen.
Drei Parteien haben bisher verbindlich zugesagt. Zudem gibt es 50 Interessensbekundungen von Menschen aus ganz Deutschland, berichtet Vielleben-Sprecherin Katrin Frische. Die Münchenerin schwärmt von der fantastischen Lage am Biosphärenreservat Mittelelbe und einer großen „Spielwiese“, um sich auszutoben. Für Interessenten gibt es am 7. Juli um 17 Uhr online eine Infoveranstaltung.
Veranstaltungstipps
Vom Konzert in der Dorfkirche bis zu Kunst in der Stadt
Ob auf dem Dorf oder in der Stadt: In den kommenden Tagen ist einiges los in Sachsen-Anhalt. Hier kommen drei Tipps:
LA-Vibes in Halle mit „Kunst für das Land“
Kunst für das Land fand schon in Berlin statt und wird nach Halle dann auch in Bitterfeld-Wolfen, Cottbus und Frankfurt (Oder) Station machen. Foto: Lukas Zitzer
Großformatige Kunstplakate und Installationen von ehemaligen Stipendiaten der Kunststiftung Sachsen-Anhalt sind ab dem 29. Mai (Freitag) in der Innenstadt von Halle zu sehen. Im Rahmen des Projektes „Kunst für das Land“ sollen die Arbeiten an prominenten Orten wie dem Hauptbahnhof, dem Robert-Franz-Ring und der Kunststiftung gemeinsam mit der Architektur und der Öffentlichkeit wirken. Das Projekt wird von der Kunststiftung Sachsen-Anhalt und dem Verein Villa Aurora & Thomas Mann House aus Los Angeles bis zum 8. Juni realisiert. Die Werke sind während mehrmonatiger Aufenthalte der Künstler in Los Angeles (LA) entstanden.
Klassische Musik in der „Sixtinischen Kapelle der Altmark“
Die Dorfkirche Berge bei Gardelegen gilt als einer der eindrucksvollsten Kulturorte der Region. Foto: Altmark Festspiele
Ein Kammerkonzert unter dem Titel „Glückes genug“ können die Besucher der Altmark-Festspiele am 30. Mai (Samstag) erleben. In der Dorfkirche Berge bei Gardelegen spielen ab 17 Uhr Matthias Glander auf der Klarinette, Claire Sojung Henkel am Violoncello und Reinhard Seehafer am Klavier unter anderem Stücke von Brahms, Mendelssohn und Wagner. Neben der Musik verspricht auch das Ambiente in der „Sixtinischen Kapelle der Altmark“ mit ihren farbenprächtigen Wand- und Deckenmalereien aus dem 17. Jahrhundert ein besonderes Erlebnis. Tickets: 30 Euro.
Internationaler Kindertag im Naumburger Dom
Für Erwachsene und für Kinder gibt es am 1. Juni jeweils separate Führungen durch den Naumburger Dom. Foto: DZT/Jens Wegener
Am Internationalen Kindertag am 1. Juni (Montag) finden vielerorts Veranstaltungen statt. Eine davon ist die Domführung für Kinder durch den Naumburger Dom. Die jungen Besucher erfahren ab 14 Uhr, wie vor 1000 Jahren ein so imposantes Gebäude gebaut wurde und warum die Stifterfiguren berühmt sind. Für Erwachsene findet parallel eine Führung statt. Eine Anmeldung ist erwünscht.
Ausblick
Am kommenden Donnerstag widmen wir uns dem Thema Freiheit der Wissenschaft. Denn mehrere Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Institute in Sachsen-Anhalt sehen die Forschungsfreiheit in Gefahr. Grund dafür ist, dass die AfD angekündigt hat, die Wissenschaftslandschaft umbauen zu wollen, sollte sie an die Regierung kommen.
Bis dahin wünsche ich Dir eine gute Zeit
Anne
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