TICK-Staaten lösen BRICS ab

Die neuen Hoffnungsträger

10.02.2016

Schwellenländer wie Brasilien und Russland haben mit starken wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Auch der Dauer-Motor China ist ins Stocken geraten. Fallende Rohstoffpreise und verschleppte Reformen zeigen ihre Wirkung. Die internationalen Investoren reagieren darauf - und legen ihr Geld lieber in den TICK-Staaten an.

Seit Anfang des Jahrtausends gelten die BRICS-Staaten als neue, aufstrebende Wirtschaftsmächte und lukrative Investitionsziele. Geprägt hat dieses Akronym Jim O’Neill, der ehemalige Chefvolkswirt der Großbank Goldman Sachs. Zunächst nur Brasilien, Russland, Indien und China umfassend, wurde die Riege später auch um Südafrika ergänzt. Sie vereinen zusammen rund 40 Prozent der Weltbevölkerung und circa ein Viertel des weltweiten Bruttoinlandsprodukts.

Jetzt, wo die Welle sich gedreht hat, stehen diese Länder vor großen Problemen. – Klaus-Jürgen Gern, Wissenschaftler vom Kieler Institut für Weltwirtschaft

Brasilien: geplatzte Petrobras-Träume

Jahrelang haben diese Länder mit einem starken Wirtschaftswachstum geglänzt. Doch der Zauber ist verflogen: So rutscht Brasilien immer tiefer in eine Wirtschaftskrise. Der einstige Hoffnungsträger, das halb-staatliche Mineralöl-Unternehmen Petrobras, kann sich nur noch über Wasser halten, weil der Staat es verzweifelt am Leben hält.

Dazu kommt ein riesiger Korruptionsskandal, in den der Ölkonzern und die brasilianische Politik verstrickt sind. Das Wirtschaftswachstum ist nach Jahren des Aufschwungs rückläufig: Minus 3,5 Prozent stehen für 2015 zu Buche. Besonders hart trifft es den Industriesektor, der im selben Zeitraum um 8,3 Prozent geschrumpft ist.

Russland: Abhängigkeit vom Öl rächt sich

Ähnlich düster sieht es in Russland aus. Auch hier richtet der Verfall des Ölpreises starke Schäden an. Das Land befindet sich in einer Rezession, da über die Öl- und Gaswirtschaft mehr als die Hälfte des Haushalts finanziert wird. Auch die Außenpolitik Russlands trägt ihren Teil zur aktuellen Krise bei, da die durch den Westen verhängten Sanktionen im Zuge der Ukraine-Krise die wirtschaftlichen Beziehungen ins Ausland zusätzlich belasten.

China: das Ende der Wachstumsexplosion

Selbst der einstige Überflieger China hat an Glanz verloren. Die dortige Spekulationsblase kam spätestens bei den Kurseinbrüchen Anfang dieses Jahres zum Vorschein. Die Volksrepublik hat allerdings den Vorteil, weniger auf den Export von Rohstoffen angewiesen zu sein, und gilt somit im Rahmen der TICK-Staaten weiter als attraktives Investitionsziel.

Der Fokus der Kapitalmärkte hat sich geändert. – Klaus-Jürgen Gern, Wirtschaftsexperte

TICK-Staaten als neues Investitionsziel

Die neuen Investitionslieblinge sind neben China und Indien nun auch Taiwan und Südkorea – kurz: die TICK-Staaten. Taiwan und Südkorea können zu den Industriestaaten gezählt werden und besitzen den Vorteil, dass ihre Wirtschaft wesentlich stärker auf neue Technologien und weniger auf Rohstoffe ausgerichtet ist. So zählen die zwei kleinen asiatischen Staaten mittlerweile zu den bedeutendsten Emerging Markets überhaupt. Der Wert ihrer Aktien misst mittlerweile ein Vielfaches des Aktienwertes der BRICS-Staaten.

Über die Vorzüge der TICK-Staaten und das Umdenken bei den Anlegern hat detektor.fm-Moderator Thibaud Schremser mit Klaus-Jürgen Gern vom Kieler Institut für Weltwirtschaft gesprochen.

Klaus Jürgen Gern - Kieler Institut für WeltwirtschaftÄhnlich wie Deutschland haben Taiwan und Südkorea ihre Stärken in der Ausbildung von Humankapital.Klaus-Jürgen Gernist Experte vom Prognosezentrum am Kieler Institut für Weltwirtschaft. 

Redaktion: Markus Vorreyer