China in der Krise?

"Eine schmerzhafte Umstellung"

24.08.2015

"Schwarzer Montag": Die chinesische Börse hat gerade ihre größten Verluste seit 2007 erlebt. Dazu droht dem Schwellenland das schwächste Wachstum seit 25 Jahren. Gerät die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ins Stocken?

Die chinesische Wirtschaft wächst immer langsamer und bleibt auch beim Export hinter den Erwartungen zurück. Daraufhin hat erst Chinas Börse einen „Schwarzen Montag“ mit starken Kursverlusten erlebt, dann sind auch weltweit die Aktienkurse eingebrochen. Verliert China nun seine wirtschaftliche Bedeutung, wenn das Wachstum nachlässt?

China: Gigantische Wachstumsraten

Jahrelang ist die Wirtschaft in China enorm schnell gewachsen, teils mit zweistelligen Raten. Für dieses Jahr hat die chinesische Regierung ein Wachstumsziel von „nur“ sieben Prozent angegeben. Damit wächst die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt so langsam wie seit 25 Jahren nicht mehr, aber immer noch um ein Vielfaches schneller als Industriestaaten wie Deutschland.

Selbst das zurückhaltende Wachstumsziel von sieben Prozent ist im vergangenen Monat verfehlt worden, das geht aus Daten von Bloomberg hervor. Damit ergeht es der Volksrepublik China wie auch den anderen BRICS-Staaten: die Zeiten des grenzenlosen Booms sind vorbei.

China ist nach wie vor eine sehr starke Volkswirtschaft. Aber die Börsen sind in einem atemberaubenden Tempo gewachsen und waren überhitzt. – Knut Dethlefsen, Ostasien-Referent der Friedrich-Ebert-Stiftung

Weniger Wachstum ist mehr

Wachsen um jeden Preis, das ist in China vorbei. Denn das schnelle Wachstum geht vor allem auf Kosten der Umwelt, wie zuletzt die Chemiekatastrophe in Tianjin gezeigt hat. Umweltverschmutzungen, vor allem Smog, sind in chinesischen Städten beinahe Alltag geworden.

Die chinesische Regierung hat sehr wohl verstanden, dass das Wachstum auf Kosten der Umwelt so nicht tragfähig ist. – Knut Dethlefsen, Ostasien-Referent der Friedrich-Ebert-Stiftung

Was bedeutet der Kursrutsch an der chinesischen Börse für die Wirtschaft der Volksrepublik? Darüber hat detektor.fm-Moderator Konrad Spremberg mit Knut Dethlefsen gesprochen. Er ist Ostasien-Referent der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Knut DethlefsenWir erleben jetzt eine Umstellung der chinesischen Wirtschaft. China hat nach wie vor ein großes Wachstumspotenzial, nur eben ein kleineres, als wir bisher angenommen haben.Knut Dethlefsensieht die chinesische Wirtschaft weiter wachsen, nur eben langsamer. 

Redaktion: Sandro Schroeder