Das brand eins Magazin zum Hören | BONUS: Videospiele sind männlich

"Männliche Helden verkaufen sich besser"

17.11.2017

Immer mehr Frauen und Mädchen spielen Videospiele. Dennoch gibt es kaum weibliche Hauptcharaktere. Wieso, erklärt Christoph Koch von brand eins im Podcast-Bonus.

In vielen früheren „Männerberufen“ sind Frauen längst keine Seltenheit mehr. Dennoch ist die Gleichberechtigung im Job oft keine Selbstverständlichkeit. Das zeigt auch das aktuelle brand eins Magazin zum Hören. Die Kollegen von brand eins beleuchten sowohl positive als auch negative Beispiele und zeigen, wieso deutsche Unternehmen beim Thema „Gleichberechtigung im Job“ noch einiges lernen können. Der Schwerpunkt „Frauen/Männer/Arbeit“ erzählt Geschichten aus dem Berufsalltag. An dieser Stelle veröffentlichen wir ein Interview aus der Sendung als Bonustrack in einer längeren Fassung.


Vorzeigeheldin Lara Croft?

Sie sieht gut aus, kann mit Waffen umgehen und macht ihren Job besser als die Männer im Spiel: Lara Croft. Lange galt sie als Hoffnungsträgerin für mehr weibliche Charaktere in Videospielen. Immerhin gab es zu ihren Anfängen in den 1990er-Jahren kaum vergleichbare Figuren in der virtuellen Realität. Doch Kritiker sehen sie heute weniger als Vorzeigeheldin denn als „Augenschmaus“ für männliche Gamer.

2013 bei dem Reboot der Tomb-Raider-Reihe wollten die Macher diesem Image entgegenwirken und Lara Croft zu einer richtigen Abenteuer-Ikone machen. Schlussendlich ist ihnen das aber nur bis zu einem gewissen Grad gelungen, denn an ihrem Sexappeal wurde kaum herumgeschraubt. Immerhin ist das das Erfolgsrezept der Tomb-Raider-Spiele.

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Der Schwerpunkt im November: „Frauen/ Männer/ Arbeit“

Immer mehr Gamerinnen

Der Bundesverband interaktive Unterhaltungssoftware hat im vergangenen Jahr verkündet, dass mit 16,2 Millionen Spielerinnen rund 47 Prozent der Gamer weiblich sind. Männer und Frauen teilen sich also die Controller und Mäuse. In den Videospielen selbst spiegelt sich das allerdings nicht wieder. Weibliche Hauptcharakere sind weiterhin rar gesät. Das liegt anscheinend auch daran, dass solche Spiele oft mehr kosten.

Eine Analyse von Electronic Entertainment Design and Research, dem größten Marktforscher der Branche, hat vor einigen Jahren gezeigt, dass sich männliche Helden durchschnittlich 75 Prozent besser verkaufen als weibliche. Unklar ist jedoch, ob das auch an der ungleichen Verteilung der Werbebudgets für die Spiele liegt.

Foto von Christoph KochDie Produzenten-Seite hinkt der Konsumenten-Seite hinterher. Die Branche ist einfach noch sehr männlich. Solange Männer sich die Spiele ausdenken und Männer die Entscheidungen treffen, haben die männlichen Genres wie Shooter natürlich noch eine größere Reichweite und Strahlkraft. Christoph Kochspielt gerne weibliche Hauptcharaktere. Foto: Blanvalet Verlag / Urban Zintel 

Videospiele können vielfältig sein

Glücklicherweise gibt es Ausnahmen. Das kalifornische Entwicklerstudio Naughty Dog zum Beispiel setzt auf weibliche Hauptcharaktere und ist damit auch in den Verkaufscharts sehr erfolgreich. Als positives Beispiel gilt auch das Studio BioWare. In ihren beiden großen Reihen „Mass Effect“ und „Dragon Age“ können Gamer zwischen einer männlichen und weiblichen Spielfigur wählen und sogar ihre sexuellen Präferenzen festlegen.

Christoph Koch, Autor des Textes „Game Boys for Girls“ aus der aktuellen brand eins, erklärt detektor.fm-Moderator Christian Bollert, warum es weibliche Heldinnen in der Gaming-Branche noch immer schwer haben.


Das brand eins Magazin zum Hören

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