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Draghi überreicht Lagarde am 28. Oktober  symbolisch das Amt. Foto: Boris Roessler | AFP
Bild: Boris Roessler | AFP

Wechsel an der EZB-Spitze

„Eine Neuausrichtung erwartet zur Zeit niemand“

Christine Lagarde wird Chefin der Europäischen Zentralbank. Sie muss den gespaltenen EZB-Rat versöhnen und will die EZB-Politik verständlich machen. Allerdings übernimmt sie mit dem Amt auch ein schweres Erbe von ihrem Vorgänger Mario Draghi.

Die EZB-Apotheke

Früher war’s für Notenbanker einfacher. Lief die Konjunktur zu heiß, haben sie den Leitzins angezogen. Kühlte die Wirtschaft ab, haben sie den Leitzins gesenkt. Unter dem Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hat sich diese Faustregel ins Extreme gesteigert. Mit der Bankenkrise 2008 musste Draghi alle Mittel aus dem Apothekerschränkchen einer Zentralbank holen und hat die Finanzmärkte mit Geld geflutet. Die EZB legt die geldpolitische Linie für den gesamten Euroraum fest.

Seit der Finanzkrise ist Draghi bei dieser lockeren Geldpolitik geblieben. Noch im September hatte er beschlossen, die Anleihenkäufe auszuweiten und die Strafzinsen für Banken zu erhöhen, wenn sie überschüssiges Geld bei der EZB parken, anstatt es an Unternehmen und Verbrauchern als Kredite weiterzugeben. Draghi hat in einer außergewöhnlichen Situation zu außergewöhnlichen Mitteln gegriffen, für die er inzwischen als „Euro-Retter“ bekannt ist.

Seine Geldpolitik ist unter Experten trotzdem umstritten. Draghi wird dafür kritisiert, sich mit der laxen Geldpolitik zu sehr in die Finanzpolitik der einzelnen EU-Staaten einzumischen. Insbesondere die Bundesregierung schießt gegen die Negativzinsen, um die schwarze Null zu halten.

EZB für Dummies?

Draghis Nachfolgerin Christine Lagarde hat angekündigt, die EZB-Politik einer breiten Öffentlichkeit nahezubringen. Die Juristin und frühere Chefin des internationalen Währungsfonds gilt als charismatisch und diplomatisch, hat aber als französische Finanzministerin Millionen veruntreut.

Man erwartet das Lagarde einen neuen Kommunkationsstil einführen wird. Dass sie etwas offener sein wird, dass sie mehr versuchen wird auch für eine breite Bevölkerung die Geldpolitik zu erklären. – Frank Wiebe, Ökonom und Journalist

Über den Wechsel an der EZB-Spitze und was das für die Geldpolitik der Zentralbank bedeutet, spricht detektor.fm-Moderatorin Lara-Lena Gödde mit dem Finanzredakteur des Handelsblattes, Frank Wiebe.

Redaktion: Nadja Häse und Liam Pape


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