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Frau sitzt zwischen zwei Smartphones und vergräbt den Kopf. Foto: shutterstock/Roman
Bild: Roman Samborskyi | shutterstock.com

Die großen Fragen der Wissenschaft | Thomas Fuchs

Macht uns die Gegenwart krank, Thomas Fuchs?

Noch nie wurde so offen über psychische Gesundheit gesprochen. Trotzdem steigt die Zahl der Menschen mit Depressionen, Ängsten oder Erschöpfung. Liegt das an einer Welt, die immer schneller, digitaler und unübersichtlicher wird? Oder sind wir einfach sensibler geworden für psychisches Leid?

Ist unsere Psyche überfordert?

Es gibt Tage, an denen schon der Blick aufs Smartphone genügt, um das Gefühl zu bekommen: Das ist alles ein bisschen viel. Eine Nachricht jagt die nächste, zwischen Krieg und Klimakrise liegen Push-Mitteilungen, Arbeitsmails und die Erinnerung daran, dass man eigentlich noch Sport machen, sich gesund ernähren und ausreichend schlafen wollte.

Gleichzeitig wissen wir so viel über psychische Gesundheit wie nie zuvor. Doch macht uns das Leben heute tatsächlich psychisch kränker oder nehmen wir unser Innenleben einfach genauer wahr als frühere Generationen?

Die Psyche (…) ist eigentlich nicht dafür ausgerichtet, ständig Neues in dieser Intensität und Verdichtung verarbeiten zu müssen.

Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs

Prof. Dr. Dr. Thomas FuchsFoto: privat

Was braucht die Psyche?

Thomas Fuchs beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit psychischem Leid. Der Psychiater, Psychotherapeut und Philosoph ist Professor für Philosophische Grundlagen der Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Heidelberg und verbindet dabei medizinische, psychologische und philosophische Perspektiven.

Für ihn ist die Gegenwart durchaus eine Herausforderung. Unsere Gehirne und Körper haben sich nicht im selben Tempo verändert wie unsere Umwelt: Dass wir heute jederzeit Nachrichten aus der ganzen Welt empfangen, aber nicht direkt reagieren können, kann ein Gefühl der Ohnmacht auslösen, das dem menschlichen Bedürfnis nach Selbstwirksamkeit entgegensteht.

Fuchs betont zudem, dass wir soziale Wesen sind, die auf überschaubare, unmittelbare Beziehungen angewiesen sind. Der Leiblichkeit misst er eine besondere Rolle bei, insbesondere in Zeiten von Social Media: Menschen sollten sich wieder tatsächlich treffen, miteinander sprechen, gemeinsam Zeit verbringen. Und sich ruhig auch mal knuddeln. Für Fuchs gehört deshalb die Frage nach unserer Verkörperung auch zu einer der großen Zukunftsfragen.

Es wird die entscheidende Frage sein für die nächsten Jahrzehnte, wie wir uns als Menschen im Unterschied zur KI verstehen. Und dazu gehört der Gedanke der Verkörperung ganz zentral.

Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs

Resilienz üben

Psychisch gesund zu sein bedeutet für Fuchs dabei nicht, ständig zufrieden oder glücklich zu sein. Entscheidend sei vielmehr die Fähigkeit, mit Belastungen und negativen Gefühlen umzugehen und nach Krisen wieder ins Gleichgewicht zu finden. Auch Resilienz entsteht nicht unbedingt dadurch, dass uns Schwierigkeiten erspart bleiben — wer schwierige Situationen bewältigt, kann daraus die Erfahrung mitnehmen: „Ich werde schon zurechtkommen.“

In dieser Folge „Die großen Fragen der Wissenschaft“ sprechen Katharina Menne und Carsten Könneker von Spektrum der Wissenschaft mit Thomas Fuchs darüber, was psychische Gesundheit eigentlich bedeutet, ob wir unsere Widerstandskraft trainieren können und wie wir in einer Welt voller Krisen, Nachrichten und digitaler Reize gut mit uns selbst und miteinander leben können.


Redaktion und Moderation: Katharina Menne und Carsten Könneker

Redaktion detektor.fm: Stephan Ziegert und Jessica Hughes

Audioproduktion: Stanley Baldauf 

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