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Die großen Fragen der Wissenschaft | Beate Ditzen

Was ist Liebe?

Verliebtheit, Paarbeziehung, eine Freundschaft oder die Bindung zum eigenen Kind — Liebe kann sich sehr unterschiedlich anfühlen. Psychologin und Hirnforscherin Beate Ditzen über ein kompliziertes Gefühl.

Crazy in Love

Fast alle kennen das Gefühl, verliebt zu sein: Plötzlich dreht sich alles um den einen, scheinbar perfekten Menschen, das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, manche haben keinen Hunger oder können nicht schlafen. So schön sich Verliebtheit anfühlen mag, für den Körper ist diese Phase offenbar extrem anstrengend. In Messungen zeigen alle körperlichen Parameter von Verliebten eine extreme Stressreaktion, sagt die Psychologin Beate Ditzen. Unpraktischerweise fällt es uns gerade dann, wenn wir nicht negativ auffallen wollen, besonders schwer, nicht rot zu werden oder zu schwitzen. Und plötzlich sind wir bereit, für einen Menschen, den wir kaum kennen, eine Bank auszurauben.

Wie unglaublich stark Liebe als Motivator ist, und wie wenig rational wir fähig sind, das zu kontrollieren — das finde ich nach wie vor sehr verblüffend.

Prof. Beate Ditzen, Uni Zürich

Prof. Beate Ditzen, Uni ZürichFoto: Tobias Schwerdt

Liebe hat viele Gesichter

Geht die Verliebtheitsphase nach einigen Monaten in eine stabile Partnerschaft über, ändert sich auch das Liebesgefühl. Die Nähe zum Partner oder zur Partnerin löst weniger Herzklopfen aus, kann nun sogar beruhigend wirken. Die Verknalltheit wird von einer sicheren, vertrauensvollen Bindung abgelöst. Das fühlt sich nicht nur anders an, sondern ist auch mit etlichen physiologischen Effekten verbunden. Insbesondere das als Kuschelhormon bekannte Oxytocin spielt dabei eine große Rolle: In Kombination mit körperlicher Nähe und Sex kann es sogar für eine schnellere Wundheilung sorgen.

Wenn wir die Oxytocin-Forschung beim Menschen konsequent rückverfolgen würden, müssten wir sagen: Ja, Wühlmäuse können auch Liebe empfinden, und die monogame Wühlmaus-Beziehung ist eine dauerhafte Liebesbeziehung.

Eine rein physiologische Betrachtung greift allerdings ohnehin zu kurz, um das Wesen der Liebe vollständig zu erfassen, sagt Beate Ditzen. Wie liebesfähig wir sind und auf welche Art und Weise wir lieben, ist auch stark von unseren persönlichen Erfahrungen und kulturellen Prägungen beeinflusst.

Wie kann ein Gefühl so unterschiedliche, geradezu gegensätzliche Ausprägungen haben? Lieben Frauen anders als Männer? Warum können wir Oxytocin nicht als Liebes-Elixier einsetzen, und wieso sind ausgerechnet Wühlmäuse so wichtig für die Erforschung der Liebe? All das erfahrt ihr in dieser Folge von „Die großen Fragen der Wissenschaft“ mit Beate Ditzen. Sie ist Professorin für Klinische Biopsychologie und Psychotherapie an der Universität Zürich und ausgebildete Paartherapeutin.


Redaktion und Moderation: Katharina Menne und Carsten Könneker

Redaktion detektor.fm: Stephan Ziegert

Audioproduktion: Stanley Baldauf und Tim Schmutzler

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