Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt. Manche können nichts mehr essen und auch nicht mehr schlafen. Und sogar klare Gedanken zu fassen, ist manchmal ziemlich schwierig. Ja, so ist das, wenn man verliebt ist. So schön sich Verliebtheit auch anfühlen kann, für den Körper ist diese Phase tatsächlich extrem anstrengend. Das lässt sich messbar nachweisen. Im Großen und Ganzen ist es aber die Liebe, die uns gesund hält. Auch das ist wissenschaftlich belegt.
Aber was genau ist das eigentlich, Liebe? Um keine geringere Frage geht es hier heute. Ich bin Jessi Jus, schön, dass ihr zuhört. Eine platonische Liebe, Freundschaft, die Liebe zum Partner oder zur Partnerin oder zum eigenen Kind. Liebe kann sich sehr unterschiedlich anfühlen. Und kein anderes Thema besingen Menschen in Gedichten und Liedern so oft. Liebe verzaubert uns, sie zerreißt uns, sie trägt uns, und sie ist ein großes Rätsel, auch für die Wissenschaft.
Das weiß auch Beate Dietzen. Sie ist Professorin für klinische Biopsychologie und Psychotherapie an der Uni Zürich und außerdem ausgebildete Paartherapeutin. Im Podcast „Die großen Fragen der Wissenschaft“ erklärt sie den Hosts Karsten Könnecker und Katharina Menne, wie man dem Gefühl wissenschaftlich auf die Schliche kommen kann. Würden Sie Liebe, und ja, vor allen Dingen natürlich die Liebe, die zwei Menschen aneinanderbindet, würden Sie sagen, dass man die auch vom kulturellen Kontext ablösen kann und das als Naturgewalt bezeichnen kann, wie Sie sagten? Ja, Stressreaktionen und so weiter. Das heißt, da passiert ja wirklich neurobiologisch etwas. Oder sagen Sie, naja, das ist ja irgendwie auch unterschiedlich, ob ich mich jetzt in anderen Kulturen auch vielleicht in unterschiedlichen Zeiten befinde, je nachdem, was Menschen unter Liebe verstehen.
Ja, es unterscheidet sich ganz, ganz stark zwischen den Kulturen, ob Partnerschaften auf Liebe basieren. Aber Liebe als Phänomen, mir ist keine Kultur bekannt, wo das nicht in irgendeiner Weise beschrieben worden ist, und auch keine Zeit. Also seit wir Dokumente von menschlichem Zusammenleben haben, haben wir Informationen oder Texte zu starken Emotionen, zu starken hingezogenen Gefühlen, die wir als Liebe lesen können. Zum Beispiel das hohe Lied der Liebe im Alten Testament oder Walter von der Vogelweide, der ja schon irgendwelche Minne besingt. Ja, aber das ist schon spannend, dass es das in allen Kulturen dann auch gibt.
Kann man Liebe eigentlich provozieren? Also in der Literatur und im Kino gibt es ja sowas wie Liebestränke. Also vielleicht kennen Sie diese Szene. Ich habe das letztens mit meinem jüngsten Sohn noch mal geschaut bei Harry Potter, als eine Mitschülerin möchte, dass Harry sich in sie verliebt. Aber sie hat dann Pech, weil sein Kumpel Ron futtert dann die mit Liebestrank gefüllten Pralinen, und sein Verlangen wird dann geweckt. Das ist echt eine köstliche Szene. Mein Sohn hat sich gebogen vor Lachen. Also, der ist jetzt zwölf.
Aber mal im Ernst: Also könnte unser Wissen, unser wissenschaftliches Wissen um das Kuschelhormon Oxytocin zum Beispiel in dieser Angelegenheit nicht ganz praktisch nachhelfen? So vielleicht als praktisches Spray in der Hosentasche? Ja, das ist ja auch eine Idee oder ein Bedürfnis oder ein Wunsch, der, glaube ich, auch so alt ist, wie die Menschen in sozialen Beziehungen leben, dass wir möchten, dass die geliebte Person uns zurückliebt. Und wenn dem nicht so ist, dann halt pharmakologisch nachhelfen und wollen mit einem Aphrodisiakum, mit einem Liebestrank, mit irgendeinem Zaubermittel. Sie sitzen doch da an der Quelle. Also geben Sie uns mal einen Tipp oder eine Aussicht.
Ja, also dazu muss ich sagen, die Studien, die wir gemacht haben zu Oxytocin, die haben erstens, war das Oxytocin, wenn die Probandinnen und Probanden das bekommen haben, für die fast nie merkbar. Die konnten eigentlich nicht über den Zufall entsprechend sagen, dass sie Oxytocin bekommen haben. Es hatte auch im einzelnen Paarfall nie so durchschlagende Effekte, dass es für sich allein gewirkt hätte. Also allein Oxytocin zu verabreichen, und es gibt es ja im Internet, kann man es irgendwie so als Körperspray kaufen, damit andere einen dann toller finden. Also mir ist keine Studie bekannt, die das systematisch bestätigt hätte, dass wenn ich mich mit Oxytocin einspraye, dass andere mich dann mehr lieben oder sich mehr in mich verlieben oder mir auch nur mehr vertrauen, was, glaube ich, der Claim ist, den dieses Körperspray macht.
Aber Sie können auch nicht ausschließen, dass die Forschung vielleicht noch irgendwann auf etwas stößt, wo dann so etwas dann doch in den Horizont des Erreichbaren kommt. Ja, das kann ich nicht ausschließen. Und ich werde sicher oder hoffentlich auch in dem Bereich auch selbst weiterforschen. Allerdings gibt es auch schon seit vielen Jahrhunderten auch Substanzen, die ähnliche Effekte haben wie Oxytocin, zum Beispiel Alkohol oder auch bestimmte illegale Drogen, die ein Gefühl vermitteln: Ich liebe die Welt, die Welt liebt mich, ich bin eingebunden. Die dann allerdings nicht sehr spezifisch sind. Und das ist auch das Thema, was bei der Oxytocin-Forschung da mitspielt: Wie spezifisch ist das? Das ist genau wie bei dem Liebestrank oder dem Aphrodisiakon bei den Pralinen für Harry Potter. Genau, das ist das klassische Beispiel. Ja, der falsche ist angesprochen.
Und wenn wir jetzt davon ausgehen, dass wir wollen, dass eine spezifische andere Person genau uns liebt, dann bräuchten wir nicht nur ein spezifisches Aphrodisiakon, sondern wir müssen auch gucken, dass sie das genau dann bekommt und nur dann, wenn wir gerade da sind. Und dann muss es wahrscheinlich ein ganzer Cocktail sein, weil ich höre gerade so ein bisschen raus. Also auch bei Drogen kann man ähnliche Effekte erzeugen. Vermutlich bestätigen oder widerlegen Sie mich, weil es an die gleichen Rezeptoren andockt, die Droge, und deswegen eine ähnliche Reaktion hervorruft. Aber das heißt, was bräuchte man außer dem Oxytocin noch in so einem Spray, damit so eine Art von Liebe oder Vertrauen wirklich geweckt wird?
Ja, ganz genau. Also genau so ist es mit den Drogen. Also dieser stark belohnende, suchtmachende Aspekt, der müsste dann durch das Aphrodisiakon erfüllt sein. Und wahrscheinlich, um sich zu verlieben und nicht dann die dauerhafte Liebe zu verlängern oder zu verstärken. Sondern wenn ich möchte, dass eine andere Person sich in mich verliebt, dann ist auch ein gewisses Level von Stress und Arousal nötig. Da gab es ja vor Jahrzehnten diese Studie, wo Probanden über eine Hängebrücke gegenüber einer stabilen Brücke geschickt worden sind und dann wurde ihre Reaktion auf eine attraktive Versuchsleiterin oder einen Versuchsleiter am anderen Ende dieser Brücke gemessen. Was sich Wissenschaftler alles einfallen lassen. Ja, ein wunderbares Experiment. Also es muss auch großen Spaß gemacht haben, das durchzuführen. Ja, aber so ein gewisses Arousal, also wenn ich möchte, dass sich eine Person in mich verliebt, ganz idealerweise provoziere ich vielleicht bei einem gemeinsamen Ausflug, idealerweise, wenn ich die über die Hängebrücke bringe. Gehen wir dann mal zusammen über eine Hängebrücke.
Aber so Aktivität, ja, ein gewisses Level an Stress wäre nötig. Das war ein Ausschnitt aus unserem Podcast „Die großen Fragen der Wissenschaft“ mit Beate Dietzen. Sie ist Professorin für klinische Biopsychologie und Psychotherapie an der Universität Zürich und erzählt im weiteren Podcast auch noch von dem verrücktesten Experiment, das sie jemals mit Liebespaaren durchgeführt hat. Es lohnt sich also, den Podcast nochmal in voller Länge nachzuhören. Da bleibt euch auch noch eine gute Stunde. Denn wie ihr es euch vermutlich denken könnt, über die Liebe gibt es auch aus wissenschaftlicher Perspektive ziemlich viel zu sagen. Ich verlinke euch die Folge in den Shownotes. Danke an Wiebke Stark, die diese Folge produziert hat, und ich bin Jessi Jus. Macht’s gut, bis zum nächsten Mal.