Forschungsquartett | Endlager – eine endlose Suche?

Das Eine-Millionen-Jahre-Projekt

03.03.2016

Die Asse, Gorleben und Morsleben sind aus dem Rennen. Aber der hoch radioaktive Abfall bleibt. Und die Suche nach einem Endlager geht weiter. Auch Wissenschaftler suchen nach dem sichersten Ort.

Wohin mit dem Endlager?

Die Landkarte sei weiß, heißt es bei der Kommission „Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe“ des Bundestages. Das heißt: Prinzipiell kommt jeder Ort in Frage. Auch sonst steht die Suche nach einem Endlager noch ganz am Anfang. Nur ein paar Rahmenbedingungen sind schon definiert. Erstens soll der ganze hoch radioaktive Abfall an einem einzigen Ort in der Bundesrepublik gelagert werden. Zweitens soll das Endlager die Sicherheit für eine Millionen Jahre gewähren. Und auch vom möglichen Aufbau eines Endlagers hat die Kommission relativ klare Vorstellungen.

Armin_GrunwaldDie Sicherheit muss so gewährleistet werden, dass es letzten Endes auch okay ist, wenn oben drauf dann Menschen leben.Professor Armin Grunwaldist wissenschaftliches Mitglied der Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfälle des Bundestags. Foto: Karlsruher Institut für Technologie 

Die Hauptlast soll einer geologischen Formation übertragen werden. Im sogenannten Drei-Barrieren-Modell wird das Endlager wie ein Bergwerk tief unter der Erde in eine geeignete geologische Formation gegraben: Salz, Ton und Granit werden von Geologen favorisiert, weil diese Schichten über lange Zeiträume stabil bleiben. Diese etwa 1.000 Meter dicke Deckschicht kann die Strahlung nicht direkt durchdringen.

Der Super-GAU ist ein Wassereinbruch

Die Gefahr für die Umwelt und den Menschen geht vor allem von einem Wassereinbruch aus. Die radioaktiven Substanzen könnten sich dann im Wasser lösen und dadurch mobil werden. Weil ein Wassereinbruch über einen Zeitraum von einer Millionen Jahren kaum auszuschließen ist, befassen sich Forscher in Dresden-Rossendorf vor allem mit einer Frage: Wie hindert man den Abfall daran, aus dem Endlager zu wandern?

Am Helmholtz-Zentrum Dresden Rossendorf (HZDR) untersuchen Wissenschaftler mögliche Reaktionen des Abfalls mit Mineralien und mikrobiellem Leben im Berg. Die Prozesse, die in den nächsten Millionen Jahren im Endlager ablaufen könnten, sollen so modellierbar werden.

Dr Harald Foerstendorf vom HZDREs ist eine Risikoabschätzung. Im Ernstfall muss man dann schauen, ob es gelingt oder nicht. Es gibt keine absolute Sicherheit. Definitiv nicht.Dr. Harald Foerstendorfforscht am HZDR. Foto: Mike Sattler 

Es wird nicht nur eine wissenschaftliche Entscheidung sein. Es wird vor allem eine soziopolitische Entscheidung sein. Wir können nur als Wissenschaftler sagen: Wir haben die Grundlagen nach bestem Wissen und Gewissen erarbeitet und können Empfehlungen geben. – Harald Foerstendorf vom Helmholtz-Zentrum Dresden Rossendorf

In 300.000 Jahren ist der Spuk vorbei

Die radioaktiven Abfälle werden zerfallen, das ist klar. Die Halbwertszeit von Plutonium liegt bei 24.110 Jahren. Dann hat sich die Hälfte dieses Stoffes in andere, ungefährlichere Stoffe zersetzt. Schon lange vorher werden sich die Stahlbehälter zersetzt haben. Durch die strahlungsbedingte Wärmeentwicklung geben die Wissenschaftler den Behältern etwa 1.000 Jahre. Thorsten Stumpf geht davon aus, dass nach etwa 300.000 Jahren nur noch Materialien im Endlager vorhanden sind, wie sie etwa in natürlichen Uranlagerstätten vorkommen.

Professor Thorsten Stumpf vom HZDRDas Schöne an den Radionukliden ist ja, dass sie zerfallen. Sie haben eine Halbwertszeit, und wenn diese Zeit vergangen ist, dann ist die Hälfte nicht mehr vorhanden.Professor Thorsten Stumpfist Leiter des Instituts für Ressourcenökologie am HZDR. Foto: Mike Sattler 

Redaktion: Mike Sattler